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Tsipras' Partei ist einer Spaltung ganz nah

Trotz harter Sparpläne stehen die Griechen laut einer Umfrage hinter Alexis Tsipras. Innerhalb von Syriza gibt es aber Widerstand. Es droht sogar eine Spaltung der Partei.

Die griechische Bevölkerung steht hinter ihrem Ministerpräsidenten: Alexis Tsipras spricht zum Parlament.
Die griechische Bevölkerung steht hinter ihrem Ministerpräsidenten: Alexis Tsipras spricht zum Parlament.
Yannis Kolesidis/EPA

Das griechische Parlament hat in der Nacht einem weiteren Paket der Spar- und Reformpläne zugestimmt und so Ministerpräsident Alexis Tsipras den Rücken gestärkt. Auch in der Bevölkerung geniesst Tsipras grossen Rückhalt. Das «Wall Street Journal» (Bezahlartikel) zitiert eine Umfrage des griechischen Kapa Research Instituts, nach der über 60 Prozent der Griechen Tsipras unterstützen.

Der grösste Widerstand kommt allerdings vom linken Flügel von Syriza. Sollte es Neuwahlen geben, was das «Wall Street Journal» für durchaus wahrscheinlich hält, würde es wohl zu einer Abspaltung des linken Flügels der Syriza-Partei kommen. Auch die griechischen Medien rechnen damit: «Ganz nah an einer Spaltung», titelt die konservative griechische Zeitung «Kathimerini». Die «zentrifugalen Kräfte», die in der Syriza-Partei wirkten, hätten sich erneut gezeigt.

«Der Spalt bleibt», titelt die linke Zeitung «I Efimerída ton Syntaktón». Der Riss innerhalb der Syriza sei nach wie vor gross – trotz eines etwas besseren Ergebnisses als bei der Abstimmung in der vergangenen Woche. Die Regierungsmehrheit sei zum zweiten Mal binnen weniger Tage verloren gegangen. Die Boulevardzeitung «Ethnos» spielt mit dem Namen der grössten Gruppe der innerparteilichen Opposition in der Syriza, der linken Plattform: «Plattform der Scheidung», schreibt das Blatt. Angesichts des grossen Rückhalts in der Bevölkerung dürfte Tsipras Neuwahlen bedeutend gelassener entgegenblicken als seine internen Widersacher.

«Keine brauchbaren Alternativen»

Bei einem Treffen mit der Parteispitze vor der Parlamentsdebatte ging Tsipras denn auch auf Konfrontationskurs. Mit Bezugnahme auf griechische Medien schreibt die NZZ, Tsipras habe seinen Leuten vorgeworfen, nur «heroische Erklärungen» abzugeben, aber «keine brauchbaren Alternativen vorzuschlagen». Wenn jemand andere Pläne habe – zum Beispiel die Wirtschaft mit Schuldscheinen am Leben zu erhalten oder die Eurozone vorübergehend zu verlassen –, solle er bitte hinstehen und diese der Bevölkerung erklären.

Mit seiner Kritik richtete er sich vor allem auch an seine ehemaligen Minister Gianis Varoufakis und Panagiotis Lafazanis sowie die Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou. Eine Schippe obendrauf legte Syriza-Fraktionschef Nikos Filis, der hinter Tsipras steht. In einem Interview habe er indirekt mit Neuwahlen gedroht: Wenn die Regierungskoalition nicht mindestens 120 Stimmen erhalte, werde man so nicht weiterregieren – letzte Woche hatten 117 Syriza-Parlamentarier gegen ihren Chef gestimmt. Wie viele Abweichler es diesmal gab, ist (noch) nicht bekannt, es sollen aber weniger sein als letzte Woche.

SDA/ofi

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