Vom Glücksrad ins Hamsterrad

Matteo Renzi tourt durch Italien und ringt um seine Verfassungsreform. Gefahr droht ihm vor allem aus dem Süden.

Kann er etwas, oder ist er nur ein «Buffone», ein Schwätzer?, fragt man sich im Süden: Matteo Renzi, Italiens Premierminister. Foto: Remo Casilli (Reuters)

Kann er etwas, oder ist er nur ein «Buffone», ein Schwätzer?, fragt man sich im Süden: Matteo Renzi, Italiens Premierminister. Foto: Remo Casilli (Reuters)

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Ach, der Süden. Sonntagnachmittag in Ercolano bei Neapel. Es ist Ende November, 22 Grad. Oben der Vesuv, unten das Meer. Dazwischen die beengend dichte Stadt, wie achtlos hingeworfen. An der Via IV Novembre schlendert die Jugend in modisch zerrissenen Hosen. Man soll ihrem lässigen Gang von weitem ansehen, dass sie das alles doof findet, diese ganze Aufregung der vielen Leute, die sich da in feierlicher Aufmachung ums Museo Archeologico Virtuale scharen. Für die Politik! Einer zischt: «Diese Vollidioten!» Die anderen nicken, setzen sich dann aber doch auf die Betonbänke vor dem Kulturzentrum. Ist ja sonst nichts los, sogar die Bars haben geschlossen.

Gleich kommt Matteo Renzi, den sie im Süden «Rennsi» nennen, was weniger zackig klingt, irgendwie flach. Der Premier ist auf Tour für seine Verfassungsreform, auf Mission für ein Ja beim Referendum, das seine politische Karriere retten soll. Zwei Auftritte pro Tag. Ercolano ist ein schwieriger Termin.

Ein Strassenkehrer spritzt noch schnell Wasser mit Orangenduft über die Treppenstufen vor den Schwingtüren, sie rochen etwas gar arg nach Hundegeschäften. Für Ercolano, das frühere Herculaneum, ist der Besuch des Premiers das grösste Happening des Jahres. Einige Stunden lang ist man das Zentrum des Landes, sonst ist man immer Peripherie. Der grosse Saal ist schon lange voll. Und weil draussen noch viele drängen, montieren sie in den Nebensälen Leinwände für die Direktübertragung.

Im Mezzogiorno fühlen sich viele behandelt wie Bürger zweiter Klasse.

Zuerst spricht der linke Bürgermeister Ciro Buonajuto, ein «Renzianer». Zehntausend Menschen seiner Stadt, sagt er, wohnten in Häusern, die nicht ans Abwassernetz angeschlossen seien. Man könnte sich fragen, was das mit dem neuen Grundgesetz der Republik zu tun hat, über das abgestimmt wird, mit der Abschaffung des totalen Zweikammersystems im römischen Parlament, mit der Herabstufung des Senats. Doch hier fragt niemand. Alles pappt sich zusammen zu diesem diffusen Gefühl der Vernachlässigung. Im Mezzogiorno fühlen sich viele behandelt wie Bürger zweiter Klasse. Verletzt in ihrer Würde, wirtschaftlich abgehängt, geplagt von hoher Arbeitslosigkeit.

«Buoni!»

Dann kommt Matteo Renzi, pünktlich, 17.30 Uhr, er muss danach noch nach Apulien. «Buonasera a tutti.» Auf der Bühne türmen sich bunte Plastikquader mit Slogans: «L’ Italia che dice Sì», steht da zum Beispiel. «Das Italien, das Ja sagt.» Und: «Ein Ja reicht.» Eine Dame in der vordersten Reihe ist ganz aufgeregt: «Du bist ein Grosser», kreischt sie. «Signora, vor allem bin ich ein Dicker, schauen Sie nur», sagt Renzi und zupft an seinem beigen Pullover, der über dem Bauch spannt. «Ich versuche abzunehmen.» Selbstironie ist ein schönes Talent und weit verbreitet in Italien. Renzi hat viel davon abbekommen und setzt es bei jeder Gelegenheit ein. Einmal nennt sich der Premier einen «Pfadfinder aus der Provinz». Eine kleine Koketterie, um sympathischer rüberzukommen.

