«Ich wusste nicht, dass es ein Foto von James Foley war»

Marine Le Pen sorgte mit der Veröffentlichung eines Fotos, das den geköpften James Foley zeigt, für Entrüstung. Jetzt hat sie das Bild von ihrer Twitter-Seite gelöscht.

Gegen sie laufen Ermittlungen wegen der «Verbreitung von Gewaltbildern»: Marine Le Pen. (15. Dezember 2015)

Gegen sie laufen Ermittlungen wegen der «Verbreitung von Gewaltbildern»: Marine Le Pen. (15. Dezember 2015) Bild: Patrick Seeger/Keystone

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Nach einem Sturm der Entrüstung hat die rechtsextreme französische Politikerin Marine Le Pen ein Foto des von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ermordeten US-Journalisten James Foley von ihrer Twitter-Seite gelöscht. «Ich wusste nicht, dass es ein Foto von James Foley war», sagte Le Pen der Nachrichtenagentur AFP. «Es ist über Google jedem zugänglich. Ich habe heute Morgen erfahren, dass seine Familie von mir verlangt, es zu löschen.» Zwei andere Fotos mit IS-Opfern löschte Le Pen aber zunächst nicht.

Le Pen hatte am Mittwoch drei Bilder von Gewalttaten des IS auf Twitter veröffentlicht. Ein Bild zeigte Foleys enthaupteten Leichnam mitsamt dem abgetrennten, blutverschmierten Kopf, ein zweites einen in Brand gesetzten Gefangenen in einem Käfig, ein drittes einen Mann, der von einem Panzer überfahren wird. Die Fotos versah die Front-National-Chefin mit dem Satz: «DAS ist der IS.» Le Pen reagierte damit auf einen Journalisten, dem sie vorwarf, eine Parallele zwischen ihrer Partei und der IS-Miliz gezogen zu haben.

«Wir sind zutiefst schockiert»

Die Eltern von James Foley zeigten sich empört. «Wir sind zutiefst schockiert über den Gebrauch, der von Jim zum politischen Nutzen von Le Pen gemacht wird, und hoffen, dass das Foto unseres Sohnes, sowie zwei weitere explizite Bilder umgehend zurückgezogen werden», erklärten John und Diane Foley. Die Taten von Le Pen widersprächen allem, wofür ihr Sohn gestanden habe. Auch Premierminister Manuel Valls verurteilte die Veröffentlichung der Fotos scharf. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen der «Verbreitung von Gewaltbildern» ein.

Der Journalist James Foley war im November 2012 im Norden Syriens entführt worden und im August 2014 von IS-Kämpfern ermordet worden. Das Video der Tat hatte weltweit für Empörung gesorgt. (woz/chk/AFP)

Erstellt: 17.12.2015, 06:15 Uhr

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