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Ukrainischer Arzt bestätigt Einsatz von Streubomben

Ein Mediziner aus der Ukraine hat OP-Bilder gezeigt, auf denen einem prorussischen Separatisten Streubombenprojektile entfernt werden. Die Armee weist die Vorwürfe zurück.

Soll den Streubombeneinsatz beweisen: Chirurg Alexander Kusnezow hält ein Projektil in die Höhe, das einem Verletzten entnommen wurde. (22. Oktober 2014)
Soll den Streubombeneinsatz beweisen: Chirurg Alexander Kusnezow hält ein Projektil in die Höhe, das einem Verletzten entnommen wurde. (22. Oktober 2014)
Dominique Faget, AFP

Ein Arzt in der Ostukraine hat den Einsatz von Streubomben bestätigt. Der Chirurg am Kalinin-Krankenhaus von Donezk, Alexander Kusnezow, zeigte Bilder von einer Operation, bei der dem Patienten offenbar ein Projektil aus einer Streubombe entfernt worden war. Nach seinen Angaben handelte es sich bei dem Mann um einen prorussischen Kämpfer aus dem 200 Kilometer entfernten Slawjansk, der zu Beginn der Kämpfe verletzt worden war. Das Projektil sei in seine Lunge eingedrungen, er habe aber überlebt.

Auf einer der OP-Aufnahmen ist auf einer Mullbinde ein rund vier Zentimeter langes Projektil zu sehen. Am Vorabend hatte bereits ein anderer Arzt an dem Krankenhaus berichtet, zu Beginn der Kämpfe der prorussischen Rebellen mit ukrainischen Soldaten bei Dutzenden Eingriffen derartige Projektile entfernt zu haben. Im Körper eines Verletzten hätten sie «20 oder 30» dieser pfeilartigen Projektile entdeckt, sagte der Mann, der nicht genannt werden wollte.

Raketen mit Dutzenden Sprengkörpern

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte der ukrainischen Armee vorgeworfen, bei den Kämpfen gegen die Separatisten im Osten des Landes wiederholt Streubomben eingesetzt zu haben. Vertreter der Armee wiesen den Bericht zurück, die ukrainische Präsidentschaft sagte aber zu, die Vorwürfe untersuchen zu lassen.

Streubomben sind Raketen oder Bomben, die Dutzende oder Hunderte kleinere Sprengkörper enthalten. Die internationale Konvention zum Verbot von Streubomben von 2008 wurde von 113 Staaten unterzeichnet, nicht jedoch von der Ukraine, Russland und den USA.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, sprach von schwerwiegenden Vorwürfen. Die Regierung könne zum «Wahrheitsgehalt derzeit kein Urteil abgeben», habe aber grosses Interesse an einer Aufklärung. Der Einsatz von Streubomben sei menschenverachtend, erklärte Seibert weiter. Sollten sie tatsächlich eingesetzt worden sei, würde Berlin dies «scharf verurteilen».

AFP/thu

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