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Wir verkaufen deinen Mops auf Ebay

Eine deutsche Stadtverwaltung hat einer verschuldeten Frau den Hund weggenommen und ihn im Internet angeboten.

«Süsse Mopsdame mit Stammbaum zu verkaufen»: Mops Edda wurde von der Stadt Ahlen auf Ebay verkauft.
«Süsse Mopsdame mit Stammbaum zu verkaufen»: Mops Edda wurde von der Stadt Ahlen auf Ebay verkauft.

Die Welt ist schlecht. Um die Schulden einer Frau einzutreiben, hat die deutsche Kleinstadt Ahlen ihren Mops gepfändet und auf Ebay verkauft. Dies berichtete erst die Lokalzeitung «Ahlener Tageblatt», mittlerweile recherchieren «Spiegel», «Welt» und «Frankfurter Allgemeine Zeitung».

Die frühere Hundebesitzerin erzählte der Lokalzeitung ihre Sicht der Dinge. Ja, sie habe Schulden, unter anderem habe sie die Hundesteuer nicht bezahlt. Im November seien deshalb eine Gerichtsvollzieherin und zwei Mitarbeiter der Stadt vor der Tür gestanden, mit Durchsuchungsbeschluss. Erst hätten sie den Rollstuhl des Ehemannes mitnehmen wollen, doch der sei nur geliehen. Dann entschieden sie sich für Edda, den Familienhund, eine Mopsdame. «Der Hund habe den höchsten Wert, wurde mir gesagt», so die Frau im «Tageblatt». Am Samichlaustag wurde Edda abgeholt, vor den Augen der Kinder. Die Familie vermisse den Hund schmerzlich.

Neue Besitzerin verklagt Stadt

Noch im Dezember stiess eine Polizistin aus Wülfrath im Rheinland auf eine Annonce bei Ebay-Kleinanzeigen: «Süsse Mopsdame mit Stammbaum zu verkaufen! Nicht kastriert!» Verhandlungspreis 750 Euro, das Tier sei kerngesund. Verkauft werde von einem Privatanbieter, stand da,sein Vorname wurde genannt. Als die mopsinteressierte Polizistin die angegebene Nummer wählte, landete sie bei der Stadtverwaltung Ahlen. Verkäufer war der Mitarbeiter, der den Hund im Auftrag der Stadt gepfändet hatte. Am Telefon habe er erklärt, Edda sei der früheren Besitzerin wegen Schulden weggenommen worden, erzählt die Polizistin dem «Tageblatt». Auf ihre Nachfrage, ob die Stadt wirklich Haustiere pfände, habe es geheissen: Alles rechtens. Die Polizistin kaufte den Hund, 690 Euro.

Diese Woche hat sie Klage beim Amtsgericht Ahlen eingereicht. Denn die im Internet erstandene Lebendware war, anders als beschrieben, nicht gesund. Wegen einer «massiven Augenverletzung» habe Edda eine Notoperation in der Tierklinik Duisburg gebraucht, inzwischen sei sie viermal operiert worden. Die Kosten für diese medizinischen Behandlungen von 1800 Euro fordert die Polizistin nun von der Stadt zurück, ebenso den Kaufpreis.

Keine Seltenheit

Der Stadt sind die vielen Presseberichte unangenehm. Ahlens Bürgermeister Alexander Berger (CDU) teilte mit, den Vorfall aufklären zu wollen. Er räumte ein, die Verwendung eines privaten Ebay-Kontos für den Hundeverkauf sei wohl nicht korrekt gewesen. Das Geld sei aber in die Stadtkasse geflossen. Per Dienstanweisung will der Bürgermeister dafür sorgen, dass sich ähnliche Fehler nicht wiederholen.

Dass Haustiere über Ebay-Kleinanzeigen verkauft werden, ist nicht selten, es gibt da eine eigene Rubrik. Problematischer ist die Pfändung. Eine Sprecherin des Innenministeriums Rheinland-Westfalen sagte der «Rheinischen Post»: «Um Geldforderungen einzutreiben, können zwar auch Tiere gepfändet werden, Haustiere jedoch grundsätzlich nicht.» Die Stadt bietet an, Pfändung und Verkauf rückabzuwickeln, wenn Vorbesitzerin und neue Halterin dies wünschten. Die Polizistin behauptet, beide Seiten wollten das nicht: «Der Hund bleibt bei mir.» Die frühere Besitzerin hat Angst vor Kosten. Und Edda? Die heisst jetzt Wilma. Und sagt nichts.

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