«Signora, vor allem bin ich ein Dicker, schauen Sie nur»Matteo Renzi

Renzi liebt diese Posen. Und er füllt die grosse Bühne, durchmisst sie mit schnellen Schritten, bespielt sie ganz und gar. Keine Spur von Lampenfieber, keinen Hauch Selbstzweifel. Er macht Faxen und äfft seine politischen Gegner nach, nimmt deren Akzente an. Silvio Berlusconi. Beppe Grillo. Matteo Salvini. Das Mikrofon hält er mit den Kuppen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger, als wäre es zerbrechlich, den kleinen Finger spreizt er leicht ab, wie man es von Schlagersängern kennt. Es ist eine grosse Show, ein Stand-up.

Im hinteren Teil des Saals gibt es jetzt lauten Unmut, weil sich die Herrschaften vorne erhoben haben, um Renzi besser zu sehen. «Buoni!», sagt Renzi mit breitem florentinischem Einschlag, «seid brav!» Dieses umgangssprachliche «buoni!» – er wird es während des Auftritts ständig wiederholen. Daheim in Florenz mag der ironisch schulmeisterliche Ton funktionieren. Im Süden aber, wo höfliche Umgangsformen zum guten Ton gehören, kommt die flockige Art nicht so gut an. Sie wirkt schnöselig, gerade für einen Premierminister. Hier fragt man sich, ob er etwas könne, dieser «Rennsi» aus dem Norden. Oder ob er nur ein Schwätzer sei, ein «Buffone». Einer, der nur sagt, er könne was, und dann doch nichts kann.

Hier fragt man sich, ob er etwas könne, dieser «Rennsi» aus dem Norden. Oder ob er nur ein Schwätzer sei, ein «Buffone».

Die Diskrepanz zwischen Renzis schönem Storytelling und dem rauen Alltag vieler Süditaliener ist so gross, dass man ihn in Ercolano einfach nicht über die Verfassungsreform reden lässt. Sie ist den Leuten zu kompliziert, vor allem aber ist sie ihnen zu lebensfern. «Davon isst man nicht», sagt ein Sitznachbar, ein pensionierter Ingenieur. Ständig wird Renzi unterbrochen: «Was ist mit der Arbeitslosigkeit unserer Jugend, Presidente?» – «Und was mit den Renten?» Es sind Fragen mit Ausrufezeichen. Er komme sich vor wie eine Jukebox, sagt Renzi: «F7, Gesundheitswesen, los!» So gehe das nicht. «Buoni!»

Er kann die enttäuschten Herzen nicht gewinnen. Nicht in diesem defätistischen Klima, nicht mit einer neuen Verfassung. Und so wirft er sich in eine andere Rolle. «Ich gebe zu», sagt Renzi und wirkt wie ein Reumütiger im Kriechgang, «ich habe ein Problem, wenn ich im Süden auftrete. Manche Regionen im Norden unseres Landes wachsen wirtschaftlich mittlerweile schneller als Deutschland. Der Süden aber bleibt zurück.» Das sei unfair, das müsse sich ändern. «Ja, dann tu doch was!», tönt es zurück. «Wir sind Dritte Welt», ruft jemand. Die Reformen, sagt Renzi, dienen vor allem dem Mezzogiorno. «Der Süden braucht den Wandel mehr als der Norden. Und ich brauche eure Stimmen.»

Der Mezzogiorno ist misstrauisch

Der Applaus zum Schluss ist höflich, aber dünn. Solche Parolen haben sie schon oft gehört, sie scheppern wie der Refrain einer alten Schnulze. Dann huscht er zum Seitenausgang.

