Wie der Hund von Lucky Luke

Cyril Nauth soll beweisen, dass der Front National regieren kann.

Franzosen kommen für ihn zuerst: Cyril Nauth ist Bürgermeister von Mantes-la-Ville.

Franzosen kommen für ihn zuerst: Cyril Nauth ist Bürgermeister von Mantes-la-Ville.

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Die Solidaritätswelle für die Flüchtlinge hat Frankreich erreicht. Ganz Frankreich? Nein! Ein paar umbeugsame Bürgermeister lehnen es ab, dass ihre Dörfer und Städte verfolgte Familien aufnehmen. Zum Beispiel Cyril Nauth in Mantes-la-Ville, 50 Kilometer westlich von Paris. Er sagte der Zeitung «Le Parisien» rundheraus, für ihn kämen Franzosen zuerst. Viele seiner Mitbürger seien «in einer katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Situation». Zudem handle es sich hier nur um eine «angeblich» dringliche Frage.

Man hört es seiner Rhetorik an: Nauth ist ein Mann des Front National. Zusammen mit zehn Parteifreunden hat er vor 18 Monaten die ersten französischen Rathäuser für seine Partei erobert. Mit den errungenen Mandaten will der Front National jetzt beweisen, dass er nicht nur eine Protestpartei ist, sondern mindestens auf lokaler Ebene verantwortungsbewusst verwalten kann.

Mehr sichere Arbeitsplätze

Damit gehört der 33-jährige Bürgermeister zentral zum Projekt von Marine Le Pen, ihre Partei wenn nicht salon-, dann wenigstens regierungsfähig zu machen. Darum steht der vormalige Lehrer unter besonderer Beobachtung: Das britische Elitewochenblatt «Economist» hat Nauth eine Seite gewidmet.

Bevor Nauth kam, wurden die 20'000 Einwohner von Mantes-la-Ville von Sozialisten und Kommunisten regiert. Das Arbeiterstädtchen leidet unter der Deindustrialisierung. Das Cellophan, das hier einst hergestellt wurde, hat seine Bedeutung als Verpackungsmaterial eingebüsst. Die weltbekannten Klarinetten- und Saxofonhersteller Buffet Crampon und Selmer Company sind zwar der Stolz der Gemeinde. Aber es bräuchte mehr sichere Arbeitsplätze in der Gegend.

Nauth nutzt seine eng begrenzte Macht für provokative Entscheide. Mit der Begründung, sparsam mit den Steuergeldern umgehen zu wollen, kürzte er die Subventionen für einen lokalen Fussballverein, der auf seine Multikulturalität stolz ist. In der aufgeladenen Stimmung noch explosiver wirkt sein Widerstand gegen die Umwandlung eines Verwaltungsgebäudes der Gemeinde in eine Moschee. «Die Leute haben Verständnis für das Bedürfnis nach einem religiösen Versammlungsraum», sagt Nauth. Aber die Nähe zum christlichen Gemeindefriedhof sei «verstörend».

Für den Fussballclub setzt sich der Sportminister persönlich ein. Die delikate Sache mit der Moschee muss von Gerichten entschieden werden. Pierre Bédier, der Präsident des Departements, in dem Mantes-la-Ville liegt, reagiert sarkastisch: «Cyril Nauth erinnert mich an Rantanplan, den Hund von Lucky Luke, der immer alles falsch versteht».

Das tönt nicht nach regierungsfähig. Anderseits: Bédier ist ein Parteigänger von Nicolas Sarkozy. Und der hat grösstes Interesse, dem Front National Wähler für seine eigenen Regierungsambitionen abspenstig zu machen.

Erstellt: 14.09.2015, 17:23 Uhr

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