Wer ist die Gelbweste mit dem roten Béret?

Der einstige französische Fallschirmjäger Victor Lenta hat an der Seite der Russen gegen Kiew gekämpft. Nun ist er für die Gelbwesten im Einsatz.

Der Ex-Soldat kämpft gegen den «amerikanischen Imperialismus»: Victor Lenta (Mitte) an einer Demonstration der Gelbwesten in Paris. Foto: AFP

Der Ex-Soldat kämpft gegen den «amerikanischen Imperialismus»: Victor Lenta (Mitte) an einer Demonstration der Gelbwesten in Paris. Foto: AFP

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Er trägt das béret rouge der französischen Fallschirmjäger auf dem Kopf, manchmal hängen an der gelben Weste mehrere Militärorden. Er ruft seinen Mitstreitern Befehle zu, wie ein General auf dem Schlachtfeld. Anthony heisse er, sagt er der französischen Ausgabe der Huffpost in einem Video, aufgenommen während der letzten Unruhen Mitte Monat in Paris. Seine Leute sorgten hier für Ordnung. Gewalt sei nicht ihre Sache, doch von der Polizei seien «Provokationen» zu erwarten. Einmal im Netz stellte sich schnell heraus, dass dieser Anthony mit dem markanten Bart und Schnauz in Wirklichkeit Victor Lenta heisst, ein kampferprobter Soldat mit rechter Geschichte.

Ursprünglich war Lenta, der kolumbianische Wurzeln hat, Unteroffizier der Fallschirmjäger der französischen Armee. Er diente in Afghanistan, dem Tschad und der Elfenbeinküste. Doch dann wurde er offenbar suspendiert. Er soll an einem Anschlag auf eine Moschee beteiligt gewesen sein, der 2008 in der Nähe von Toulouse zu Ehren von Hitlers Geburtstag verübt wurde. Lenta gehört dort zum harten Kern der rechten Szene.

Nach der Entlassung hat er seine Dienste in der Ostukraine angeboten. Er habe eine «Légion Française à Donbass» aufgebaut, die an der Seite russischer Soldaten und prorussischer Aufständischer gegen die ukrainische Armee kämpfte. 16 Monate war er 2014 und 2015 in der Ostukraine, Bilder zeigen ihn mit einem markanten Schnauzer im Gesicht und einem Gewehr im Arm. Er verteidige die Zivilbevölkerung gegen den «ukrainischen Terror» und gegen «imperialistische Aggression». Im Donbass finde ein verkappter Krieg des Westens gegen Russland statt, erklärte er auf russischen Kanälen. Er betrachtet Moskau dabei als letzte Bastion gegen die «liberale Globalisierung» und kämpft gegen den «amerikanischen Imperialismus und seinen bewaffneten Arm, die Nato».

Lenta blieb nach der Rückkehr unbehelligt

Er sei in der Ostukraine dafür zuständig, europäische Freiwillige für den Krieg anzuwerben, sagte er. Doch offenbar sind er und mindestens drei weitere Franzosen, laut «Le Monde» alles Mitglieder einer ultranationalistischen Bewegung namens Unité Continentale, nie an vordester Front zum Einsatz gekommen, wie Lenta in einem Interview selber zugibt. In Frankreich hatte die Gruppe zudem Demonstrationen zur Unterstützung des syrischen Diktator Bashar al-Assad organisiert und in Serbien die Freilassung des verurteilten serbischen Kriegsverbrechers Vojislav Seselj verlangt.

An Demonstrationen der Gelbwesten tauchte auch die Flagge der ostukrainischen Volksrepublik Donezk auf. Bild: Youtube Er sei kein Söldner des russischen Präsidenten Wladimir Putin, verteidigte sich Lenta gegen Kritik, es sei nicht für Geld in der Ostukraine. Im Gegenteil, er habe lange gespart, behauptete er, um an diesem Kampf teilnehmen zu können. Und er habe kein Retourticket gekauft. Nach französischem Recht könne er leicht wegen Terrorismus angeklagt werden, wenn er zurückkehre, sagte er 2014. Nach dem Kampf in der Ostukraine werde er deshalb dorthin gehen, wo man ihn brauche. Vielleicht werde er den irakischen Christen beistehen und ein paar Islamisten «killen».

Donezker Flagge an Demos aufgetaucht

Doch als die heisse Phase des Kriegs in der Ukraine vorbei war, kehrte er im Herbst 2015 offenbar doch nach Toulouse zurück – und blieb unbehelligt. Mit den Gelbwesten hat er nun den Kampf an der Heimatfront aufgenommen. Laut französischen Medienberichten wurde er bei den Unruhen Anfang Dezember vorübergehend festgenommen, als er mit seinen Leuten Betonblöcke auf die Strasse schaffte.

Und zumindest einige seiner Mitstreiter aus der Ostukraine scheinen mit von der Partie zu sein: Bei den Gelbwestendemos haben Demonstranten die Flagge der von der Ukraine abtrünnigen Donezker Volksrepublik gezeigt. Bei zwei der Männer handelt es sich laut ukrainischen Informationen um französische Staatsbürger, die Sympathien für die prorussischen Rebellen hätten und das Konfliktgebiet auch besucht hätten. Gekämpft haben sie dort im Gegensatz zu Victor Lenta aber offenbar nicht.

Erstellt: 18.01.2019, 17:46 Uhr

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