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Türken wollen Taten sehen

Die aufgeflogene Nazi-Terrorgruppe schreckt Deutschland auf – vor allem die Türken, die dort leben. Sie fühlen sich schon lange von den Behörden vernachlässigt.

Yalcin Tiryaki steht wie immer hinter dem Tresen seines kleinen Kiosks in Berlin-Mitte. Draussen ist ein schöner Herbsttag, vor ihm liegt der aktuelle «Spiegel». Das Titelbild zeigt Bilder von drei mutmasslichen Nazi-Terroristen. «Die Braune Armee Fraktion», steht in fetten Lettern. Zehn Menschen soll die sogenannte Zwickauer Zelle umgebracht haben, darunter acht Türken. «Sie wurden ja nur gefasst, weil der Banküberfall schiefging», sagt der 24-jährige Tiryaki – und bringt damit zum Ausdruck, was viele Türken in Deutschland denken. Die Morde allein hätten die Polizei kaum genug interessiert, schliesslich seien die Opfer bloss Türken gewesen. Das ist ein ungeheuerlicher Verdacht, aber Tiryaki glaubt daran. Vier Tage sind vergangen, seit bekannt wurde, dass die unheimlichste Mordserie der letzten Jahrzehnte auf das Konto einer rechtsextremen Terrorbande geht. Deutschland ringt immer noch um Fassung. Kanzlerin Angela Merkel nannte die Taten eine Schande.

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