Mehr als tausend Tage regiert Renzi nun schon. In Italien rechnet man Regierungszeiten tatsächlich in Tagen, das macht mehr her. Von allen Regierungen seit 1946, von allen 63, haben nur vier die Marke von tausend Tagen geschafft. Auch von dieser steten Unstetigkeit erzählt Renzi überall, wo er auftritt. Er sagt, im Ausland spotte man über das Land, weil es sich «das grösste und teuerste Parlament der Welt» leiste, obschon das Volk ja nicht viel halte von seiner politischen Klasse, von der «Kaste». Er nennt sie wirklich so: «la casta». Als gehörte er selber nicht zum Establishment. Aber nach tausend Tagen an der Regierung ist man in Italien nicht nur ein Ausbund an Establishment. Man gilt auch als altes Eisen, selbst mit 41 Jahren.

Bemüht und theatralisch

Premier und Populist, Insider und Outsider: Renzi switcht zwischen den beiden Rollen, ständig und fast übergangslos. Das wirkt oft bemüht und theatralisch. Das finden sie auch in Brüssel und Berlin, wo so manche Tirade des Italieners landet. Sie lassen ihn gewähren, weil der Bad Boy im Grunde ein ganz linientreuer Alliierter ist, ein überzeugter Europäer, den man unbedingt behalten will, dem man deshalb alles durchgehen lässt. Mit etwas Gepolter, so rechnet es sich Renzi aus, lassen sich in diesen konfusen Zeiten, da die Öffentlichkeit viel dreisteren Fabulierern erliegt, noch Abstimmungen und Wahlen gewinnen. Vielleicht.

Matteo Renzi aus dem kleinen Rignano sull’Arno bei Florenz, 6000 Einwohner, Sohn eines Unternehmers, streng katholische Familie, Pfadfinder in der Jugend, Studium der Rechtswissenschaften, hat wenig Übung im Verlieren. Bisher hat er immer gewonnen. Mit 19 gewann er die Quizshow «Ruota della Fortuna», Glücksrad, auf einem Sender Berlusconis. Mit 29 wurde er Präsident der Provinz Florenz. Mit 34 Bürgermeister von Florenz. Mit 38 Generalsekretär des sozialdemokratischen Partito Democratico. Mit 39 Premier.

In Italien gibt es zwei gegensätzliche Weisen, die Geschichte von Renzis Aufstieg zu erzählen. Giuliano Ferrara erzählt sie als Parabel eines «Royal Baby». So heisst sein Buch über Renzi, es ist ein wohlwollendes Porträt. Dass Ferrara, der frühere Spin Doctor von Silvio Berlusconi und Gründer von «Il Foglio», der Zeitung der konservativen Intellektuellen, ein solches Buch über den linken Premier geschrieben hat, ist an sich schon bemerkenswert. Dass er Renzi darin auch noch als Glücksfall für das Land darstellt, ist eine mittlere Sensation. «Viele dachten, mein Buch sei als Provokation angelegt», sagt Ferrara, «doch Renzi ist gut, ein Streber.» Am Fernsehen rede er alle seine Gegner unter den Tisch, weil er alles über sie wisse, alles über sie lese. «Die Ambition brennt wie ein Feuer in seinem Bauch.»

«Er sah nicht nur aus wie ein Pfadfinder, er war die Karikatur eines Pfadfinders.Giuliano Ferrara

Zum Frühstück in einer Bar im römischen Stadtteil Testaccio erscheint Ferrara mit seinen drei Hunden, die wie Entchen um ihn herumschwadern. Er selber gibt in diesem Bild den grossen Schwan. Ferrara, 64 Jahre alt, ist ein Berg von einem Mann, bekannt aus vielen politischen Sendungen am Fernsehen. Seine oftmals kontroversen und polemischen Artikel im «Foglio» zeichnet er mit einem roten Elefäntchen am Textende. Auf Twitter nennt er sich @ferrarailgrasso – Ferrara der Fette.

Niemand habe es für möglich gehalten, sagt Ferrara, dass es Renzi jemals so weit bringen würde – mit dieser Haartolle, die er am Anfang seiner Karriere trug. «Er sah nicht nur aus wie ein Pfadfinder, er war die Karikatur eines Pfadfinders.» Doch dieser junge Mann hörte sich auch ein bisschen wie Barack Obama an. Er revolutionierte die Sprache der italienischen Politik. Mitten in der tiefen, deprimierenden Rezession redete da einer eine helle Zukunft herbei, knüpfte an einer neuen Narration für das geduckte Land. Die Skeptiker aus der alten, postkommunistischen Nomenklatura lächelten über die angebliche Naivität des sozialliberalen Reformers, der sie da bedrängte. Er wiederum schalt sie Miesmacher, ewige Fatalisten. Die Wähler sollten wissen, dass er, Matteo Renzi aus Rignano sull’Arno, die Bremser «verschrotten» würde, wenn man ihn nur lasse. «Er hat eine ganze Generation von Politikern weggefegt», sagt Ferrara, «linke wie rechte.»

Als Renzi im Februar 2014 an die Macht kam, berief er ein Kabinett, das zur Hälfte aus Frauen bestand. An seinem ersten Arbeitstag fuhr er mit einem Smart zum Palazzo Chigi, dem Sitz des Regierungschefs. Alles roch nach Aufbruch und nach Systembruch. Bei den Europawahlen einige Monate nach Amtsantritt holte die Partei fast 41 Prozent der Stimmen. So viele wie noch nie. Auch Bürgerliche wählten seinen Partito Democratico, weil die mit Renzi plötzlich wirtschaftsfreundlicher war. Es war ein Kantersieg über seine internen Rivalen. Der Erfolg machte den Makel wett, dass Renzi nicht nach einer gewonnenen Parlamentswahl Regierungschef geworden war, sondern nach einer Berufung durch den damaligen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano. Er legitimierte ihn nachträglich.

Langweiliger selfmade-Leader

«Renzi hat sich alleine hochgearbeitet», sagt Ferrara, «gegen alle Widerstände. Sein Aufstieg ist selbst gemacht.» Selfmade. Darin sei er Berlusconi ähnlich. Der habe ihm als Modell gedient, als Maestro der politischen Kommunikation. «Berlusconi aber blieb immer ein Privatmann, mit allen seinen Limiten und Lastern.» Renzi dagegen sei durch und durch Politiker, öffentlich, alles liege auf dem Tisch. Nennenswerte Skandale gibt es keine, sosehr auch schon danach gegraben wurde. Renzis Privatleben gilt als langweilig im besten Sinne. Seine Frau Agnese hat er in einem Camp der Pfadfinder kennen gelernt, als sie beide noch Teenager waren. Sie ist Lehrerin, beliebt im Volk, das Paar hat drei Kinder.

Saftigen Stoff gibt es nur über den Politiker Renzi. Man hört zum Beispiel, er sei ungeduldig und brüsk mit seinen Mitarbeitern. Seine Entourage setzt sich fast ausschliesslich aus alten Freunden aus der Toskana zusammen. Die Medien nennen die Clique «Giglio magico», magische Lilie. Die Lilie ziert das Wappen von Florenz.

«Ein kleiner Provinzler»

«Renzi ist ein kleiner Provinzler geblieben», sagt Marco Travaglio, einer der bekanntesten Journalisten im Land und Chef der anderen Erzählschule. «Ein ‹Provincialotto›.» Zum nationalen Leader fehle Renzi die Statur. Die beiden mögen sich nicht. Seit sie in einer Talkshow aneinandergeraten sind, traktieren sie sich in der Öffentlichkeit gegenseitig mit Boshaftigkeiten. Renzi nennt seinen Kritiker einen «Löwen der Tastatur», der im direkten Zwiegespräch zu feige sei, ihm in die Augen zu schauen. Travaglio nennt den Premier eine «Null» und lächelt dabei mitleidig.

Auch Travaglio tourt in diesen Tagen durch Italien und füllt mit seinem Programm «Perché no» Theatersäle und Mehrzweckhallen. Bologna, Fiano Romano, Mailand, Turin. Noch viel grösser ist sein Publikum aber in den Medien. Travaglio ist Chefredaktor der Zeitung «Il Fatto Quotidiano», dem Leibblatt vieler Wähler der Protestpartei Cinque Stelle. Auf seinem persönlichen Twitterkonto folgen ihm 1,24 Millionen Leute. Nur Popstars und Fussballer haben so viele Follower. Vielleicht noch Premierminister. Renzi hat doppelt so viele.

