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Was ist mit Julie? Hollande muss sich erklären

Frankreichs Präsident will heute Nachmittag sagen, wie er das Land aus der Krise führen möchte. Seine Reformpolitik interessiert weniger als die Affäre mit einer Schauspielerin und damit verbundene brisante Fragen.

Das grosse Gesprächsthema der letzten Tage: Julie Gayet und François Hollande.
Das grosse Gesprächsthema der letzten Tage: Julie Gayet und François Hollande.
AFP

Das Land hat wahrlich drängendere Probleme: die lahmende Wirtschaft, die vielen Firmenpleiten, die steigende Arbeitslosigkeit oder auch die ausufernden Staatsschulden. Doch die Franzosen interessiert seit ein paar Tagen nur eine Frage: Hat der als «Pudding» verspottete Präsident François Hollande eine Affäre mit der attraktiven Schauspielerin Julie Gayet? Die nicht dementierte Liaison erscheint umso brisanter, als die offizielle Lebenspartnerin von Hollande, Valérie Trierweiler, wegen eines «schweren Falls von Liebeskummer» in einem Spital behandelt wird (siehe Infobox).

Affäre droht Hollandes politischen Neustart zu vermasseln

Seine amourösen Eskapaden werden im Fokus stehen, wenn der französische Präsident heute Nachmittag (ab 16.30 Uhr) die traditionelle Halbjahreskonferenz im Elyséepalast in Paris abhalten wird. Dabei hat sich der 59-jährige Staatschef vorgenommen, seine bisher enttäuschende Präsidentschaft neu zu lancieren. Im Mittelpunkt soll ein «Pakt der Verantwortung» stehen, für den er die Unternehmen gewinnen will: Im Gegenzug für eine Senkung der Arbeitskosten sollen sie mehr Jobs schaffen. Aber wer will das schon hören, wenn Hollande keine klärenden Worte zu seinem Privatleben spricht?

Selbst Hollandes Sozialisten fordern, dass der Präsident privat reinen Tisch macht. «Er muss, was seine private Situation angeht, wirklich sehr schnell aufräumen, damit wir uns mit den wichtigen Fragen beschäftigen können», sagte der Sprecher der Sozialisten in der Nationalversammlung, Thierry Mandon. Die Berichte über seine heimliche Affäre wird Hollande an der Medienkonferenz, an der rund 600 Journalisten aus aller Welt teilnehmen, kaum totschweigen können. Die Journalisten dürften ihn mit Fragen bombardieren und unter anderem wissen wollen, mit wem er denn in einem Monat zum Staatsbesuch in die USA reisen werde – mit Valérie Trierweiler oder Julie Gayet?

Die Frage nach der Sicherheit des Staatspräsidenten

Seit das People-Magazin «Closer» am letzten Freitag die Affäre des französischen Präsidenten publik gemacht hat, wurden etliche Medienberichte veröffentlicht, die aus verschiedenen Gründen unangenehm für Hollande sein dürften. So berichtete das grundsätzlich seriöse Nachrichtenportal Mediapart über eine – wenn auch sehr indirekte – Verbindung zur korsischen Mafia. Die Wohnung, in der sich Hollande und Gayet seit letztem Sommer getroffen haben sollen, wurde von einer Freundin Gayets gemietet, die mit zwei Männern aus dem Dunstkreis der korsischen Mafia liiert war.

Die Zeitung «Le Monde» kritisiert, dass Hollandes Personenschützer diese Verbindungen nicht überprüft hätten. Damit warf sie erneut die Frage nach der Sicherheit des Staatspräsidenten auf. Die Frage war schon am Freitag gestellt worden: Denn die «Closer»-Bilder zeigen, wie Hollande sich mit einem Motorroller zum Liebesnest im vornehmen 8. Arrondissement in der Nähe des Elyséepalasts chauffieren lässt. Auch die Wohnung der Geliebten ist Berichten zufolge nicht sonderlich gesichert.

Steckt das Sarkozy-Lager hinter den Enthüllungen?

«Le Monde» befasst sich auch mit der Frage, ob politische Rivalen hinter den Enthüllungen der Zeitschrift «Closer» stecken. Dabei bringt sie Hollandes Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy ins Spiel, dem Ambitionen nachgesagt werden, bei den Präsidentschaftswahlen 2017 wieder kandidieren zu wollen. «Le Monde» betont, dass Sarkozy immer noch über starke Seilschaften im Elyséepalast sowie im Innenministerium verfüge. Als Präsident habe Sarkozy – im Gegensatz zu Hollande – eine Hausmacht aufgebaut, die viele Indiskretionen zu verhindern gewusst habe.

Für Hollande, der im Mai 2012 angetreten war mit dem Versprechen, die Nation anders als sein Vorgänger nicht ständig mit seinem Privatleben zu behelligen, könnte die Liebesaffäre einen zusätzlichen Imageschaden bedeuten – oder das Gegenteil. Denn durch amouröse Abenteuer ihrer Präsidenten sind die Franzosen nicht zu schockieren. «Im äussersten Fall wird das ihm in den Umfragen vielleicht nutzen», meint beispielsweise der Medienhistoriker Patrick Eveno mit Blick auf die seit Monaten verheerenden Zustimmungswerte für den sozialistischen Staatschef. «Es wird weniger sein Image als geruhsames Pummelchen gesehen und mehr das des Verführers.»

Artikel mit Material der Nachrichtenagenturen afp und sda.

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