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Was denkt die Welt über den Brexit? Die wichtigsten Länderpositionen

Die US-Notenbank hält den Atem an, Putin rät dazu: Wie ist die Haltung der wichtigsten Partnerländer im Hinblick auf einen drohenden Brexit?

Was sind ihre Positionen zum Brexit? US-Präsident Barack Obama (l.), Chinas Präsident Xi Jingping (Mitte) und der russische Präsident Wladimir Putin (r.) beim Treffen der Wirtschaftsgemeinschaft Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) in Beijing. (11. November 2014)
Was sind ihre Positionen zum Brexit? US-Präsident Barack Obama (l.), Chinas Präsident Xi Jingping (Mitte) und der russische Präsident Wladimir Putin (r.) beim Treffen der Wirtschaftsgemeinschaft Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) in Beijing. (11. November 2014)
Lan Hongguang, Keystone

Wie sich die Briten am 23. Juni bei ihrem Brexit-Referendum entscheiden, hat Auswirkungen auf die ganze Welt. Der Internationale Währungsfonds spricht von erheblichen Unwägbarkeiten für die Weltwirtschaft, sollte Grossbritannien die EU verlassen. Einige Länder spekulieren aber auch auf Vorteile, sollte es zum Brexit kommen.

Eine Auflistung der wichtigsten Partner der Briten ausserhalb der EU.

USA

Die US-Regierung will Grossbritannien als elementaren Teil der EU behalten. US-Präsident Barack Obama stellte das bei seinem Besuch im Mai in London unmissverständlich klar. Er deutete auch an, dass ein US-Handelsabkommen mit Grossbritannien nicht auf der Prioritätenliste steht. «Wir müssen uns um den grossen Block kümmern», sagte Obama.

Damit nahm er eine klare Position ein, stiess aber auch viele Briten vor den Kopf. Konservative Kreise in den USA freuen sich dagegen schon auf eine Zusammenarbeit mit einem Premierminister Boris Johnson. Grossbritannien könne im Falle eines Brexits belastende EU-Regulierungen über Bord werfen und hätte seine Grenzen wieder stärker unter Kontrolle, sagte Nile Gardiner von der konservativen Heritage Foundation.

China

Trotz einer Delle beim Wirtschaftswachstum hat die weiter aufstrebende Volksrepublik kein Interesse an einem Brexit. Chinesische Investoren nutzen London als Einfallstor in die EU, dafür schlugen sie in den vergangenen Jahren kontinuierlich Pflöcke ein. So kaufte etwa die staatliche Industrial and Commercial Bank of China erst vor kurzem einen riesigen Goldtresor in London mit einem Fassungsvermögen von 2000 Tonnen auf.

Die Kooperation mit Grossbritannien ist eng, das britische Finanzministerium gibt als einziges ausserhalb Chinas Anleihen in Yuan aus. Ein Ausscheiden Grossbritanniens und damit ein möglicher Bedeutungsverlust der Londoner City könnte diese Kooperation langfristig in Frage stellen.

Russland

Präsident Wladimir Putin ist der einzige Staatsmann eines grösseren Landes, der Grossbritannien einen Brexit anrät. Gerätselt wird, wie gut dieser Rat gemeint ist. Beide Staaten verbindet eine Hassliebe.

Grossbritannien ist wirtschaftlich aufs Engste mit Russland verbunden, wenn nicht auf das Riesenreich angewiesen. Viele Oligarchen halten Unsummen in Londons Banken, repräsentative Immobilien in London sind in russischem Besitz, die Ölkonzerne BP und Rosneft arbeiten eng zusammen. Die Zusammenarbeit könnte in der Tat ohne EU leichter werden, wenngleich eher nicht zum Vorteil der Briten.

Andererseits sind die politischen Beziehungen belastet, spätestens seit dem mysteriösen Tod des einstigen russischen Spions Alexander Litwinenko in London.

Arabische Länder

Die Scheichs haben Unsummen von Geld in britischen Investments liegen. Sie sind an grossen Banken ebenso beteiligt wie an Ölfirmen oder Immobilien. Zur Diskussion stehen Beteiligungen an Grossprojekten zur Verbesserung der maroden britischen Infrastruktur, etwa bei Flughäfen oder Schienenverbindungen. Politik spielt dabei keine grosse Rolle, es geht ausschliesslich ums Geldverdienen. Für die Briten ist das Risiko und Chance zugleich.

Sollte sich für die Entwicklung der Milliarden-Investments der Araber ein Brexit als günstig herausstellen, könnte noch mehr Geld fliessen. Genauso schnell würden sie ihre Petro-Dollars aber wohl verlagern, wäre das Gegenteil der Fall. Andererseits wären etwa Waffendeals der grossen britischen Rüstungskonzerne wie Rolls Royce oder BAE ohne EU-Regelwerk einfacher.

Japan

Die japanischen Autobauer sind ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor für Grossbritannien. Die britische Autoindustrie hat sich zuletzt stark erholt, ist zum Musterknaben für die beabsichtige britische Kehrtwende zurück zur Industrienation geworden. Nissan ist der mit Abstand grösste Autobauer in Grossbritannien, auch Toyota und Honda unterhalten grosse Werke.

57 Prozent der britischen Autoexporte gehen in die EU-Länder. Nissan-Chef Carlos Ghosn hatte bereits vielsagend angedeutet: «Wenn es Änderungen gibt, müssen wir unsere Strategie überdenken.» Die Drohungen wurden jedoch zuletzt leiser, ein schnelles Deinvestment in Grossbritannien steht wohl nicht mehr im Raum.

SDA/mch

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