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Video soll Raketeneinschlag in Mariupol zeigen

Bei Raketenangriffen auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol wurden 30 Menschen getötet. Laut Nato wurde die Offensive der Separatisten von Russland unterstützt.

Trauer in der Hauptstadt: Passanten entzünden in Kiew Kerzen für die Opfer von Mariupol. (24. Januar 2015)
Trauer in der Hauptstadt: Passanten entzünden in Kiew Kerzen für die Opfer von Mariupol. (24. Januar 2015)
AFP
Dutzende Verletzte: Eine Frau wird im Krankenhaus von Mariupol behandelt. (24. Januar 2015)
Dutzende Verletzte: Eine Frau wird im Krankenhaus von Mariupol behandelt. (24. Januar 2015)
Reuters
«Das Gebiet, das angegriffen wurde, ist riesig», sagte der Bürgermeister der Stadt. Brennende Autos auf einem Parkplatz. (24. Januar 2015)
«Das Gebiet, das angegriffen wurde, ist riesig», sagte der Bürgermeister der Stadt. Brennende Autos auf einem Parkplatz. (24. Januar 2015)
Keystone
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Der Krieg in der Ostukraine weitet sich aus: Raketen schlugen in der von Regierungstruppen gehaltenen Stadt Mariupol ein und töteten mindestens 30 Menschen, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Rebellenführer Alexander Sachartschenko bestätigte nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, dass eine Offensive auf die strategisch wichtige Stadt begonnen habe. Präsident Petro Poroschenko sprach von einer Terrorattacke. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Attacke in Mariupol scharf.

Der Vorstoss begräbt vorerst alle Hoffnungen, dass es bald zu einer Waffenruhe zwischen den beiden Seiten kommen könnte. Deutschland und Frankreich hatten sich zuletzt mit der Unterstützung Russlands um einen neuen Anlauf für ein Friedensabkommen bemüht. Die Rebellen lehnten das aber ab und kündigten die Offensive an mehreren Fronten an.

Auf Twitter kursiert ein Video, das den Moment eines Raketeneinschlags in Mariupol zeigen soll.

Die Raketen wurden nach Angaben der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aus einem von den prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert.

Ein Inspektorenteam der OSZE habe herausgefunden, dass «die Grad-Raketen aus einer nordöstlichen Richtung kamen» und dass «die Uragan-Raketen aus einer östlichen Richtung kamen», teilte die Organisation am Samstagabend mit. Beides seien Gegenden, die von der selbsternannten «Volksrepublik Donezk» kontrolliert würden.

Nach Angaben der Nato unterstützten russische Truppen in der Ukraine die jüngste Offensive der Rebellen. Russland beharrt darauf, dass es die Separatisten nicht unterstützt. Nach Einschätzung der Nato widerspricht aber bereits die blosse Anzahl schwerer Waffen, über die die Rebellen verfügen, dieser Darstellung. US-Aussenminister John Kerry und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verurteilten am Samstag die anhaltende Unterstützung Moskaus für die Separatisten.

Landverbindung zur Krim

Mariupol ist strategisch besonders wichtig, weil sich durch eine Eroberung der Hafenstadt eine Landverbindung von der russischen Grenze zur im März von Russland annektierten Halbinsel Krim ergäbe. Sachartschenko kündigte den Beginn der Offensive auf Mariupol an, als er am Samstag in Donezk einen Kranz für die acht Opfer eines Raketenangriffs auf eine Bushaltestelle niederlegte, wie Ria Nowosti berichtete. Auch in Donezk und Lugansk, beides Hochburgen der prorussischen Separatisten, hatten die Gefechte in den vergangenen Wochen dramatisch zugenommen.

Die Rebellen haben Stellungen rund zehn Kilometer vor den Vororten von Mariupol. Die Raketen trafen nach Polizeiangaben Wohnhäuser, Läden und Marktstände, die dadurch in Brand gesetzt wurden. Es seien viele Menschen auf dem Marktplatz gewesen.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew trafen drei Geschosse aus Grad-Raketenwerfern Mariupol und Umgebung. «Das Gebiet, das angegriffen wurde, ist riesig», sagte der Bürgermeister der Stadt, Juri Chotlubej, in einer Videobotschaft. «Der Beschuss kam von Militanten. Das ist offenkundig eine russische Aggression, die zu fürchterlichen Verlusten für die Bewohner im Osten der Stadt geführt hat.» Der Staatsanwalt der Region Donezk gab die Opferzahl am Nachmittag mit 21 an.

Ein Bild der Zerstörung: Video-Aufnahmen von Mariupol nach dem Angriff. (Quelle: VK/Anonymous)

Gerüchte über Abzug der Regierungstruppen

Die Stadtverwaltung Mariupols rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Gerüchte über einen bevorstehenden Abzug der Regierungstruppen sollten ignoriert werden. «Alle Einheiten sind im Gegenteil voll kampfbereit» hiess es in einer Erklärung. «Die Sicherheitsmassnahmen in der Stadt wurden verstärkt.»

Die Sondermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa verurteilte die andauernden Kämpfe in Wohngebieten. Artillerie- und Raketenstellungen in Wohngebieten zögen Gegenfeuer an, das die Zivilbevölkerung gefährde.

Russland hat eine militärische Unterstützung der Rebellen dementiert. Nach Einschätzung der Nato widerspricht aber bereis die blosse Anzahl schwerer Waffen, über die die Rebellen verfügen, dieser Darstellung. Eine im September in Minsk geschlossene Waffenstillstandsvereinbarung sah den Abzug schwerer Waffen hinter eine Demarkationslinie vor, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Umgesetzt wurde das nicht.

Am Mittwoch hatten die Aussenminister der Ukraine, Russlands, Deutschlands und Frankreichs in Berlin einen erneuten Abzug der schweren Waffen hinter die Minsker Demarkationslinie beschlossen. Die Kämpfe gingen aber unvermindert weiter. Die UN teilten am Freitag mit, die Zahl der Toten in dem Konflikt seit vergangenem April sei auf 5100 gestiegen.

AP/sda/kpn/fko

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