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TV-Reporter im falschen Film

An einer Pegida-Demonstration äussert sich ein Mann rassistisch – wie sich dann herausstellt, ist er Fernsehreporter. Seine «verdeckte Recherche» kostet ihn schliesslich seinen Job.

Die Montagsdemonstration vom 19. Januar 2015 findet nicht statt: Pegida-Anhänger in Dresden.
Die Montagsdemonstration vom 19. Januar 2015 findet nicht statt: Pegida-Anhänger in Dresden.
AFP
Im Visier des IS? Pegida-Organisator Lutz Bachmann.
Im Visier des IS? Pegida-Organisator Lutz Bachmann.
AFP
Der Erfolg von Pegida hat zu Gegendemonstrationen geführt, wie zum Beispiel am Montagabend in Dresden.
Der Erfolg von Pegida hat zu Gegendemonstrationen geführt, wie zum Beispiel am Montagabend in Dresden.
AFP
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«Ich bin dagegen, dass so viele Ausländer nach Deutschland kommen», erklärt ein älterer Mann in die Fernsehkamera. Sie habe Angst, dass der Islam bald zur Staatsreligion werde, sagt eine Frau. Die beiden sind Teilnehmer einer Demonstration in Dresden vor einer Woche. Insgesamt 15'000 Anhänger von Pegida («Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes») gingen in der ostdeutschen Stadt an diesem Tag auf die Strasse.

Seit Wochen versammeln sich an den Pegida-Kundgebungen immer mehr Menschen, die sich nach eigenen Angaben «Sorgen um ihre Heimat machen». Sie kritisieren auch die Berichterstattung in den deutschen Medien – die «Lügenpresse», wie sie sie nennen. Als «Nazis in Nadelstreifen» habe man sie denunziert, dabei seien sie ganz normale Bürger, sagt auch ein Demoteilnehmer. Wie die beiden anderen Angaben sind die Aussagen Teil eines Beitrags für die ARD-Sendung «Panorama», in dem mehrere Menschen unkommentiert zu Wort kommen.

(Video: Youtube/ARD)

Verdeckte Recherche

Auch ein junger Mann in Parka und Strickmütze erklärt seine Sicht der Dinge in die ARD-Kameras. «Die Islamisierung macht sich schon breit in unserem Alltag», erklärt er. Und weiter: «Zunehmend denke ich: Sind wir eigentlich noch deutsch in Deutschland?» Seine Aussagen klingen wie die vieler an diesem Tag. Im Gegensatz zu ihnen ist er aber Journalist. Im Auftrag des Privatsenders RTL hatte er versucht, an Aussagen von Demonstranten zu kommen, indem er sich selbst als einer von ihnen ausgab.

Erst nachdem die ARD am vergangenen Donnerstag den Beitrag sendete, gab sich der Reporter zu erkennen. «Der Mann hat sich nun bei uns gemeldet und beteuert, dass er eigentlich anderer Ansicht sei und dass diese Aussagen nicht seiner Meinung entsprechen», schreibt die ARD-Redaktion.

Als sich die Berichte über die missglückte Undercover-Recherche zu häufen begannen, meldete sich auch Auftraggeber RTL zu Wort. Da Pegida-Anhänger kaum mit den Medien sprechen würden, habe man einen Reporter verdeckt auf eine Demo geschickt, heisst es in einem Statement. Drei Möglichkeiten habe der Mann gehabt, als er von der ARD angesprochen wurde. «Nichts sagen, sich als Kollege outen – oder in der gespielten Rolle eines Pegida-Anhängers verbleiben. Er entschied sich für Möglichkeit drei – und traf damit die eindeutig falsche Entscheidung», schreibt RTL.

Die Glaubwürdigkeit leidet

Die Reaktionen auf die Enthüllung fielen harsch aus. «Damit gibt man denen ein gutes Argument, die immer Lügenpresse rufen», schrieb ein Reporter der ARD. Um diesem Vorwurf vorzubeugen, hatte man alle geführten Interviews ungeschnitten im Internet publiziert. Die Glaubwürdigkeit von Journalisten werde durch das Verhalten des RTL-Reporters infrage gestellt, so der Journalist.

(Video: Youtube/ARD)

(Video: Youtube/ARD)

Gegenüber «Spiegel Online» distanzierte sich RTL umgehend von dem Reporter. Er sei kein Mitarbeiter, sondern bei einer eigenständigen Firma angestellt, die Beiträge für RTL produziert. Inzwischen hat der Sender Konsequenzen gezogen. «Unser Mitarbeiter hat einen Fehler begangen, der nicht zu entschuldigen ist», zitierte die FAZ einen Sprecher des deutschen Privatsenders. Man werde deshalb den Kollegen nicht mehr einsetzen und die Zusammenarbeit beenden.

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