«Titanic» narrt Medien mit Tweet zu geplatztem Unionsbündnis

CSU-Chef Seehofer kündigt das Unionsbündnis: Auch Schweizer Medien und eine Nachrichtenagentur fallen auf diese Falschmeldung herein.

Stand unfreiwillig im Zentrum der Falschmeldung: Innenminister Horst Seehofer. (13. Juni 2018)

Stand unfreiwillig im Zentrum der Falschmeldung: Innenminister Horst Seehofer. (13. Juni 2018) Bild: Joachim Herrmann/Reuters

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Ein Redaktor des Satire-Magazins «Titanic» hat am Freitag unter einem Fake-Account die falsche Meldung verbreitet, CSU-Chef Seehofer kündige das Unionsbündnis auf. Zahlreiche Medien, darunter auch solche aus der Schweiz, und eine Nachrichtenagentur fielen darauf hinein und verschickten Eilmeldungen, um sie kurz darauf wieder zurückzuziehen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor ein halbes Prozent, der Euro gab leicht nach.

Der Streit zwischen den Regierungsparteien CDU und CSU ist eigentlich ein ernstes Thema. Trotzdem hat ihn ein bekanntes Satiremedium für einen gross angelegten Scherz genutzt.

«Seehofer kündigt Unionsbündnis mit CDU auf»: Diese Eilmeldung erreichte am Freitag Millionen Deutsche. Es handelt sich aber um eine Falschmeldung.

Sie geht auf einen Redaktor des Satiremagazins «Titanic», Moritz Hürtgen, zurück. Dieser modelte seinen Twitteraccount so um, dass er wie ein Account des Hessischen Rundfunks aussah. Der vermeintliche hr twitterte unter Berufung auf eine interne Mail des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Innenminister Horst Seehofer wolle das Unionsbündnis aufkündigen. Um 15 Uhr gebe Angela Merkel eine Pressekonferenz.

Sogar die Finanzmärkte reagierten

Der Dax verlor auf einen Schlag ein halbes Prozent. Auch der Euro gab leicht nach. Anschliessend stiegen die Kurse direkt wieder. Die gefoppte Agentur ist einer der wichtigsten Informationsdienste für Börsenhändler.

Nach kurzer Zeit nahmen mehrere Medien, die auf die Falschmeldung hereingefallen waren, die Nachricht wieder zurück. Nach einer Dreiviertelstunde twitterte der Fake-Account «hr Tagesgeschehen» einen deutlichen Hinweis: «‹hr Tagesgeschehen› empfiehlt allen politikinteressierten Bürgern eine Titanic-Goldmitgliedschaft.» Kurz darauf benannte er sich wieder um in «Moritz Hürtgen / hr Tagesgeschehen». Über den abgestürzten Dax äusserte er Bedauern.

«Das ist Quatsch»

Mehrere Unions-Politiker haben die Meldung inzwischen dementiert: Der Sprecher der Hessen-CDU Michael Busser erklärte, es gebe keine «interne Bouffier-Mail» mit diesem Inhalt. Der Vizechef der CSU-Landesgruppe im Bundestag Hans Michelbach kommentierte den Tweet mit dem Satz: «Ich kann offiziell sagen, dass das Quatsch ist.» Auch die Staatskanzlei Hessen reagierte mit einem Tweet:

Am Donnerstag war der Streit um Asylpolitik zwischen CDU und CSU kurzzeitig eskaliert. Eine Bundestagssitzung wurde unterbrochen; die beiden Fraktionen tagten getrennt voneinander stundenlang. Streitthema ist der sogenannte «Masterplan Migration» von CSU-Chef Seehofer. Er will ab sofort Flüchtlinge an der deutschen Grenze abweisen, die bereits in einem anderen EU-Land Asyl beantragt haben. CDU-Chefin Merkel hingegen will eine europäische Lösung erarbeiten. (sz.de/nag)

Erstellt: 15.06.2018, 13:46 Uhr

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