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Wenn der Staat im Staat zerbröckelt

Mit Juri Luschkows Absetzung als Bürgermeister von Moskau zerfällt ein Reich, das der 74-Jährige während 18 Jahren aufgebaut hat. Seine Frau könnte darunter am meisten zu leiden haben.

Die Absetzung von Juri Luschkow als Bürgermeister von Moskau ist gleichzeitig das Ende einer 18-jährigen Herrschaft. Die Entscheidung von Präsident Dmitri Medwedew, den Bürgermeister zu entfernen, dürfte nicht zuletzt der Bevölkerung schwer aufliegen. Luschkow ist beliebt in Moskau. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter auch den Leninorden und eine militärische Ehrenmedaille, die ihn als «Verteidiger des freien Russlands» auszeichnet.

Seine Popularität gründet hauptsächlich darauf, dass er die 10-Millionen-Metropole Moskau während seiner Amtszeit in eine blühende Wirtschaftsmetropole verwandelte. Laut der Investmentbank Troika Dialog wurden im Jahr 2009 in Moskau über 20 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) erwirtschaftet. Die rund 280 Milliarden Dollar sind vergleichbar mit den BIP von Ländern wie Südafrika oder Thailand. Gemäss offiziellen Zahlen wohnen in der russischen Hauptstadt sieben Prozent der gesamten Einwohnerschaft Russlands.

Das umstrittene Imperium von Luschkows Frau

Der 74-jährige Luschkow hat sich in Moskau ein kleines Imperium geschaffen. Eine Art Staat im Staat. Wobei Luschkow nicht etwa selbstlos agierte, sondern darauf achtete, dass er selbst nicht zu kurz kommt. So unterstützte er gemäss «Frankfurter Allgemeinen» (FAZ) auch seine zweite Frau Jelena Baturina, indem er ihr half, das grösste Immobilienimperium Moskaus aufzubauen.

Auf der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen Russlands ist sie die einzige Frau. Das Gesamtvermögen von Baturina wird auf 2,9 Milliarden Dollar geschätzt. Gemäss der «FAZ» schaffte die um 33 Jahre jüngere Baturina den geschäftlichen Durchbruch durch den ausgeschriebenen Auftrag, das Moskauer Sportstation Luschniki mit 85'000 Sitzen neu zu bestuhlen. Das Stadion lag damals zu 49 Prozent in den Händen der Stadtverwaltung.

Gemäss Wikipedia besitzt die Unternehmerin mehr als 72'000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in der russischen Region Belgorod. Doch durch die Absetzung von Luschkow könnte ihr Imperium zu bröckeln beginnen. Gemeinsam mit ihrem Mann konnte sie sich in der Vergangenheit mehrmals gegen Vorwürfe der Vetterwirtschaft wehren – auch mit juristischen Mitteln. Damit wird nun Schluss sein. Aus ihrem persönlichen Vorteil durch die Ehe mit Luschkow machte Baturina nie einen Hehl. Wie die «FAZ» berichtet, hätte Baturina einst in einem Interview gesagt, dass «der Luschniki-Vertrag ihr Glück und grosser Erfolg» gewesen sei.

Visionäre Aktionen

Luschkow selber konnte mit regelmässigen, teils bizarren Visionen weltweite Aufmerksamkeit erregen. So schwebte ihm einst vor, Eiszapfen an Moskaus Häusern mit Laserkanonen abzuschiessen. Legendär sind auch seine Ausfälle gegen Schwule und Menschenrechtler.

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