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Ukrainische Demonstranten lassen sich nicht einschüchtern

Der Protestwille der Regierungsgegner bleibt trotz des verschärften Demonstrationsrechts ungebrochen: Bei Minustemperaturen harrten Tausende auf den Strassen von Kiew aus. Es kam zu Zusammenstössen.

Nicht mehr in der Kälte des Unabhängigkeitsplatzes in Kiew trägt er seine Parolen vor, sondern im gediegenen Ambiente der diplomatischen Hochkultur: Klitschko in München. (1. Februar 2014)
Nicht mehr in der Kälte des Unabhängigkeitsplatzes in Kiew trägt er seine Parolen vor, sondern im gediegenen Ambiente der diplomatischen Hochkultur: Klitschko in München. (1. Februar 2014)
AFP
«Es gibt keine einzige heile Stelle an meinem Körper»: Dmitri Bulatow wurde nach eigenen Angaben entführt und gefoltert.
«Es gibt keine einzige heile Stelle an meinem Körper»: Dmitri Bulatow wurde nach eigenen Angaben entführt und gefoltert.
Screenshot Youtube/euronews
...und wurde dann attackiert. (19. Januar 2014)
...und wurde dann attackiert. (19. Januar 2014)
Reuters
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Trotz eines verschärften Demonstrationsrechts ist der Protestwille der ukrainischen Regierungsgegner ungebrochen. Bei Eiseskälte harrten in der Nacht zum Mittwoch wieder tausende Demonstranten auf den Strassen und Plätzen der Hauptstadt Kiew aus. Vereinzelt kam es zu Zusammenstössen.

Einige Demonstranten schleuderten Steine und Brandsätze auf Polizisten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Beamten, die dicht aneinander gedrängt Blockadereihen bildeten, reagierten mit Tränengas und Blendgranaten.

Einige Demonstranten vor Ort erklärten, sie hätten Warnungen per SMS erhalten. «Lieber Abonnent, Sie wurden als Teilnehmer an Massenunruhen registriert», hiess es demnach in den Textnachrichten.

Die Ausschreitungen waren aber längst nicht so gewalttätig wie in den vergangenen Nächten, als hunderte Menschen verletzt wurden. Über Lautsprecher rief die Polizei zur Ruhe auf und erklärte, dass es als Gefährdung ihrer Sicherheit betrachtet werde, wenn sich Demonstranten auf drei Meter den Polizeisperren näherten.

Regierung warnt Demonstranten

Ministerpräsident Mykola Asarow sagte am Dienstagabend im russischen Fernsehen, falls die «Provokateure nicht aufhören, werden die Behörden keine andere Wahl haben, als im Rahmen der Gesetze Gewalt einzusetzen und die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten».

Es sei Aufgabe der Regierung und des Präsidenten, «eine Eskalation der gewaltsamen Auseinandersetzungen zu verhindern», sagte Asarow. Er hoffe aber auf die Einsicht der Demonstranten.

Asarow wies zugleich Gerüchte zurück, wonach die Regierung plane, in Kiew den Ausnahmezustand zu verhängen. Die Lage in der Hauptstadt sei «weit davon entfernt», einen solchen Schritt notwendig zu machen. Für die jüngsten Zusammenstösse machte er die Anführer der Opposition verantwortlich.

Verletzte auf beiden Seiten

Nach Angaben des Innenministeriums wurden bei den Zusammenstössen der vergangenen Tage in Kiew mehr als 160 Polizisten verletzt, 80 von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Ausserdem wurden 50 als Rädelsführer der Krawalle ausgemachte Demonstranten festgenommen.

Die Regierungsgegner erklärten ihrerseits, hunderte Aktivisten aus den eigenen Reihen seien bei der Niederschlagung ihrer Proteste durch Sicherheitskräfte verletzt worden.

Die Proteste der proeuropäischen Opposition dauern seit Ende November an. Die Demonstranten kritisierten die Entscheidung von Präsident Wiktor Janukowitsch, ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen.

Mittlerweile richtet sich ihr Protest auch gegen das deutlich beschnittene Demonstrationsrecht. Ein entsprechendes Gesetzespaket war am Dienstag in Kraft getreten.

SDA/chk

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