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Von der Libyen-Front direkt aufs Arbeitsamt

«Alle müssen ihren Beitrag zum Abbau des Defizits leisten», meint der britische Premier David Cameron. Die britische Armee trennt sich von 17'000 Soldaten. Die ersten 1800 Mann haben die Kündigung erhalten.

Leiden unter geringer Wertschätzung: Britische Soldaten während einer Patrouille in Afghanistan. (Archivbild)
Leiden unter geringer Wertschätzung: Britische Soldaten während einer Patrouille in Afghanistan. (Archivbild)
Keystone

Sie hätten brillante Arbeit geleistet, lobte der britische Premierminister David Cameron die Truppen, welche zum Sturz Ghadhafis beigetragen hatten. Das Lob kam für manche der Armeeangehörigen mit einem bitteren Beigeschmack: Die britische Regierung entliess in den vergangenen Tagen 1800 Soldaten und Soldatinnen. Darunter auch Mitglieder von Einheiten, die eben noch vom italienischen Stützpunkt Gioia del Colle aus an der Libyen-Mission beteiligt gewesen waren, wie das «St.Galler Tagblatt» (Artikel online nicht verfügbar) berichtet.

Alle müssten ihren Beitrag zum Abbau des Defizits leisten, meinte Permier David Cameron. So macht der Sparkurs der britischen Regierung eben auch vor der Armee nicht halt. Bereits im Juli hatte Verteidigungsminister Liam Fox angekündigt, dass die Streitkräfte als Beitrag zur Reduktion des englischen Rekordminus insgesamt 17'000 Stellen streichen müssen. Die nächsten Kündigungsschreiben werde also schon bald verschickt. Wie die schottische Zeitung «Daily Record» anmerkt, wird die britische Armee somit bis 2020 auf eine Grösse geschrumpft, welche sie das letzte Mal vor dem Burenkrieg aufwies.

Für Verteidigungsminister Fox ist denn auch klar, wer Schuld an den Sparmassnahmen ist: Die «Inkompetenz der früheren Labour-Regierung» hätten das Loch von 38 Milliarden Pfund (48 Milliarden Franken) ins Budget gerissen.

Mangelnde Wertschätzung

Mit den Einsparungen wird der Ausgabenanteil am Bruttoinlandprodukt für die Rüstung von bisher 2,4 Prozent auf 2 Prozent sinken, was laut dem «St.Galler Tagblatt» immer noch den Vorgaben der Nato entspreche. Dennoch ist die Verbitterung in England gross. Labour-Militärexperte Jim Murphy etwa ist der Meinung, die Regierung gehe mit den Sparmassnahmen zu weit: «Wir büssen beunruhigend viel von unserem Leistungsvermögen ein.» Ähnlich sieht dies der Journalist Richard Evans: «Die Regierung muss sich einfach bewusst sein, dass mit einer solchen Reduktion Einsätze, wie jene in Libyen oder Afghanistan, in Zukunft nicht mehr realistisch sind.»

In die Kritik sind Armee und Regierung aber auch geraten, weil sich viele Ex-Soldaten über mangelnde Wertschätzung beklagen. Armeeangehörige mussten zusammen mit anderen Angestellten des öffentlichen Dienstes Abstriche bei den Pensionen akzeptieren. Offizieren wurden zusätzlich die Unterstützungszahlungen für Privatschul-Gelder gestrichen.

Obendrein hatte das Militär erst im Februar bei der Entlassung von 38 Armeeangehörigen für Furore gesorgt: Den Offizieren, laut dem Militärmagazin «Military.com» teils gerade in einem Einsatz, war per E-Mail gekündigt worden. Ein wütender Verteidigungsminister Liam Fox meinte damals: «Das ist keine Art, wie man Mitglieder unserer Streitkräfte behandelt.»

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