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«Teutonico» plante Massaker in Moscheen

In Deutschland ist eine rechtsextreme Terrorzelle zerschlagen worden. Diese wollte «bürgerkriegsähnliche Zustände» herbeiführen.

Vincenzo Capodici
Schlag gegen den Rechtsterrorismus: Zwei Polizisten führen einen Verdächtigen zur Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.
Schlag gegen den Rechtsterrorismus: Zwei Polizisten führen einen Verdächtigen zur Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.
Reuters

Nach Razzien in sechs deutschen Bundesländern sitzen zwölf Männer in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet und sich an ihr beteiligt zu haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Das Ziel der im letzten September gegründeten Gruppe soll es gewesen sein, «die Staats- und Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland zu erschüttern und letztlich zu überwinden».

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft plante die Terrorzelle «bislang noch nicht näher konkretisierte» Anschläge auf Politiker, Asylsuchende und Personen muslimischen Glaubens, um «bürgerkriegsähnliche Zustände» herbeizuführen. Mit Anschlägen wollten die Rechtsextremisten offenbar Gegenangriffe provozieren und damit eine Spirale der Gewalt in Gang setzen. Gemäss «Spiegel»-Informationen hätte es in Deutschland Moschee-Massaker geben sollen, ähnlich wie 2019 im neuseeländischen Christchurch. Zehn Männer hätten in zehn Bundesländern gegen betende Muslime zuschlagen sollen.

Auch Polizeimitarbeiter in Haft

Der mutmassliche Anführer der Terrorzelle ist ein 53-jähriger Mann aus Augsburg, der den Spitznamen «Teutonico» trägt und von den Behörden als Gefährder eingestuft wird. «Teutonico» veranstaltete verschiedene Treffen der künftigen Terroristen. Zudem standen sie über Chatgruppen verschiedener Messenger-Dienste sowie telefonisch in Kontakt. Die Ermittler überwachten die Kommunikation der Neonazi-Zelle. Laut «Bild»-Informationen sollen sie einen V-Mann in die Gruppe eingeschleust haben. Die Sicherheitsbehörden observierten am vorletzten Samstag ein Treffen von zehn Personen im westfälischen Minden. Am Freitag erfolgte der Zugriff der Polizei.

Steigende Gefahr durch Rechtsterrorismus: Die deutsche Polizei nahm am Freitag zwölf Personen fest. Foto: Reuters
Steigende Gefahr durch Rechtsterrorismus: Die deutsche Polizei nahm am Freitag zwölf Personen fest. Foto: Reuters

Alle zwölf Beschuldigten sind deutsche Staatsangehörige, sie sollen zwischen 31 und 60 Jahre alt sein. Vier von ihnen gelten als Mitglieder der Terrorzelle, die anderen acht als Unterstützer, darunter ist offenbar auch ein Verwaltungsmitarbeiter der nordrhein-westfälischen Polizei. Die Unterstützer sollten laut Bundesanwaltschaft Geld und Waffen beschaffen sowie an Anschlägen mitwirken. Die aktuellen Ermittlungen hätten den Verdacht erhärtet, hiess es weiter. Wie konkret die Terrorpläne waren, lässt sich erst nach Auswertung der beschlagnahmten Computer und Datenträger beurteilen.

Wie die «Welt am Sonntag» unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, agierte die Gruppe unter dem Namen «Der harte Kern». Sie orientierte sich unter anderem an der rechtsextremen Gruppierung «Soldiers of Odin». Diese ist eine 2015 in Finnland gegründete rechtsextremistische Bürgerwehr, die sich danach auch in Deutschland bildete. Verwandte Gruppierungen sind «Wodans Erben Germanien» und «Vikings Security Germania», die beide vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Über 50 rechtsextreme Gefährder

Die jüngsten Festnahmen zeigen erneut, dass die Bedrohung durch Rechtsextremismus gestiegen ist. Die Polizei stuft inzwischen 53 Männer und Frauen als rechtsextreme Gefährder ein. Als Gefährder bezeichnet der Staatsschutz Personen, denen man zutraut, einen Anschlag zu verüben. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass in Deutschland rund 12’700 Rechtsextremisten gewaltorientiert sind. Im vergangenen Monat hat die deutsche Regierung die Neonazi-Vereinigung Combat 18 verboten.

In den letzten Jahren sind in Deutschland mehrere mutmassliche Terrorzellen zerschlagen worden, so zum Beispiel die Gruppe Freital oder Revolution Chemnitz. Nach der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke und dem versuchten Anschlag auf eine Synagoge in Halle, bei dem zwei Menschen starben, erklärten die Sicherheitsbehörden den Kampf gegen den Rechtsextremismus zur Priorität.

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