Wer hat auf den Knopf gedrückt?

Steht heute Nachmittag der Schuldige fest? Das ist die Ausgangslage vor der Präsentation des Untersuchungsberichts zum Abschuss von MH 17 über der Ukraine.

So viel ist sicher: Am 17. Juli 2014 wurde MH 17 von einer Rakete getroffen und zerstört. (Screenshot Animation der niederländischen Flugsicherheitsbehörde)

So viel ist sicher: Am 17. Juli 2014 wurde MH 17 von einer Rakete getroffen und zerstört. (Screenshot Animation der niederländischen Flugsicherheitsbehörde)

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Diese Fakten sind bereits gesichert:

  • Am 17. Juli 2014 stürzte eine Boeing 777 der Malaysia Airlines über dem Kriegsgebiet im Osten der Ukraine ab. Alle 298 Menschen an Bord von Flug MH 17 starben. Die Mehrheit der Passagiere stammte aus den Niederlanden.
  • In ihrem im Herbst 2015 veröffentlichten Bericht hält die niederländische Flugsicherheitsbehörde fest, dass MH 17 von einer Rakete getroffen wurde, die vom Boden aus abgefeuert worden war.
  • Technische Gründe oder menschliches Versagen als Grund für den Absturz können ausgeschlossen werden.
  • Die Rakete wurde vom Waffensystem Buk abgefeuert. Sowohl die ukrainische als auch die russische Armee haben es in ihrem Arsenal.

Eine Visualisierung des Abschusses von MH 17. (Video: Lea Koch/Niederländische Behörde für Flugsicherheit)

Heute Nachmittag präsentiert die niederländische Staatsanwaltschaft die Untersuchungsergebnisse eines internationalen Ermittlerteams. An der Untersuchung beteiligt waren Ermittler aus den Niederlanden, Australien, Belgien, der Ukraine und Malaysia.

Das Ziel der Untersuchung ist es, zu klären, wer für den Abschuss verantwortlich war. Die niederländische Flugsicherheitsbehörde hat bislang lediglich die Absturzursache ermittelt und sich nicht zur Schuldfrage geäussert.

Dieser Lufttrichter wurde an der Absturzstelle von MH 17 gefunden. Er stammt von einer Buk-Rakete. (Bild: Joint Investigation Team)

Das wird vom Bericht der internationalen Ermittler erwartet:

  • Bislang ist lediglich bekannt, dass der Ort, von dem aus die Rakete abgeschossen wurde, in einem 320 Quadratkilometer grossen Gebiet in der Ostukraine liegt. Er wird erwartet, dass die Ermittler heute einen genauen Abschussort nennen können.
  • Wie der britische «Guardian» aus Diplomatenkreisen erfahren haben will, sollen die Ermittler in der Lage sein, die genauen Koordinaten des Abschussorts zu präsentieren. Er soll in der Nähe der Stadt Snischne in einem Gebiet liegen, das damals unter Kontrolle der prorussischen Separatisten stand.
  • Die an den Ermittlungen beteiligten Länder haben angekündigt, dass den Verantwortlichen des Abschusses der Prozess gemacht werden soll. Die Ermittler haben jedoch bereits verlauten lassen, dass sie derzeit noch keine Namen von Verantwortlichen nennen können.

Splitter einer Buk-Rakete, die an der Absturzstelle gefunden wurden, werden mit Splittern eines Referenzmodelles verglichen. (Bild: Joint Investigation Team)

Wird Russland das Ergebnis der Ermittlungen akzeptieren?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Die offizielle Position Russlands ist inzwischen, dass die Rakete von einem Gebiet aus abgefeuert wurde, das unter der Kontrolle der ukrainischen Regierung stand. Anfang Woche präsentierte das russische Militär Radardaten, die dies belegen sollen.

Russische Radardaten zeigen angeblich den Weg, den die Rakete genommen hat. (Bild: Russisches Verteidigungsministerium/Keystone)

Es bestehen jedoch grosse Zweifel an der Echtheit dieser Daten. Vor zwei Jahren präsentierte Russland angeblich echte Aufnahmen, die hätten belegen sollen, dass MH 17 von einem ukrainischen Kampfflugzeug abgeschossen wurde. Davon spricht heute in Moskau niemand mehr.

Auffällig ist auch, dass Russland diese angeblich «neuen» Beweise zwei Tage vor dem Auftritt der internationalen Ermittler präsentierte. Der Termin in den Niederlanden war lange im Voraus angekündigt worden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Moskau mit seiner Aktion die heutige Präsentation stören wollte.

Erstellt: 28.09.2016, 10:08 Uhr

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