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«Von Rost zersetzt» – Urteil gegen Total bestätigt

Das französische Unternehmen Total muss definitiv die Verantwortung für den Untergang des Tankers Erika übernehmen. Der Energiekonzern habe bei der Ölkatastrophe vor 13 Jahren fahrlässig gehandelt.

Auf das Unglück folgte eine der schlimmsten Ölkatastrophen in der Geschichte Europas: Der Tanker Erika am 13. Dezember 1999.
Auf das Unglück folgte eine der schlimmsten Ölkatastrophen in der Geschichte Europas: Der Tanker Erika am 13. Dezember 1999.
Keystone

Fast 13 Jahre nach der durch den Untergang des Tankers Erika verursachten Ölkatastrophe hat Frankreichs oberster Gerichtshof das Urteil gegen den Energieriesen Total bestätigt. Der Kassationsgerichtshof in Paris erklärte heute das Urteil eines französischen Berufungsgerichts vom März 2010 gegen Total, das italienische Schiffsregister Rina, den Reeder Giuseppe Savarese und Erika-Eigner Antonio Pollara für gültig. Damit scheiterte ein Revisionsantrag, den die vier Verurteilten eingereicht hatten.

Die 25 Jahre alte Erika war im Dezember 1999 bei einem Sturm im Golf von Biscaya auseinandergebrochen und gesunken. Rund 20'000 Tonnen Schweröl gelangten aus dem angerosteten Tankschiff ins Meer, der Ölteppich verschmutzte rund 400 Kilometer der nordwestfranzösischen Küste, bis zu 150'000 Seevögel verendeten kläglich.

Schlechte Instandhaltung

Ein französisches Berufungsgericht bestätigte im März 2010 ein Urteil, wonach Total bei der Anmietung des altersschwachen Schiffs 1999 fahrlässig gehandelt hatte und deshalb eine Mitschuld an der Ölkatastrophe trägt. Der 180 Meter lange, einwandige Tanker sei verunglückt, weil er «von Rost zersetzt» und nicht ausreichend instand gehalten worden sei, stellten die Richter fest.

Total und das Schiffsregister Rina wurden von dem Berufungsgericht wie im ersten Verfahren mit einer Geldstrafe von jeweils 375'000 Euro belegt; die Geldstrafe in Höhe von 75'000 Euro für den italienischen Reeder und den «Erika»-Eigner wurden ebenfalls aufrechterhalten.

171 Millionen Euro sind bereits bezahlt

Die Richter hatten Total aber überraschend von einer zivilrechtlichen Verantwortung und damit von Schadenersatzzahlungen freigesprochen. Total hatte nach dem ersten Verfahren allerdings schon 171 Millionen Euro an Schadenersatz gezahlt und erklärt, das Geld nicht zurückzufordern. Total übernahm damit den Grossteil der Schadensersatzzahlungen in Höhe von 200,6 Millionen Euro.

Der Kassationsgerichtshof musste entscheiden, ob die französische Justiz überhaupt für den Fall zuständig war. Für Wirbel hatte der Generalstaatsanwalt an dem Gericht, Didier Boccon-Gibod, gesorgt, als er im Frühjahr eine Annullierung des Urteils aus dem Jahr 2010 empfahl. Er sah das Urteil als nichtig an, weil die «Erika» unter der Flagge Maltas fuhr und das Schiff ausserhalb des französischen Seegebiets in internationalen Gewässern unterwegs war. Die französische Justiz sei daher nicht zuständig.

Der Kassationsgerichtshof erklärte nun aber, das Eingreifen der französischen Justiz sei durch das internationale Seerechtsabkommen der Vereinten Nationen gedeckt. Französische Gerichte seien durchaus zuständig, wenn durch ein Tankerunglück französische Hoheitsgewässer und die französische Küste verschmutzt würden. Der Gerichtshof bekräftigte auch, dass Total gemeinsam mit den anderen Verurteilten für die Schäden der Umweltkatastrophe aufkommen müsse.

AFP/mrs

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