Zum Hauptinhalt springen

Thilo Sarrazin tritt zurück

Der umstrittene Vorstand der deutschen Bundesbank hat darum gebeten, von seinem Amt entbunden zu werden. Die Debatte um seine kritischen Aussagen gegenüber Migranten geht jedoch weiter.

Thilo Sarrazin zieht Bilanz: Es war nach seinem Empfinden ein Jahr, in dem ihn die Elite ausstiess und die Bevölkerung auffing.
Thilo Sarrazin zieht Bilanz: Es war nach seinem Empfinden ein Jahr, in dem ihn die Elite ausstiess und die Bevölkerung auffing.
Keystone
Am 9. September gibt die deutsche Bundesbank bekannt, dass Sarrazin sich von seinem Amt entbinden lassen will. Am gleichen Tag hält er in Potsdam eine Lesung.
Am 9. September gibt die deutsche Bundesbank bekannt, dass Sarrazin sich von seinem Amt entbinden lassen will. Am gleichen Tag hält er in Potsdam eine Lesung.
Keystone
Sein Werk trägt den Titel «Deutschland schafft sich ab».
Sein Werk trägt den Titel «Deutschland schafft sich ab».
Keystone
1 / 8

Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat um seine Entlassung gebeten. Mit Blick auf die öffentliche Diskussion werde er seine Zusammenarbeit mit der Bundesbank zum Monatsende beenden, teilte die Bundesbank am Donnerstagabend mit. Die Trennung erfolge einvernehmlich. Sarrazin habe Bundespräsidenten Christian Wulff gebeten, ihn von seinem Amt zu entbinden.

Sarrazin hatte mit Äusserungen in seinem Buch «Deutschland schafft sich ab» über eine angeblich erbliche Dummheit muslimischer Einwanderer bundesweit für Empörung gesorgt. Er sagte bei einer Lesung am Abend in Potsdam, der Bundesbankvorstand habe seine Anwürfe gegen ihn zurückgezogen. «Danach habe ich den Bundespräsidenten gebeten, mich mit Ablauf des 30. September von dem Amt zu entbinden», sagte Sarrazin.

Wulff begrüsste Sarrazins Schritt. Sein Sprecher Olaf Glaeseker sagte auf dapd-Anfrage: «Der Bundespräsident wird dem Antrag von Herrn Sarrazin entsprechen und begrüsst die einvernehmliche Lösung mit der Deutschen Bundesbank.»

Öffentlicher Druck

In der Erklärung der Bundesbank hiess es, der Vorstand und Sarrazin seien sich ihrer Verantwortung für die Institution Deutsche Bundesbank bewusst. Der Vorstand habe seinen Antrag vom 3. September zur Abberufung Sarrazins durch Wulff zurückgezogen und halte die Wertungen aus seiner Pressemitteilung vom 30. August nicht aufrecht. Der Vorstand danke Sarrazin für seine Arbeit als Vorstandsmitglied. Beide Seiten wollten sich in dieser Angelegenheit nicht mehr äussern.

Sarrazin sagte, für ihn sei die jüngste Zeit nicht einfach gewesen. Er habe ein wichtiges Sachthema aufgegriffen und dann vor der Frage gestanden, ob er sich mit der gesamten politischen Klasse und 70 Prozent der veröffentlichten Meinung in Deutschland anlegen wolle. «Diese Situation hält auf die Dauer keiner durch», sagte er. Jetzt könnten die Leute nicht mehr sagen: «Der Bundesbankvorstand hat gesagt...», sondern «Sarrazin hat gesagt...» Damit könne er leben.

dapd/oku

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch