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Umfragewerte nach TV-Duell publiziert

François Hollande fliegt dem Wahlsieg entgegen: Gestern sprach sich Zentrumspolitiker François Bayrou für den Sozialisten aus. Gemäss den aktuellen Umfragen ist ein Triumph am Sonntag wahrscheinlich.

Vermutlich können ihn nur noch die Wähler von Marine Le Pen abfangen: François Hollande bei einer Rede in Toulouse. (3. Mai 2012)
Vermutlich können ihn nur noch die Wähler von Marine Le Pen abfangen: François Hollande bei einer Rede in Toulouse. (3. Mai 2012)
Keystone

Kurz vor der Stichwahl um die Präsidentschaft in Frankreich hat der sozialistische Kandidat und Favorit François Hollande die Unterstützung des Zentrumspolitikers François Bayrou erhalten. Er werde am Sonntag für Hollande stimmen, sagte Bayrou am Donnerstagabend in Paris. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy habe versucht, den rechtsextremen Wählern hinterherzujagen, kritisierte er.

Die Umfragewerte in Frankreich zeigen inzwischen, dass das TV-Duell die Stimmenverteilung nicht wesentlich verändert hat – ein Stillstand, der als Sieg Hollandes gewertet werden kann. Gemäss der Plattform Sondages-en-france.fr, die einen Überblick der verschiedenen Umfragen in Frankreich liefert, liegt der sozialistische Kandidat gemäss den meisten Instituten mit 53 Prozent in Führung.

Eine Umfrage des Instituts LH2, die auch von der Zeitung «Le Monde» publiziert wurde, besagt zudem, dass sich 14 Prozent der Franzosen der Stimme enthalten werden. Entsprechend würden 45 Prozent auf Hollande und 41 Prozent aller Stimmen auf Sarkozy entfallen. Der Sozialist hat demnach auch das dreistündige Fernsehduell mit 42:36 Prozent gewonnen.

Der in allen Umfragen führende Hollande erklärte am Abend in Toulouse, die Unterstützung Bayrous sei «die Wahl eines freien und unabhängigen Manns». Bayrou habe verstanden, dass Sarkozy die Franzosen gespalten habe und es ein Risiko für Frankreich bedeute, ihn für eine zweite Amtszeit zu wählen. Zugleich versicherte Hollande, es habe zwischen ihm und Bayrou keinerlei Absprachen gegeben.

Jagd nach den Wählern anderer Parteien

Bayrou hatte im ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl am 22. April knapp zehn Prozent der Stimmen auf sich vereint. Seither versuchten Sarkozy und Hollande, für die Stichwahl die Wähler aus anderen politischen Lagern für sich zu mobilisieren.

Bayrou betonte, mit seiner Entscheidung für Hollande treffe er eine persönliche Wahl. Er gebe den Anhängern seiner Partei Demokratische Bewegung (MoDem) keine allgemeine Wahlempfehlung; jeder solle nach seinem Gewissen entscheiden. Dem Staatschef warf der MoDem-Vorsitzende vor, er habe rechtsextremen Wählern hinterherjagen wollen. «Dort finden wir uns nicht mit unseren Werten wieder», sagte Bayrou.

«Die Meinung eines einzelnen Mannes»

Die Rechtsextreme Marine Le Pen, die in der ersten Wahlrunde als Drittplatzierte fast 18 Prozent erreicht hatte, hatte ihre Wähler bereits indirekt zu einem Protestvotum aufgerufen. Sie seien «frei» und ihrem «Gewissen» verpflichtet, sagte sie; sie selbst werde aber einen «weissen» Stimmzettel als Zeichen des Protests abgeben. Weder Sarkozy noch Hollande hätten das Vertrauen der Franzosen verdient.

Die Abgabe eines «weissen» Stimmzettels lehnte Bayrou ab. Dies bedeute eine «Nichtentscheidung», und dies sei unter den jetzigen Umständen für ihn kein Weg, sagte Bayrou. Der 60-Jährige war angetreten, in Frankreich eine «neue Mehrheit» in der Mitte zu organisieren. Im Wahlkampf warb er für eine Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit.

Sarkozys Parteifreund, Premierminister François Fillon, sagte am Abend bei einer Wahlkundgebung in Bordeaux, die Äusserung Bayrous sei lediglich «die Meinung eines einzelnen Manns». Er rief dazu auf, noch einmal alle Kräfte bis zum Wahlsonntag zu mobilisieren.

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur DAPD.

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