Zum Hauptinhalt springen

Ukraine löst berüchtigte Spezialeinheit auf

Bei den Strassenkämpfen in Kiew wurden Dutzende Menschen getötet. Verantwortlich gemacht wird insbesondere die ukrainische Bereitschaftspolizei Berkut.

ldc
Vermummt: Mitglieder der Bereitschaftspolizei Berkut verlassen ihre Baracken in Kiew (22. Februar 2014).
Vermummt: Mitglieder der Bereitschaftspolizei Berkut verlassen ihre Baracken in Kiew (22. Februar 2014).
Yannis Behrakis, Reuters
Blutigster Tag seit der Sowjetzeit: Die Polizisten gehen teilweise mit grosser Gewalt gegen Demonstranten vor (18. Februar 2014).
Blutigster Tag seit der Sowjetzeit: Die Polizisten gehen teilweise mit grosser Gewalt gegen Demonstranten vor (18. Februar 2014).
Stringer, Reuters
Scharf geschossen: Bereitschafspolizisten zielen auf regierungsfeindliche Demonstranten während den Auseinandersetzungen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew (18. Februar 2014).
Scharf geschossen: Bereitschafspolizisten zielen auf regierungsfeindliche Demonstranten während den Auseinandersetzungen auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew (18. Februar 2014).
Anatolii Boiko, AFP
Einsatzbereit: Die ukrainische Bereitschaftspolizei Berkut steht bereit während Demonstrationen in Donezk (23. Februar 2014).
Einsatzbereit: Die ukrainische Bereitschaftspolizei Berkut steht bereit während Demonstrationen in Donezk (23. Februar 2014).
Vasily Fedosenko, Reuters
Victory: Ein Mitglied der Berkut macht das Siegeszeichen während die Truppen sich vorbereiten, um ihre Baracken zu verlassen (22. Februar 2014).
Victory: Ein Mitglied der Berkut macht das Siegeszeichen während die Truppen sich vorbereiten, um ihre Baracken zu verlassen (22. Februar 2014).
Yannis Behrakis, Reuters
Gibt es nicht mehr: Mitglieder der Spezialeinheit Berkut steigen in einen Bus (22. Februar 2014).
Gibt es nicht mehr: Mitglieder der Spezialeinheit Berkut steigen in einen Bus (22. Februar 2014).
Yannis Behrakis, Reuters
1 / 8

Die Spezialeinheiten seien mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden, teilte der Übergangsinnenminister Arsen Awakow heute auf seiner Facebook-Seite mit. «Die Berkut existiert nicht mehr», so Awakow. Er habe das entsprechende Dekret Nr. 144 unterzeichnet.

Die Berkut-Einheiten sind bei den Gegnern der Regierung des mittlerweile abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch wegen ihrer Rolle bei den Strassenkämpfen in Kiew verhasst. Dabei waren vergangene Woche 82 Menschen getötet und hunderte verletzt worden.

Die Berkut (Steinadler), deren Mitglieder an ihren Uniformen leicht von anderen Polizisten zu unterscheiden waren, wurden für viele Übergriffe auf Demonstranten verantwortlich gemacht. So waren Berkut-Polizisten gefilmt worden, wie sie mit scharfer Munition auf die Menge schossen (siehe Video). Das Europaparlament hatte Anfang Februar von Janukowitsch gefordert, dem «schändlichen Einsatz» der Sonderpolizei ein Ende zu setzen.

Formationen mit Raubtiernamen

Mehr als 20 Jahre sind in der Ukraine die Sondereinheiten des Innenministeriums im Einsatz gewesen. Gegründet vor allem zur Verbrechensbekämpfung in der Ex-Sowjetrepublik, traten die 3000 Mann starken Einheiten auch bei Demonstrationen als Sicherheitskräfte in Erscheinung.

Die Berkut-Angehörigen trugen gefleckte Tarnanzüge und waren auch mit Schnellfeuerwaffen und Schützenpanzerwagen ausgerüstet. Viele Mitglieder der Sonderheit klagten allerdings, dass ein vergleichsweise niedriges Gehalt von umgerechnet 350 Euro im Monat kaum einen engagierten und effektiven Staatsschutz fördere.

Neben den Berkut- gibt es noch die Tiger-Einheiten in schwarzen Uniformen. Sie wurden ebenfalls eingesetzt, um Demonstranten in Kiew zurückzudrängen. Die verschiedenen mit Raubtiernamen bezeichneten Formationen waren nach dem Zerfall der Sowjetunion bereits Anfang der 1990er Jahre entstanden.

Die neuen Machthaber sind zerstritten

Weiterhin wartet die Ukraine auf eine neue Regierung. Nach dem Umsturz in der Ukraine sind die neuen Machthaber zerstritten: Trotz drohenden Staatsbankrotts haben sich die bisherigen Oppositionsgruppen noch auf keine Übergangsregierung einigen können. Das Parlament verschob die für Dienstag geplante Wahl auf Donnerstag.

Die neuen Kräfte in der Führung streiten vor allem darüber, welches Mitspracherecht die Aktivisten vom Kiewer Unabhängigkeitsplatz (Maidan) bekommen sollen. Die Vaterlandspartei (Batkiwschtschina) der früheren Regierungschefin Julia Timoschenko forderte am Dienstag erneut, Anführer der Strassenproteste in die künftige Regierung einzubinden. Die Maidan-Bewegung legte ihrerseits Bedingungen fest. «Jedes Kabinettsmitglied benötigt die Zustimmung des Maidan», hiess es in einer Erklärung an die Nachrichtenagentur Interfax. So dürften die 100 reichsten Ukrainer keine Regierungsposten erhalten, betonten die Aktivisten. Notwendig seien auch mindestens sieben Jahre Berufserfahrung. Mitglieder der bisherigen Regierung und der Präsidialkanzlei sollten keine Ämter erhalten.

Die Kandidaten für das neue Kabinett sollen heute Abend um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Maidan vorgestellt werden. Dies vermeldete die Partei von Boxweltmeister und Präsidentschaftskandidat Witali Klitschko. Als aussichtsreichste Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten gelten Arsenij Jazenjuk, der bereits in der Vergangenheit diverse Regierungsämter inne hatte, sowie Petro Poroschenko, reicher Unternehmer und ebenfalls altgedienter Politiker. Beide waren Vertraute von Ex-Präsident Wiktor Juschtschenko, dem Amtsvorgänger des letzte Woche abgesetzten Wiktor Janukowitsch.

(AFP/sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch