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Theresa Mays zweite Front

Dass die Schotten nochmals über ihre Unabhängigkeit bestimmen möchten, kümmert die britische Premierministerin wenig.

Der Brief, den die Briten heute in Brüssel vorlegen, markiert den Beginn echter Brexit-Auseinandersetzung zwischen der EU und London. Erste Scharmützel lassen ahnen, dass die Abschiedsschlacht eine ­bittere Schlacht werden wird. Aber während man in der Downing Street halb bang und halb trotzig über den Kanal schaut, um zu sehen, wie «die Europäer» reagieren, haben droben im Norden die Schotten eine zweite Front eröffnet im Austrittsstreit.

Just am Tag vor der Aufkündigung der britischen EU-Mitgliedschaft hat das schottische Parlament die Regierung May in aller Form aufgefordert, Schottland ein neues Unabhängigkeitsreferendum zuzugestehen. Den Anlass bietet wiederum der Brexit. Die Schotten waren nie dafür.

Vier oder fünf Jahre warten lassen

Das kümmerte die Regierung May aber wenig. Kompromissvorschläge Edinburghs wurden ignoriert, niemand hielt die Beteiligung der Schotten an der Londoner Brexit-Planung für erforderlich. Theresa May verlor die Komplexität des weiteren Königreichs aus dem Blick. Nun muss sie sich, mitten im Brexit-Getümmel, um einen weiteren Konfliktherd kümmern. Am liebsten würde sie das schottische Verlangen ignorieren, es verzögern, die Sache im Sande verlaufen lassen. Überraschen würde es nicht, wenn May mit dem Gedanken spielte, die Schotten vier oder fünf Jahre auf ihre Volksabstimmung warten zu lassen. Bis der Brexit «geregelt» ist und alles sich abgekühlt hat.

Ein formeller Beschluss des schottischen Parlaments aber bedarf einer formellen Antwort. Und viele Schotten betrachten die Entscheidung des Edinburgh-Parlaments schon als Startschuss für eine inoffizielle neue Unabhängigkeitskampagne – auch wenn sie wissen, dass diese Kampagne ein Marathon wird.

Die Sache hat ihre eigene Dynamik. Je mehr sich May gegen den Willen des schottischen Parlaments stellt, desto mehr treibt sie empörte Wähler Schottlands Separatisten in die Arme. Und je bitterer ihre Schlacht mit Brüssel wird, desto verlockender muss sich für viele die Vorstellung eines alternativen Wegs ausnehmen. Oder zumindest, in Schottland, die Chance einer Wahlmöglichkeit.

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