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Wer steckt hinter der Bombenattrappe?

Bei dem in Namibia sichergestellten Objekt handelte es sich um einen «Realtestkoffer», mit dem die Flugsicherheit getestet wird. Offen ist, wer hinter der Attrappe steckt. Erste Spuren führen in die USA und zu einer 80-Jährigen Frau.

Die Untersuchungsbehörden rätseln, wer den «Realtestkoffer» in Namibia aufgegeben hat: Sicherheitskontrollen am Hauptbahnhof in Dresden.
Die Untersuchungsbehörden rätseln, wer den «Realtestkoffer» in Namibia aufgegeben hat: Sicherheitskontrollen am Hauptbahnhof in Dresden.

Das Objekt, das am Flughafen von Windhuk in Namibia gefunden wurde, nennt sich «Realtestkoffer». Wer aber steckt hinter dem «Realtestkoffer», der im Zusammenhang mit den Terrordrohungen der Islamisten für so viel Wirbel gesorgt hat? Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) hat am Freitag nur wissen lassen, es handle sich bei der ungefährlichen Attrappe um einen «Koffer» von einer amerikanischen Firma, die Alarmsysteme herstelle, mit denen Sicherheitskontrollen getestet werden. Es werde geprüft, wann und an wen dieses «Gepäckstück» verkauft worden ist. Die brisante Frage lautet aber: Wer wollte die Sicherheit vor dem Air-Berlin-Flug AB 7377 nach München überprüfen und wer hat die Attrappe zum Flughafen gebracht?

Aus Geheimdienstkreisen in Berlin war zu erfahren, es habe sich offenbar um einen westlichen Dienst gehandelt, der nach dem «Jemen-Debakel» einen Versuch zur Überprüfung der Sicherheitsmassnahmen auf einem «entlegenen Flughafen machen wollte». Es könnte die CIA dahinter gesteckt haben, hiess es. Die Vermutungen gingen «eben in Richtung USA», die sich genauso wie Deutschland wieder besonders von den islamistischen Terroristen bedroht fühlen.

Grossmutter hat Sprengsatz gebaut

Dem ZDF zufolge hat eine 80-jährige Amerikanerin die Bombenattrappe zusammengebaut. Das sagte der Inhaber einer kleinen Sicherheitsfirma den US-Ermittlungsbehörden. Nach Angaben von Larry Copello sei der Sprengsatz-Dummy vor vier bis fünf Jahren hergestellt und von seiner Grossmutter verdrahtet worden. Das Familienunternehmen aus Kalifornien biete Produkte an, mit denen die Aufmerksamkeit von Sicherheitspersonal an Flughäfen und öffentlichen Einrichtungen getestet werde.

Copello machte seine Aussage eigenen Angaben zufolge am Donnerstag gegen 12.30 Uhr Ortszeit in Kalifornien (21.30 Uhr deutscher Zeit), also lange nach der Entdeckung des verrmeintlichen Sprengsatzes, auf dem ein Etikett mit seinem Namen und seiner Telefonnummer angebracht war. Deutsche Behörden wurden danach von US-Ermittlern über die Erkenntnisse unterrichtet.

Nach dem 11. September 2001 habe seine Firma hunderte von Sicherheitstestgeräten, darunter solche falschen Bomben hergestellt, sagte Copello. Hauptabnehmer waren amerikanische Behörden.

Andere Quellen gehen wiederum davon aus, dass der Test mit einer Bombenattrappe am Flughafen von Windhuk nach Angaben der Fluggesellschaft Air Namibia von der namibischen Polizei initiiert worden sei. Nähere Einzelheiten nannte der Sprecher am Freitag nicht.

«Sehr peinlich»

Als «sehr peinlich» wird von Sicherheitsexperten empfunden, dass die Berliner Politiker den Bomben-Dummy zunächst längere Zeit medienwirksam als akute Bedrohung verkauft haben. Es wird der Vorwurf erhoben, dass das Innenministerium und die deutschen Sicherheitsbehörden nicht in der Lage gewesen seien, die Folgen dieses «Irrtums» richtig einzuschätzen. «Das hätte so nicht passieren dürfen», sagte ein Innenexperte der Nachrichtenagentur dapd.

Es gibt in Deutschland eine geheime Anweisung, dass regelmässig jeweils auf verschiedenen Flughäfen die Kontrollanlagen von Versuchspersonen getestet werden müssen. Als gewöhnliche Flugpassagiere getarnt, werden diese Personen mit einer versteckten Pistole, einem Messer oder anderen gefährlichen Gegenständen ausgestattet. Die Szene wird verdeckt von Sicherheitsleuten beobachtet. Kann die Versuchsperson ungehindert die Schleuse passieren, «dann ist was los», versicherte ein Experte. «Aber wir können auf diese Weise Rückschlüsse ziehen, wie wir für eine möglichst absolute Sicherheit sorgen können», betonte er.

Gravierende Probleme

Da sich die Kontrollen für die Luftfracht als «sehr unwirksam» erwiesen hätten, «muss jetzt auf zunächst unkonventionelle Weise versucht werden, wie wir die gravierenden Probleme in den Griff bekommen», war aus Sicherheitskreisen zu hören. Dazu habe offensichtlich auch das «Unternehmen Windhuk» gehört. Es stehe jedoch fest, dass deutsche Sicherheitsbehörden nicht an diesem Versuch beteiligt waren. Das wäre «sonst ein Skandal».

Es gehört nach den dapd-Informationen zu den internationalen Gepflogenheiten, dass sich zum Beispiel deutsche Sicherheitsbehörden mit ausländischen Partnern absprechen, um auf einem nichtdeutschen Flughafen Sicherheitskontrollen durchführen zu können. «Das ist Usus», erläuterte ein Kontrollfachmann. Das müsse aber genau «abgesprochen und durch die jeweilige Regierung genehmigt werden». Daran würden sich die deutschen Sicherheitsbehörden strikt halten.

«X-Ray Test Object»

Auf der Attrappe soll die Aufschrift gestanden haben: «X-Ray Test Object - non-hazardous» (Röntgen-Testobjekt - ungefährlich). Die Nachbildung des Sprengsatzes soll sich in dem Gepäckstück von der Grösse eines Laptops befunden haben. Beim Durchleuchten wurden Batterien gefunden, die über Kabel mit einem Zünder und einer laufenden Uhr verbunden waren. Das sei die «ähnliche Machart» der Paketbomben aus dem Jemen gewesen, berichtete ein Geheimdienstler. Eine Bombe war vom Jemen auf dem Weg in die USA und sollte offensichtlich über dem Osten der Vereinigten Staaten explodieren. Das habe die Vermutung aufkommen lassen, dass ein US-Dienst in Windhuk die Finger im Spiel gehabt hat, um zu sehen, «wie und was möglicherweise von Islamisten wieder unternommen werden könnte», meinte ein Sicherheitsexperte.

dapd/ske

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