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«Wir müssen dieses Verbrechen beenden»

Der Bürgermeister von Lesbos schlug vor, Flüchtlinge in Fähren über die Ägäis zu bringen. Die griechische Regierung will davon nichts wissen.

Knapp dem Tod entronnen: Ein Schlauchboot mit Flüchtlingen erreicht die Nordküste der griechischen Insel Lesbos. (31. Oktober 2015)
Knapp dem Tod entronnen: Ein Schlauchboot mit Flüchtlingen erreicht die Nordküste der griechischen Insel Lesbos. (31. Oktober 2015)
Marko Drobnjakovic, Keystone

Die Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge im östlichen Mittelmeer steigt täglich. Der Bürgermeister von Lesbos hat einen unkonventionellen Vorschlag gemacht: Flüchtlinge sollen mit Fähren direkt und sicher aus der Türkei nach Griechenland gebracht werden. So könne vermieden werden, dass sie die gefährliche Überfahrt mit morschen Kähnen oder Schlauchbooten wagen, sagte Spyros Galinos am Samstag. «Wir müssen dieses Verbrechen beenden», sagte Galinos der Zeitung «Kathimerini». Die Leichenhallen auf Lesbos seien voll mit Opfern.

Auch die Regionalgouverneurin der Inseln der Nordägäis rief Tsipras' Regierung dazu auf, die Öffnung der Landesgrenze zur Türkei zu erwägen. Jugendorganisationen und Bürgerinitiativen forderten, den Grenzabschnitt entlang des Flusses Evros (türkisch: Meriç) zu öffnen.

Regierung lehnt ab

Die Regierung in Athen lehnte die Vorschläge trotz steigender Opferzahlen ab. Die Landesgrenze zur Türkei für Flüchtlinge zu öffnen sei «in dieser Phase aus technischen Gründen nicht möglich», sagte der für Migration zuständige Vize-Minister Ioannis Mouzalas der Athener Zeitung «To Vima» am Sonntag.

Sicherheitsexperten in Athen gehen davon aus, dass eine Öffnung der rund 200 Kilometer langen Landesgrenze zur Türkei zu einem noch stärkeren Flüchtlingsandrang in Richtung Westeuropa über die Balkanroute führen würde. «Und das will ja keine Regierung in Westeuropa», sagte ein Offizier der griechischen Küstenwache der dpa.

Griechenlands linker Regierungschef Alexis Tsipras wolle nun alle Behörden, Organisationen und die Kirche des Landes mobilisieren, damit den Flüchtlingen geholfen werde, berichteten griechische Zeitungen am Wochenende. Tsipras wolle in die Türkei reisen, um das gemeinsame Vorgehen zu koordinieren.

Wieder Flüchtlingsboote gekentert

Die Lage in der Ägäis bleibt derweil dramatisch: Seit Freitag sind rund 60 Migranten ums Leben gekommen, unter ihnen 31 Kinder. Bei einem Bootsunglück vor der griechischen Insel Samos starben am Sonntag insgesamt elf Flüchtlinge, unter ihnen sechs Kinder, wie das griechische Staatsfernsehen berichtete. Zwei Migranten ertranken bei einem anderen Unglück vor der kleinen Insel Farmakonisi.

Während der ersten zehn Monate dieses Jahres sind laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits über 3300 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken, mehr als im gesamten Vorjahr (3279 Tote). Demnach erreichten 724'228 Menschen Europa über das Mittelmeer.

Andrang auf Balkanroute ungebremst

Auch auf der sogenannten Balkanroute bleibt der Flüchtlingsandrang ungebremst. In Kroatien kamen nach Angaben des Innenministeriums am Sonntag wieder Tausende Menschen an. Seit der Grenzschliessung Ungarns Mitte September seien knapp 300'000 Migranten in Richtung Norden weitertransportiert worden. Die slowenischen Behörden berichteten von rund 8000 Neuankömmlingen allein am Samstag.

Auch in Österreich warteten am Sonntag wieder mehrere Tausend Flüchtlinge auf den Weitertransport Richtung Deutschland. An der Sammelstelle in Spielfeld an der Grenze zu Slowenien zählten die Behörden etwa 2300 Menschen.

Busse und Züge sollten sie zunächst nach Linz und Wels in Oberösterreich bringen. Im Laufe des Tages wurde darüber hinaus mit Tausenden zusätzlichen Migranten gerechnet.

Österreich macht Druck

Österreich macht deswegen Druck auf andere EU-Staaten. «Ich wünsche mir definitiv, dass wir in Europa, vor allem auch Deutschland, die Dinge endlich beim Namen nennen und klipp und klar sagen: Es braucht ein Ende der Einladungspolitik», sagte Österreichs Aussenminister Sebastion Kurz der in Wien erscheinenden «Kleinen Zeitung» (Sonntag). «Wir sind überfordert, es kommen einfach zu viele Menschen.»

SDA/chi

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