USA dürfen türkischen Stützpunkt nutzen

Im Kampf gegen den Islamischen Staat geht die Türkei in die Offensive. Auch eine Mauer soll weiteren IS-Terror vom Land fernhalten.

Nutzung erlaubt: Ein Jet der US-Luftwaffe hebt vom türkischen Stützpunkt Incirlik ab. (1. September 2013)

Nutzung erlaubt: Ein Jet der US-Luftwaffe hebt vom türkischen Stützpunkt Incirlik ab. (1. September 2013) Bild: AFP

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Die Türkei hat den USA die Nutzung des Luftwaffenstützpunktes Incirlik für Luftangriffe gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien erlaubt. Ankara und Washington hätten nach monatelangen Verhandlungen eine entsprechende Vereinbarung getroffen, hiess es aus US-Regierungskreisen.

Die USA fliegen seit dem vergangenen Sommer gemeinsam mit Verbündeten Luftangriffe auf IS-Stellungen. Für den Kampf am Boden setzt Washington auf die irakischen Streitkräfte, kurdische Verbände sowie die moderate Opposition gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad.

Ein Terrorist getötet

Bei Gefechten in der türkischen Provinz Kilis an der Grenze zu Syrien sind laut dem türkischen Generalstab ein Soldat und ein Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden. Vier Soldaten seien verletzt worden, berichtete die Agentur DHA.

Das Feuer sei von syrischer Seite eröffnet worden, hiess es weiter. Nach dem Anschlag mutmasslicher Mitglieder der IS-Miliz erhöht die Türkei die Sicherheitsvorkehrungen entlang der 900 Kilometer langen Grenze zu Syrien. Auf 150 Kilometern wird eine Mauer errichtet.

Die Wand könne je nach Bedarf zerlegt und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, sagte ein Regierungsvertreter am Donnerstag. Auf 118 Kilometern würden Scheinwerfer aufgestellt.

Die Streitkräfte heben einen zusätzlichen, 365 Kilometer langen Graben aus. Etwa 90 Prozent aller Aufklärungsflugzeuge und Drohnen wurden dem Militär zufolge an die Grenze zu Syrien verlegt. 20'000 Soldaten sind im Einsatz.

Obama will Erdogan unterstützen

US-Präsident Barack Obama sicherte seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan in der Nacht zum Donnerstag zudem telefonisch seine Unterstützung zu. Beide Länder wollten zusammenarbeiten, um den Strom ausländischer Kämpfer einzudämmen, erklärte das Präsidialamt in Washington.

Die Grenze verläuft teilweise direkt parallel zu Gebieten, die der so genannte Islamische Staat (IS) in Syrien unter seine Kontrolle gebracht hat. Die türkische Regierung sieht sich der Kritik ausgesetzt, dass ihre Massnahmen zum Grenzschutz zu spät kommen.

Vermutlich Tausende Ausländer sind in den vergangenen Jahren über die Türkei nach Syrien eingesickert, um für die sunnitischen Fanatiker der IS-Terrorbanden zu kämpfen. Viele Kurden, die in der betroffenen Region leben, werfen der Regierung vor, den IS aus taktischen Gründen heimlich zu unterstützen, um die Kurden zu schwächen.

Die Türkei hat dies stets zurückgewiesen. In Syrien und dem Irak bekämpfen sich IS und kurdische Gruppen.

Weiterer Angriff auf Polizisten

Wie brisant die Lage ist, zeigte am Montag ein Selbstmordanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc mit 32 Toten. Die türkischen Behörden vermuten, dass der Täter ein 20-Jähriger Türke war, der im vergangenen Jahr in Syrien einer Gruppe mit IS-Verbindungen half.

Am Mittwoch wurden im Südosten des Landes zwei türkische Polizisten getötet. Die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) erklärte, sie habe den Anschlag aus Vergeltung für Suruc verübt.

Auch am Donnerstag wurde bei einem Angriff ein Polizist getötet und ein weiterer verletzt worden. Der Mann sei in der Provinzhauptstadt Diyarbakir erschossen worden, hiess es.

Aus Polizeikreisen verlautete, die beiden Beamten seien zu einem Unfall im Stadtteil Sehitlik gerufen worden, einer Hochburg der PKK. Mehrere bewaffnete Männer hätten sodann das Feuer auf die Polizisten eröffnet und seien anschliessend geflohen. (rar/sda)

Erstellt: 23.07.2015, 16:35 Uhr

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