Zum Hauptinhalt springen

Wer in Deutschland als «integrationsunwillig» gilt

In Deutschland ist die Ausländerdebatte durch ein umstrittenes Buch und eine aktuelle Umfrage neu entfacht. Thilo Sarrazin lancierte den Begriff «integrationsunwillig». Doch was bedeutet diese Bezeichnung?

30,6 Prozent der Ausländer aus nicht EU-Staaten sollen in Deutschland «nicht ausreichend» Deutsch sprechen: Türkischer Markt in Berlin.
30,6 Prozent der Ausländer aus nicht EU-Staaten sollen in Deutschland «nicht ausreichend» Deutsch sprechen: Türkischer Markt in Berlin.
Keystone

Eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung empfindet muslimische Migranten als eine Belastung für ihr Land. Dies ergab eine aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts. 55 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Einwanderergruppe «sozial und finanziell wesentlich mehr kostet, als dass sie wirtschaftlich einbringt.»

Das Resultat der Studie wirft neues Öl ins Feuer. Die Ausländerfrage wurde mit dem umstrittenen Buch «Deutschland schafft sich ab» von Thilo Sarrazin letztmals so richtig entfacht. Sarrazin kam dafür heftig in die Kritik. In grossen Teilen des Volkes genossen Sarrazins Aussagen aber Zuspruch.

Deutschland wird «immer dümmer»

Das belegt auch die Allensbach-Studie. Als Beispiel: Der Aussage des ehemaligen Bundesbank-Vorsitzenden, dass Deutschland durch die Zuwanderung der Migranten «auf natürlichem Wege immer dümmer» werde, widersprechen nur 33 Prozent der Befragten.

Ein gewisser Zuspruch aus der Bevölkerung ist das eine, was Sarrazin mit seinem Buch erreicht hat. Das andere ist die Etablierung einer neuen Bezeichnung für eine Bevölkerungsgruppe: «Integrationsunwillige Migranten».

Doch was heisst integrationsunwillig und wie viele der deutschen Migranten sollen dies sein? Die deutsche «Financial Times» (FTD) durchleuchtete den Begriff jüngst in einem Artikel:

Wer gilt als integrationsunwillig?:

Der Begriff sei ein politischer Begriff, dessen Definition viel Spielraum lasse. Laut Bundesinnenministerium soll Integrationsverweigerung «gekennzeichnet durch die Tendenz zur selbst gewählten Abschottung, die Nichteilnahme am gesellschaftlichen Leben und an den angebotenen Deutschkursen sowie die Ablehnung des deutschen Staates» sein, so die «FTD».

Wieviele Integrationsverweigerer gibt es?:

Laut der «FTD» beziffert der Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) die Zahl der Verweigerer auf zehn bis 15 Prozent. Das deutsche Ministerium behauptet gar, dass 30,6 Prozent der erwachsenen Ausländer aus nicht EU-Staaten «nicht ausreichend» Deutsch sprechen würden.

Welche Integrationsanforderungen gibt es?:

Gemäss «FTD» müssen Ausländer bei den Ausländerbehörden ihren Lebensunterhalt nachweisen. Seit 2005 gibt es Integrationskurse, die unter anderem auch Sprachkurse über 600 Stunden anbieten. Die Kurse sind für jene Einwanderer verpflichtend, die sich gemäss deutscher Ausländerbehörde «nicht zumindest auf einfache Art in deutscher Sprache verständigen können.» Eine Pflicht für einen «Eingliederungskurs» bestehe zudem bei Beziehern von Arbeitslosengeld II. Gemäss der «FTD» können darüber hinaus Ausländer, die als «besonders integrationsbedürftig» erscheinen von der Ausländerbehörde zu einem Kurs gezwungen werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch