Vom Hoffnungsträger zum Hoffnungslosen

Die Präsidentschaftskandidatur von François Fillon gerät zum Debakel – auch weil das Investigativblatt «Le Canard enchaîné» nicht lockerlässt.

Im Visier der Justiz: François Fillon und seine Gattin Penelope.

Im Visier der Justiz: François Fillon und seine Gattin Penelope. Bild: Keystone

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In der Scheinbeschäftigungs-Affäre geht der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon gegen die Justiz in die Offensive. Die Anwälte Fillons fordern die Finanzstaatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen einzustellen oder abzugeben. Einerseits sei die Behörde in dem Fall gar nicht zuständig. Andererseits könne die Veruntreuung öffentlicher Gelder Fillon als früherem Abgeordneten gar nicht vorgeworfen werden.

Fillons Flucht nach vorn täuscht aber nicht darüber hinweg, dass seine Glaubwürdigkeit dahin ist. Entsprechend gesunken sind seine Umfragewerte. Der Ex-Ministerpräsident würde es nach dem jetzigen Stand nicht in die Stichwahl am 7. Mai schaffen, dabei galt er bis vor kurzem als Favorit im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Für das konservative, rechtsbürgerliche Lager war Fillon ein Hoffnungsträger. Die Enthüllungen der Satire- und Investigativzeitung «Le Canard enchaîné» («Die angekettete Ente») genügten, um den 62-jährigen Republikaner zu einem hoffnungslosen Kandidaten zu machen. Und eine Wende ist nicht in Sicht.

Über 900'000 Euro für Frau und Kinder

«Le Canard enchaîné» hat am Mittwoch mit weiteren brisanten Details nachgelegt. In seiner Abgeordnetenzeit hatte Fillon seine Ehefrau Penelope als parlamentarische Assistentin eingestellt und offenbar grosszügig entlohnt – nicht nur mit 500'000 Euro, sondern mit über 900'000 Euro, inklusive 80'000 Euro für Jobs der beiden Fillon-Kinder. «Le Canard enchaîné» berichtet zudem, dass die Ermittler «keine Spur» der angeblich fünfzehnjährigen Arbeit der Fillon-Gattin gefunden hätten. Mehr noch: Penelope Fillon soll zudem 45'000 Euro als Entlassungsabfindung erhalten haben.

In der Scheinbeschäftigungsaffäre hat die Polizei am Donnerstag die Fillon-Kinder Charles und Marie vernommen. Die Befragungen dauerten sieben Stunden, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Fillon selbst hatte erklärt, er habe die Tochter und den Sohn für genau umrissene Aufgaben bezahlt. Abgeordnete dürfen in Frankreich Familienangehörige als parlamentarische Mitarbeiter beschäftigen. Das ist sogar eine weitverbreitete Praxis. Allerdings kommt dabei immer wieder der Verdacht einer illegalen Scheinbeschäftigung auf, also einer Bezahlung ohne Gegenleistung.

Fillon kann nicht mehr ausgewechselt werden

Fillon hatte sich Anfang Woche in einem Brief und einem TV-Auftritt an die Öffentlichkeit gewandt, in dem er die parlamentarische Anstellung von Familienmitgliedern als moralischen Fehler bezeichnete und sich dafür entschuldigte. Das war noch vor den jüngsten Enthüllungen im «Canard enchaîné», die den Präsidentschaftskandidaten noch mehr in die Bredouille brachten. Und Fillon muss davon ausgehen, dass das Satire- und Investigativblatt nicht lockerlassen wird.

«Penelope-Gate», wie die Fillon-Affäre auch genannt wird, bringt die republikanische Partei in ein Dilemma. Denn Fillon kann offenbar nicht mehr ausgewechselt werden. «Es ist zu spät, weil wir zwei Monate vor der Präsidentenwahl sind», sagte der konservative Spitzenpolitiker Jean-François Copé in TV-Interviews. Copé stellt sich hinter Fillon. Im Vorwahlkampf der Republikaner waren sie noch Rivalen gewesen.

Neuste Umfragen zeigen, dass Fillon im ersten Wahlgang am 23. April auf Platz 3 kommen würde: mit 17 bis 18 Prozent, hinter Marine Le Pen (25,5 bis 26 Prozent) und Emmanuel Macron (22 bis 23,5 Prozent). In der Stichwahl würde Macron klar siegen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2017, 11:58 Uhr

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