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Was das Euro-Aus für Griechenland bedeuten würde

Verlässt Griechenland die Eurozone? Die Debatte ist wieder aufgeflammt. Die Konsequenzen sind schwer abzusehen – für Griechenland und den Rest Europas. Eine Suche nach Antworten.

Der Weg in eine ungewisse Zukunft: Ein Euro-Austritt könnte das ohnehin geringe Vertrauen in Griechenland erneut erschüttern. Doch eine schwächere Währung könnte auch die Wirtschaft konkurrenzfähiger machen.
Der Weg in eine ungewisse Zukunft: Ein Euro-Austritt könnte das ohnehin geringe Vertrauen in Griechenland erneut erschüttern. Doch eine schwächere Währung könnte auch die Wirtschaft konkurrenzfähiger machen.
Keystone

Ist bereits einmal ein Mitgliedsland aus der Eurozone ausgetreten?

Nein. Bislang wurde die Eurozone nur erweitert – gerade erst um Litauen. Der baltische Staat trat zum Jahreswechsel als 19. Land bei. Verlassen musste – oder wollte – noch kein Land die Währungsunion. Ein solcher Schritt wäre politisch, wirtschaftlich und juristisch neu.

Ist ein Austritt aus der Eurozone überhaupt möglich?

Rechtlich ist ein solcher Schritt nicht vorgesehen. Die EU-Kommission betonte: Die Euro-Mitgliedschaft sei «unwiderruflich». Diese Haltung vertrat 2009 schon die Europäischen Zentralbank (EZB). In einer Studie hiess es damals, ein Austritt aus der Eurozone ohne einen gleichzeitigen Austritt aus der Europäischen Union sei rechtlich nicht machbar. Die EU-Rechtsexperten haben aber bereits mehrfach juristische Lösungen für das politische Krisenmanagement ausgetüftelt. Sie würden wohl versuchen, zumindest einen EU-Verbleib für Griechenland möglich zu machen.

Was wären die Folgen für Griechenland?

Die Konsequenzen wären unklar, aber voraussichtlich schwer. Eine Rückkehr zur Drachme würde die Wirtschaft des Landes wohl erschüttern. Das verlorene Vertrauen von Investoren würde vermutlich über Jahre nicht zurückkehren. Noch mehr Griechen würden versuchen, ihr Erspartes ins Ausland zu schaffen. Das Land könnte sich im besten Fall nur langsam von den Folgen des Euro-Abschieds erholen. Jedoch: Wenn griechische Produkte durch eine im Vergleich zum Euro schwächere Drachme auf dem Weltmarkt günstiger anzubieten wären, käme das der Wirtschaft des Landes zugute.

Welche Gefahren drohen der Eurozone?

Europa dürfte nach den umgesetzten und laufenden Reformen inzwischen besser gegen Krisen gewappnet sein. Eine Ansteckung anderer europäischer Länder durch Griechenland erscheint unwahrscheinlicher. Davon gehen viele Experten und offenbar auch die deutsche Bundesregierung aus. Die langjährigen Krisenländer Irland, Spanien und Portugal konnten ihre Rettungsprogramme inzwischen beenden. Zudem sei das Euro-System insgesamt nun «stabiler als vor zwei Jahren», sagt Janis Emmanouilidis vom European Policy Centre (EPC). Die Gläubiger Griechenlands sind heute vor allem ausländische Finanzinstitute. Die Gefahr sei geringer, dass Griechenland sie mit in den Abgrund ziehen würde.

Was würde der Ausstieg der EU kosten?

Auch wenn Griechenland zur Drachme zurückkehren würde, bliebe das grundlegende Problem bestehen. Denn die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben für Athen in den vergangenen Jahren Rettungspakete von rund 250 Milliarden Euro geschnürt. Erklärt Griechenland den Staatsbankrott oder verweigert es die Rückzahlung, wäre das Geld wohl verloren. «Das wäre für die Partner ziemlich kostspielig», sagt Emmanouilidis.

Wären auch politische Folgen zu erwarten?

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone könne von Protestbewegungen oder eurofeindlichen Parteien in anderen EU-Ländern als Signal interpretiert werden, «dass es auch diesen Weg gibt», sagt Emmanouilidis. «Das könnte die politische Lage in einigen Mitgliedstaaten erschweren.» Andererseits könnte Griechenland aber auch zum abschreckenden Beispiel werden: «Wenn alle sehen, wie schlimm es dort wird, werden sie sich hüten, denselben Weg einzuschlagen.»

Jan Techau von Carnegie Europe hält auch über Europa hinausreichende Konsequenzen für möglich. Denn auch bei einem Euro-Ausstieg brauche Griechenland «weiter eine finanzielle Rettung». Dann könnten Länder wie China oder Russland einspringen und ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss in Westeuropa ausbauen.

(AFP)

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