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Türkei weist Israels Botschafter aus

Ankara tobt, weil sich Israel bis nicht für den Militäreinsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte entschuldigt hat. Die militärische Zusammenarbeit der beiden Länder wurde nun auf Eis gelegt.

Die Türkei hat wenige Stunden vor der geplanten Veröffentlichung des UN-Berichts über den blutigen israelischen Militäreinsatz gegen eine Gaza-Hilfsflotte im vergangenen Jahr den israelischen Botschafter des Landes verwiesen. Die Regierung in Ankara begründete die Entscheidung damit, dass sich Israel nicht für den Einsatz eines Spezialkommandos entschuldigt hat, der neun Menschen das Leben kostete. Ausserdem wird die militärische Zusammenarbeit mit der Regierung in Jerusalem auf Eis gelegt.

Aussenminister Ahmet Davutoglu erklärte, die diplomatischen Beziehungen zu Israel würden künftig auf die Ebene der Legationsräte beschränkt. Der israelische Botschafter und weitere hochrangige Diplomaten würden die Türkei bis Mittwoch verlassen. «Es ist Zeit, dass Israel einen Preis zahlt», sagte Davutoglu. Das einst enge Verhältnis der beiden Staaten hatte sich nach dem Militäreinsatz gegen die Gaza-Hilfsflotte im Mai 2010 deutlich verschlechtert.

Die Regierung in Jerusalem lehnt eine Entschuldigung kategorisch ab. In dem für (den heutigen) Freitag erwarteten UN-Bericht werde keine israelische Entschuldigung gefordert, erklärte eine Gewährsperson. Der Report empfehle jedoch, dass Israel Bedauern äussere und Entschädigungen zahle.

Zwtl.: Israel will zur Zusammenarbeit mit der Türkei zurückkehren

Israel hoffe, dass beide Staaten «zu der Zusammenarbeit zurückkehren, die der Eckpfeiler der regionalen Stabilität war», hiess es weiter. Die Regierung geht den Angaben zufolge davon aus, dass der Bericht im Laufe des Tages von den Vereinten Nationen veröffentlicht werde.

Die Zeitung «New York Times» berichtete, in dem Dokument würden Israel und die Türkei aufgefordert, ihre diplomatischen Beziehungen wieder in vollem Umfang aufzunehmen und ihr Verhältnis mit Blick auf die Stabilität im Nahen Osten und auf internationalen Frieden und Sicherheit wiederherzustellen. Der Bericht stützt dem Blatt zufolge die Position Israels, dass die Seeblockade des Gazastreifens angesichts der Bedrohung durch militante Palästinenser eine «legitime Sicherheitsmassnahme» sei.

Während sich die meisten Passagiere der Hilfsflotte friedlich verhalten hätten, sei eine kleine Gruppe auf organisierten Widerstand vorbereitet und unter anderem mit Eisenstangen und Ketten bewaffnet gewesen, schrieb die «New York Times» weiter. Dennoch sei die von Israel angewendete Gewalt «exzessiv und unangemessen» gewesen. Der israelische Einsatz rief damals international Empörung hervor. In der Folge lockerte Israel Restriktionen bei der Lieferung von Gütern in den Gazastreifen über den Landweg. Die Seeblockade des Autonomiegebiets wurde aber beibehalten.

Zwtl.: Ankara will Opferfamilien in Gerichtsverfahren unterstützen

Angesichts der israelischen Weigerung, sich zu entschuldigen, wird die Türkei nach Angaben des Aussenministeriums eigene Massnahmen ergreifen, um die Angehörigen der Opfer des Militäreinsatzes zu unterstützen. So werde die Türkei Opferfamilien bei Gerichtsverfahren gegen Israel ihre Hilfe anbieten, kündigte Davutoglu an. Die Türkei wolle den Fall vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen. Ausserdem erklärte Davutoglu, die Türkei werde die «freie Schifffahrt» im östlichen Mittelmeer sicherstellen.

Der türkische Präsident Abdullah Gül zeigte sich verärgert, dass die UN in ihrem Bericht keine Entschuldigung Israels verlangen. Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas lobte die scharfe diplomatische Reaktion aus Ankara.

dapd/AFP/bru

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