Viel zu spät

Unter der Langsamkeit der schwedischen Behörden in der Angelegenheit Assange leiden alle.

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Wer etwas verfolgt, strebt mit allen ­Mitteln danach. Wer jemanden verfolgt, läuft ihm hinterher. So oder so verspricht das Wort Strafverfolgung Bewegung. Im Fall von Julian Assange steht seit Jahren alles still. Die Hauptschuld daran trägt die schwedische Staatsanwaltschaft. Ihre Pflicht ist es, zu ermitteln, ob die Vorwürfe gegen Assange haltbar sind. Viel zu spät hat die leitende Staatsanwältin Marianne Ny entschieden, ihn dafür in der ecuadorianischen Botschaft in London zu befragen. Ein Verhör dort würde Ny zwar womöglich nicht weiterbringen. Wollte sie Assange danach vor Gericht stellen, wäre das nicht möglich, solange er in der Botschaft sitzt. Klar ist aber seit Jahren, dass das Gespräch in London ihre einzige Möglichkeit ist, Assange zu befragen, da er keinesfalls freiwillig nach Stockholm kommen würde. Das ist sein gutes Recht.

Unter Nys Zögern leidet nicht nur Assange, der die Botschaft seit mehr als drei Jahren nicht verlassen hat. Es leiden auch die beiden Frauen, die ihn beschuldigen und deren Vorwürfe bald zum Teil verjähren. Es leiden die Beziehungen zwischen Schweden und Ecuador, das die schwedischen Staatsanwälte nach ihrer Last-Minute-Entscheidung nicht ohne Weiteres in die Botschaft lassen möchte.

Egal welches Ziel Ny verfolgt hat, ob es ihr ums Prinzip ging, um Gerechtigkeit oder um ihr eigenes Ansehen: Ihr Zögern hat sie all dem kein Stück nähergebracht.

Erstellt: 02.08.2015, 19:56 Uhr

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Silke Bigalke, Skandinavien-Korrespondentin

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