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Was über den Attentäter von Manchester bekannt ist

Ein ruhiger Typ, studiert, gläubig. Das ist der Attentäter.

Anschlag in Manchester: Ermittler durchsuchen das Wohnhaus des festgenommenen Terrorverdächtigen. (Video: Tamedia/AP)

Der Vater ein angesehenes Gemeindemitglied. Er selbst ein eher ruhiger Typ, der mit seinem Bruder zusammen die gleiche Moschee in Manchester besucht hat. Ein junger Mann, der seine Eltern immer respektvoll behandelt hat.

Und jetzt soll Salman Ramadan Abedi, 1994 in Grossbritannien geboren, ein Attentäter sein. Er soll der Mann sein, der am Montagabend im Foyer der Manchester-Arena eine selbstgebastelte Bombe gezündet hat, die 22 Menschen in den Tod riss, etwa 60 Menschen zum Teil schwer verletzt hat und viele traumatisiert zurücklässt. Kinder und Jugendliche sind unter den Opfern, weil viele von ihnen Fans der US-amerikanischen Sängerin Ariane Grande sind, die an dem Abend hier ein Konzert gegeben hat.

Keine Zweifel an der Identität des Täters

An der Identität des Täters gibt es der britischen Polizei zufolge keinen Zweifel mehr. Unter anderem sei ein Ausweis von ihm am Tatort gefunden worden. Unklar ist noch, ob er er alleine gehandelt hat. Die Polizei fahndet nach möglichen Mittätern und Unterstützern.

Das Konzert findet auf dem Cricketgelände von Old Trafford statt: Die Vorbereitungen sind im Gange. (1. Juni 2017)
Das Konzert findet auf dem Cricketgelände von Old Trafford statt: Die Vorbereitungen sind im Gange. (1. Juni 2017)
Danny Lawson, Keystone
Drei Verdächtige sind wieder frei: Bewaffnete Spezialeinheit der britischen Polizei an einem Bahnhof in London. (25. Mai 2017)
Drei Verdächtige sind wieder frei: Bewaffnete Spezialeinheit der britischen Polizei an einem Bahnhof in London. (25. Mai 2017)
Yui Mok, Keystone
Die Polizei meldete zunächst einen «schwerwiegenden Vorfall» an einem Konzert von Ariana Grande. (Archivbild)
Die Polizei meldete zunächst einen «schwerwiegenden Vorfall» an einem Konzert von Ariana Grande. (Archivbild)
Chris Pizzello, Keystone
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Gelebt hat Salman Abedi im Süden der Stadt. Er ist das zweitjüngste von vier Kindern, hatte zwei Brüder und eine Schwester. Seine Eltern sind einst aus Libyen geflohen. Die Familie gilt als religiös, aber politisch moderat. Abedi war Fan von Manchester United.

Abedi soll den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen sein. Aber er galt nicht als Risiko-Person. Sondern eher als Randfigur. Mehrfach soll er sich in den vergangenen Jahren in Libyen aufgehalten haben. Ein Schulfreund sagte der Times, er sei erst vor Kurzem von dort zurückgekehrt.

«Sohn des Kalifats» – noch ohne Beleg

Einige Stunden nach der Explosion bekannte sich der IS zu dem Anschlag. Abedi sei ein «Soldat des Kalifats». Noch aber hat die Polizei nichts gefunden, was eine Verbindung zwischen Abedi und dem IS belegen könnte.

Viele Angehörige der örtlichen libyschen Gemeinde sind verblüfft.

Abedi ein Attentäter? In der libyschen Gemeinde hat das viele verblüfft Manchen Mitgliedern der libyschen Gemeinde in Manchester wären einige eingefallen, die vielleicht als Attentäter in Frage gekommen wären. Einer von jenen etwa, die in der libyschen Revolution von 2011 gekämpft haben. Zurückgekehrt sind sie traumatisiert und wütend. Dass Abedi aber der Täter von Manchester sein soll, habe viele Angehörige der örtlichen libyschen Gemeinde verblüfft, schreibt der Guardian, der sich dort umgehört hat.

Abedis Bruder Ismail gilt als recht aufbrausend, Salman hingegen galt als ruhig. Der Vater Ramadan Abedi soll der dschihadistischen Ideologie geradezu konfrontativ gegenüberstehen. Den IS soll er rundweg ablehnen, zitiert der «Guardian» einen Freund der Familie. Das seien nur Kriminelle.

Abedi hat studiert

Der Vater hat es nach der Flucht nur bis zum Gelegenheitsarbeiter gebracht, zuletzt soll er als Wachmann gearbeitet haben. Salman Abedi aber hat studiert. Er war seit 2014 als Student an der Salford-Universität nahe Manchester eingetragen. Betriebswirtschaft. Angeblich soll er zwei Jahre lang regelmässig alle Kurse besucht haben. Im vergangenen Jahr aber scheint er nicht mehr aufgetaucht zu sein. In diesem Sommer hätte er seinen Abschluss machen können. Er soll sich an der Universität zu keinem Zeitpunkt auffällig verhalten haben.

Der Grossteil seiner Familie soll nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi wieder nach Libyen zurückgekehrt sein. Der Telegraph schreibt, nur Salman Abedi und sein älterer Bruder Ismail seien in Grossbritannien geblieben.

Radikalisiert, aber wo?

Die offene Frage ist, wie und wo er sich radikalisiert haben könnte. Die Didsbury-Moschee, in der er, sein Bruder und sein Vater gebetet haben, gilt als moderat. Als Ort, an dem Muslime aus dem arabischen Raum, aus Afrika, Asien und Europa willkommen sind. Der dortige Imam Mohammed Saeed will in Abedi schon Zeichen einer Radikalisierung erkannt haben. Dem Guardian sagte er, dieser habe ihn «mit Hass» angesehen, nachdem er eine Predigt gegen Terror und gegen den IS gehalten habe.

Ein Imam will in Abedi Zeichen einer Radikalisierung erkannt haben.

Radikalisiert haben könnte sich Abedi in der Einflusssphäre etwa von Abdalraouf Abdallah, einem 24-Jährigen, der auch in Manchester lebt. Abdallah sass neun Jahre hinter Gittern, weil er Terroristen unterstützt und Anschläge mitvorbereitet haben soll. Abdallah soll auch geholfen haben, kampfeswillige Männer nach Syrien zu schleusen. Ein Freund der Familie sagte dem Guardian, Abedi und Abdallah hätten sich gekannt. Allerdings mit dem Zusatz: «Alle Libyer in Manchester kennen sich.»

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