Verlustgeschäft für Moskau

Für den ukrainischen Präsidenten ist die Heimkehr der Militärpilotin ein Triumph.

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Nach ihrer Landung in Kiew wurde die ukrainische Militärpilotin Nadja Saw­­tschenko als Heldin gefeiert. In Moskau wurden gleichzeitig die beiden gegen sie ausgetauschten russischen Geheimdienstler nur von ihren Frauen empfangen. Wie bei russischen Soldaten üblich, waren sie offiziell als Freiwillige in der Ukraine. Dabei wurden sie gefangen genommen und dienten nun als Pfand. Das ist eine Schmach: Heimkehrer aus einem verleugneten Krieg werden an der Hintertür empfangen.

Dass der Austausch stattgefunden hat, ist ein positives Signal. Er fördert vielleicht das Vertrauen zwischen Moskau und Kiew – mehr aber nicht. Für den ukrainischen Präsidenten ist Sawtschenkos Heimkehr ein Triumph. Dass er ihm genug Auftrieb gibt, um jene Schritte politisch durchzusetzen, welche gemäss dem Minsker Abkommen von seinem Land verlangt werden, ist aber unwahrscheinlich. Zumal die Pilotin für eine kompromisslose Haltung gegenüber Russland eintritt.

Moskau hält noch immer mehr als zwei Dutzend Ukrainer aus ähnlich fadenscheinigen Gründen fest. Würde Selbstkritik zum Repertoire der russischen Führung gehören, müsste sie sich jetzt fragen, was das alles gebracht hat. Erst die Verschleppung, dann der Schauprozess, dann das Hin und Her um den Austausch. In zwei Jahren hat der Kreml aus einer Ukrainerin mit nationalistischen Überzeugungen eine Volksheldin gemacht. Um sie am Ende gegen zwei blasse Geheimdienstler auszutauschen, die Russland sonst wohl geräuschlos wieder aus der Ukraine herausbekommen hätte. Für Moskau war die Operation ­Sawtschenko ein Verlustgeschäft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.05.2016, 23:58 Uhr

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