Es ist also nicht unbedeutend, wie dieser 52-jährige Turiner Journalist mit dem lexikalischen Wissen über alle Skandale und Prozesse der vergangenen Jahrzehnte Politik und Renzis Rolle darin interpretiert. «Es ist offensichtlich», sagt Travaglio mit seiner unverwechselbar säuselnd monotonen Stimme, «dass fremde Mächte über Italien herrschen. Sie wollen ihre Befehle bei einer Person anbringen können, die alleine regiert und sich nicht allzu vielen Kontrollmechanismen unterwerfen muss.» Darum hätten sie dem Land nun diese Verfassungsreform aufgedrängt, diesen «Pfusch», diese «Schweinerei», mit der die Demokratie ausgehöhlt werde.

Napolitanos Marionette

«Loro», sagt Travaglio immer wieder, «sie», und meint damit die Geschäftsbank J. P. Morgan, die Europäische Zentralbank und die Europäische Kommission. Italien werde von diesen «internationalen Mächten» bevormundet, seiner Souveränität beraubt. Renzi sei in diesem Spiel nur ein kleiner Befehlsempfänger und Vollstrecker, eingesetzt von Giorgio Napolitano, der den Mächten von draussen schon lange als «Garant» diene. Als Beleg führt Travaglio eine Episode an, die sich am ersten Amtstag Renzis zugetragen haben soll. Der Premier sei zum Präsidentenpalast gefahren, um Napolitano seine Ministerliste zu unterbreiten. «Sie sassen drei Stunden zusammen», sagt Travaglio, «danach sah die Ministerliste ganz anders aus.» Napolitano habe ihm den Justizminister und den Wirtschaftsminister seiner Wahl aufgezwungen. Seither rede Renzi auch anders als zuvor, er habe alle seine politischen Credos aufgegeben – ebenfalls auf Geheiss von «loro». «Renzi wollte den Job so sehr, dass er zu allem bereit war», sagt Travaglio.

Matteo Renzi hat in drei Jahren Italien mehr reformiert als alle vier Kabinette Berlusconis zusammen.

Man kann diese Theorie bezweifeln, sie als postfaktisches Verschwörungszeug abtun. Doch viele Italiener glauben daran. Auch darum droht Renzi nun eine Niederlage, seine erste. Mehrmals und ohne Not hat er verheissen, er werde zurücktreten, wenn er die Abstimmung verliere. Als ginge es allein um ihn. Nun fürchtet die halbe Welt, dass die Welle des Populismus, die den Brexit brachte und Donald Trump an die Macht spülte, nun auch den jungen, dynamischen Regierungschef dieses schönen und nicht sehr aufbruchsfreudigen Landes wegtragen könnte.

Fehlende Rückendeckung aus dem Süden

Matteo Renzi hat in drei Jahren Italien mehr reformiert als alle vier Kabinette Berlusconis zusammen: eine Arbeitsmarktreform, die Einführung der Lebenspartnerschaften für Homosexuelle, eine Schulreform und die grosse Verfassungsrevision. Doch für die einen hat er falsch reformiert, überhastet oder fremdbestimmt. Und für die anderen, vor allem im Mezzogiorno, hat er nicht genug geleistet für den Aufschwung.

Sizilien allein zählt viereinhalb Millionen Wähler. Und wenn sie alle stimmen gehen würden, sagen die Demoskopen, dann hat Renzi keine Chance. Er reist nun ständig auf die Insel, verspricht neue Infrastrukturen, sogar das Projekt einer Brücke über die Strasse von Messina hat er wieder aufgetischt. Die letzten grossen Etappen seiner Tour sind Palermo und Catania. Doch wahrscheinlich kommt dieses Interesse zu spät. Renzis Wette ist zum Hasard geworden. Ist Sizilien sein Wisconsin?

Erstellt: 01.12.2016, 20:14 Uhr

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