Zum Hauptinhalt springen

Tsipras flog zu Putin

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist vor dem Hintergrund schwieriger Verhandlungen mit den Gläubigern Athens nach Russland gereist.

Interview in Athen: Alexis Tsipras (r.) verbindet seine politische Zukunft mit dem Referendum vom 5. Juli. (29. Juni 2015)
Interview in Athen: Alexis Tsipras (r.) verbindet seine politische Zukunft mit dem Referendum vom 5. Juli. (29. Juni 2015)
Keystone
Chinas Regierungschef Li Keqiang (l.) und EU-Ratspräsident Donald Tusk treffen sich in Brüssel. Die Chinesen drängen darauf, dass sich die EU und Griechenland im Zwist bald einigen. (29. Juni 2015)
Chinas Regierungschef Li Keqiang (l.) und EU-Ratspräsident Donald Tusk treffen sich in Brüssel. Die Chinesen drängen darauf, dass sich die EU und Griechenland im Zwist bald einigen. (29. Juni 2015)
John Thys, Keystone
Hat schon viele «Ideen» vorgelegt, die Vertreter der Geldgeber fordern aber einen konkreten Massnahmenplan: Finanzminister Giannis Varoufakis.
Hat schon viele «Ideen» vorgelegt, die Vertreter der Geldgeber fordern aber einen konkreten Massnahmenplan: Finanzminister Giannis Varoufakis.
Virginia Mayo, Keystone
1 / 38

Vor einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte Tsipras am Freitag bei einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg: «Wie Sie alle wissen, sind wir jetzt mitten in einem grossen Sturm. Aber wir sind eine Seefahrernation, die weiss, wie man durch Stürme navigiert und keine Angst hat, neue Meere anzusteuern und neue Häfen zu erreichen», fügte Tsipras hinzu.

Tsipras bei Putin. Video: Reuters.

Tsipras hat in Russland offenbar nicht um Kredite für sein vor dem Staatsbankrott stehendem Land gebeten. Über das Thema einer russischen Finanzspritze für Griechenland sei während des Treffens zwischen Tsipras und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht gesprochen worden, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Freitagabend. Zuvor hatte er noch erklärt, Russland würde einen Kredit in Erwägung ziehen, wenn Tsipras darum bitten würde.

Was heute Freitag sonst noch zu Griechenland vermeldet wurde:

Wegen fehlender Fortschritte bei den Verhandlungen über das Rettungsprogramm bleibt die Zukunft des Euro-Staats Griechenland ungewiss. Damit die Banken des Landes mit schwindenden Einlagen zurechtkommen, billigt die EZB eine Anhebung der Nothilfen.

Nach dem gescheiterten Finanzminister-Treffen zu Griechenland ist die Unsicherheit weiter gewachsen. Angesichts des Stillstands bei den Verhandlungen zwischen Athen und seinen Gläubigern nehmen auch die Geldabhebungen und Überweisungen in griechischen Banken zu, wie aus EU-Kreisen verlautete. Vor diesem Hintergrund billigte der Rat der Europäischen Zentralbank am Freitag weitere Notkredite für die Geldinstitute. Mehrere europäische Länder geben inzwischen offen zu, sich auf einen möglichen Bankrott und Austritt der Griechen aus dem Euro vorzubereiten.

Aus EU-Kreisen verlautete, in den vergangenen drei Tagen hätten Griechen rund zwei Milliarden Euro aus ihren Bankkonten abgezogen.

Die EZB hat die Unterstützung für griechische Banken stetig erhöht. Es wird nicht davon ausgegangen, dass die Institution diesen Geldhahn zudreht, solange sie nicht ganz sicher mit einer Staatspleite Griechenlands rechnet. Zudem gilt ein Stopp der Hilfsmassnahmen vor dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Montag in Brüssel als nahezu ausgeschlossen. Sollte sich allerdings nicht bald ein Abkommen zwischen Athen und den Geldgebern abzeichnen, damit das Land fällige Schuldenbeiträge zahlen kann, stünde die EZB unter enormem Druck, kein weiteres Geld in ein vom Kollaps bedrohtes Bankensystem zu pumpen.

Die Geldgeber wollen, dass Griechenland neuen Reformen und einem strengeren Haushalt zustimmt, bevor sie dem Land weitere Kredite gewähren. Die Zeit wird knapp: Am 30. Juni muss das EU-Land 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zahlen. Dazu ist aber ein Deal erforderlich, um 7,2 Milliarden Euro an Rettungskrediten freizugeben. Das Verhältnis zwischen Athen und den Geldgebern hat sich in den vergangenen Tagen verschlechtert.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras bemühte sich trotz des gescheiterten Treffens am Donnerstag um einen optimistischen Ton. Der Gipfel am Montag sei «eine positive Entwicklung auf dem Weg zu einer Vereinbarung», sagte er. Denjenigen, «die in Krise und Horrorszenarien investieren, wird das Gegenteil bewiesen werden», erklärte Tsipras.

Zum Abschluss des Treffens der EU-Finanzminister in Luxemburg gab es am Freitag kaum Hoffnung, dass es vor einer weiteren Zusammenkunft der Euro-Finanzminister und dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs am Montag weitere Gespräche geben könnte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, vielleicht werde die Bereitschaft der Griechen, «das Notwendige zu tun», über das Wochenende zunehmen.

Der britische Finanzminister GeorgeOsborne sagte, «wir hoffen auf das Beste, aber wir müssen auf das Schlimmste vorbereitet sein». Der slowakische Ministerpräsident RobertFico betonte, sein Land sei «mental und technisch vorbereitet» für einen griechischen Austritt aus dem Euro. «Wir wünschen, dass Griechenland in der Eurozone bleibt, aber nicht um jeden Preis», erklärte er.

SDA/sam

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch