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UNO befürchtet Tod von mehr als 700 Menschen

Beim Untergang mehrerer Boote im Mittelmeer südlich von Italien könnten nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 700 Flüchtlinge ums Leben gekommen sein.

Immer wieder kommen Menschen auf ihrer Flucht über das Meer ums Leben: Ein Video der italienischen Küstenwache zeigt ein Boot mit Flüchtlingen im südlichen Mittelmeer.

Beim Untergang dreier Boote im Mittelmeer südlich von Italien könnten nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 700 Flüchtlinge ums Leben gekommen sein. Die Unglücke hätten sich in den vergangenen Tagen ereignet. Die Zahlen basierten auf Aussagen von Überlebenden, die inzwischen in Süditalien angekommen sind, teilte UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami in Rom mit. Die traumatisierten Menschen würden weiter behutsam befragt. Sie hatten demnach versucht, aus Nordafrika überzusetzen.

Sami sagte, nach dem Kentern eines Flüchtlingsboots am Mittwoch würden noch etwa 100 Menschen vermisst. Die italienische Marine, die zu Hilfe eilte und zahlreiche Menschen aus dem Wasser rettete, hatte am Ort dieses Unglücks grauenhafte Fotos gemacht.

Ohne eigenen Motor

Nach Samis Worten sind rund 550 weitere Menschen seit dem Untergang eines anderen Boots am Donnerstagmorgen verschollen. Dieses Gefährt mit bis zu 670 Insassen habe keinen eigenen Motor gehabt, sondern sei von einem anderen, voll besetzten Schmugglerboot gezogen worden, bevor es kenterte.

Rund 25 Menschen aus dem verunglückten Boot konnten sich nach Samis Informationen zu dem Schleppboot retten, 79 weitere wurden von internationalen Schiffen aufgenommen. 15 Leichen wurden aus dem Wasser geborgen, wie Sami weiter sagte. Die italienische Küstenwache hatte das Unglück vom Donnerstag nach Gesprächen mit Überlebenden bestätigt, aber andere Zahlen veröffentlicht. Sie sprach von 500 Insassen des gesunkenen Boots.

Höchste Opferzahl seit April 2015

Nach einem dritten Unglück am Freitag wurden nach Samis Worten 135 Menschen gerettet, aber auch 45 Leichen geborgen. Viele weitere Menschen würden vermisst. Die genaue Zahl sei unklar, sagte die UNHCR-Sprecherin.

Die mutmassliche Opferzahl ist die höchste, seit im April 2015 ein Schiff mit bis zu 800 Menschen im Mittelmeer sank. Da sich die Katastrophen auf hoher See abspielen, ist es unmöglich, die Zahlen mit letzter Gewissheit zu prüfen.

14'000 Flüchtlinge gerettet

Überlebende Flüchtlinge hätten auch von Vermissten anderer Flüchtlingsboote berichtet, sagte Sami. «Wenn wir diese düsteren Zahlen zusammenführen, so schätzen wir, dass es mindestens 700 Opfer gibt – ohne Sicherheit in Bezug auf die Zahlen und die Identität der Opfer.»

Im Verlauf der Woche sind nach Angaben der italienischen Küstenwache und der UNO rund 14'000 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet worden. Allein am Freitag seien bei 17 von der Küstenwache koordinierten Einsätzen 2000 Menschen von den Rettungskräften aufgenommen worden.

Mit dem Beginn der warmen Jahreszeit wagen wieder mehr Flüchtlinge die Überfahrt aus Nordafrika. Humanitäre Organisationen warnten, dass die Flüchtlingswelle in den kommenden Wochen weiterhin anhalten wird. Insgesamt starben nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration in diesem Jahr bislang 1475 Menschen auf hoher See.

19 Menschen im Ärmelkanal gerettet

Die britische Küstenwache rettete in der Nacht zum Sonntag 19 Menschen aus einem Schlauchboot im Ärmelkanal und brachte sie nach Dover. Zunächst war nach Angaben des Innenministeriums unklar, wer die Menschen sind und woher sie kamen.

Die Küstenwache reagierte auf einen Notruf und suchte stundenlang nach dem Boot, in das Wasser eindrang. Schliesslich wurde sie 120 Kilometer südöstlich von London fündig.

(SDA)

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