Ukraine: Bekannter Journalist bei Bombenanschlag getötet

Das Auto des weissrussischen Journalisten und Moderatoren Pawel Scheremet ist in die Luft gesprengt worden. Seine Kollegen bezeichnen Scheremets Tod als Mord.

Eng vernetzt mit der prowestlichen Führung: Der Journalist Pawel Scheremet starb bei einem Bombenanschlag (Oktober 2004).

Eng vernetzt mit der prowestlichen Führung: Der Journalist Pawel Scheremet starb bei einem Bombenanschlag (Oktober 2004).

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Ein in der Ukraine bekannter Journalist ist bei der Explosion einer Autobombe ums Leben gekommen. Pawel Scheremet habe am Mittwochmorgen mit dem Auto in Kiew zur Arbeit fahren wollen, als der Wagen beim Einsteigen explodiert sei, teilte sein Arbeitgeber, die führende Internet-Zeitung «Ukrainska Prawda», mit.

Ein selbstgebauter Sprengsatz sei unter dem Auto angebracht gewesen und explodiert, sagte ein Berater des Innenministeriums. Hinweise auf den oder die Täter gab es zunächst nicht.

«Nach vorläufigen Angaben war es eine Bombe. Ob selbstgebaut oder nicht, müssen Experten klären», sagte Behördensprecher Artjom Schewtschenko am Mittwoch in der ukrainischen Hauptstadt.

Der Tod von Pawel Scheremet löst einen Schock in der Medienbranche und Politik der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik aus. Auch die OSZE zeigt sich bestürzt. Unklar ist, wer hinter der Tat stehen könnte.

Er galt als eng vernetzt mit der prowestlichen Führung: Eine Explosion tötet Pawel Scheremet. (Video: Reuters)

Scheremet sass allein im Wagen einer Kollegin, als das Fahrzeug am Mittwoch explodierte, wie das Internetportal «Ukrainskaja Prawda» berichtete, für das der gebürtige Weissrusse arbeitete.

Poroschenko: «Schreckliche Tragödie»

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko nannte den Tod des renommierten Journalisten eine «schrecklichen Tragödie» und ein «Verbrechen». Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, sagte er.

Scheremet, der auch als Moderator für das Radio Westi arbeitete, galt als eng vernetzt mit der prowestlichen Führung um Präsident Poroschenko.

Journalistenverband spricht von Mord

«Die Bombe hatte eine Sprengkraft von etwa 400 bis 600 Gramm TNT», sagte Sorjan Schkirjak vom Innenministerium in Kiew. «Der Sprengsatz war entweder ferngezündet oder hat zeitverzögert angesprochen», meinte er. Generalstaatsanwalt Juri Luzenko versprach eine genaue Untersuchung des Verbrechens. Der ukrainische Journalistenverband bezeichnete den Tod ihres Kollegen als Mord.

Scheremet war 2014 zum Arbeiten in die Ukraine gekommen, weil er eigenen Worten zufolge dort weniger Hürden für eine unabhängige Berichterstattung vorfand. Zuvor hatte er in seiner Heimat und in Russland gearbeitet und dort Repressalien erfahren.

Erst vor gut einem Jahr war der regierungskritische Journalist Oles Busina in Kiew erschossen worden. Der Mord in der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik hatte international für Aufsehen gesorgt. Im Jahr 2000 war der Gründer der «Ukrainskaja Prawda», Georgi Gongadse, ermordet worden. Die Auftraggeber wurden nie gefunden. (kko/sda)

Erstellt: 20.07.2016, 10:59 Uhr

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