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Türkische Regierung verfolgt blutige Spur zum IS

Die politische Lage in der Türkei ist seit den Bombenanschlägen vom Samstag gespannt. Wilde Spekulationen vergiften die Atmosphäre.

Trauerfeier nach dem Anschlag von Ankara: Angehörige am Sarg von Korkmaz Tedik. (11. Oktober 2015)
Trauerfeier nach dem Anschlag von Ankara: Angehörige am Sarg von Korkmaz Tedik. (11. Oktober 2015)
AFP
Minister- und Justizpräsident Ahmet Davutoglu erklärt am Montag, dass die Regierung Forschritte bei der Ermittlung gemacht habe. Erste Priorität bei der Untersuchung habe der IS. (7. Oktober 2015)
Minister- und Justizpräsident Ahmet Davutoglu erklärt am Montag, dass die Regierung Forschritte bei der Ermittlung gemacht habe. Erste Priorität bei der Untersuchung habe der IS. (7. Oktober 2015)
Emrah Gurel, Keystone
Die Situation vor Ort ist chaotisch. (10. Oktober 2015)
Die Situation vor Ort ist chaotisch. (10. Oktober 2015)
screenshot/Twitter
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Nach dem verheerenden Terroranschlag von Ankara meldet die Regierung der Türkei Fortschritte bei den Ermittlungen. Man stehe kurz vor der Identifizierung eines der beiden Selbstmordattentäter, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Montag. Erste Priorität bei der Untersuchung habe die Terrormiliz Islamischer Staat. Der Terrorakt beunruhigt auch die internationalen Partner. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist am Sonntag in die Türkei, um sich mit der Regierung zu beraten.

Am Samstag waren zwei Bomben bei einer Kundgebung türkischer und kurdischer Aktivisten für Frieden und Demokratie explodiert. Nach jüngsten offiziellen Angaben wurden 97 Menschen in den Tod gerissen. Aktivisten sprechen sogar von bis zu 128 Toten. Der Terror trifft die Türkei in einer innenpolitischen Krise: Am 1. November wird erneut gewählt, weil nach einem ersten Urnengang im Juni keine Regierung zustande gekommen war. Zuletzt brach zudem der Konflikt zwischen den Kurden und der Regierung mit Wucht wieder auf.

Merkel sucht das Gespräch

In dieser aufgeheizten Situation unterstellen Kritiker der Regierung, den Terror von Ankara nicht verhindert zu haben oder sogar selbst dahinter zu stecken. Auch am Montag protestierten wieder Hunderte Menschen in der Hauptstadt, verdammten die Bombenexplosionen und kritisierten die Regierung. «Der Killer-Staat wird zur Verantwortung gezogen werden», skandierten Teilnehmer.

Das Schweizer Aussenministerium fordert Touristen zur Wachsamkeit auf, da ein Risiko weiterer Terrorakte bestehe. In dieser zugespitzten Situation sucht Merkel das Gespräch mit Ministerpräsident Davutoglu und Präsident Recep Tayyip Erdogan. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Themen bei dem Türkeibesuch der Kanzlerin seien neben dem Terrorismus auch der Bürgerkrieg in Syrien und die Flüchtlingskrise.

Der IS als Hauptverdächtiger

Die öffentlichen Äusserungen der türkischen Regierung zu den Ermittlungen nach den Bombenanschlägen blieben zunächst vage. Davutoglu sagte in einem Interview des Senders NTV, die Regierung habe vorab Geheimdienstinformationen gehabt, dass der IS oder die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK einen Anschlag vorbereiteten. Nun deuteten die Beweise auf eine bestimmte Gruppe, fügte der Regierungschef hinzu. Doch nannte er diese nicht, sondern erklärte nur allgemein den IS zur Priorität der Ermittlungen.

Die Zeitung «Hürriyet» berichtete von Ähnlichkeiten des Anschlags von Ankara zu jenem im Grenzort Suruc im Juli, für den der IS verantwortlich gemacht wird. Die regierungsnahe Zeitung «Yeni Safak» ergänzte, Ermittler verglichen die DNA der mutmasslichen Bombenattentäter mit Genmaterial von Angehörigen mutmasslicher IS-Kämpfer, die als Täter infrage kämen. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben seit Samstag insgesamt etwa 45 mutmassliche IS-Anhänger fest, neun davon am Montag in Adana und Kilis.

Davutoglu wies Mutmassungen zurück, dass die Anschläge mit der türkischen Politik in der Syrienkrise zu tun hätten und die Regierung das Land in den Konflikt hineinziehe. «Diese Angriffe werden die Türkei nicht in ein Syrien verwandeln», sagte Davutoglu. Er vermutete aber eine Verbindung zu den anstehenden Wahlen.

SDA/fal

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