Wo Emmanuel Macron recht hat

Auf ewige Zeiten sollten sich die Europäer im Bündnis nicht auf den amerikanischen Schutzschirm verlassen.

Europa muss sich gut überlegen, wie sehr es sich auf die Amerikaner verlassen will. Der französische Präsident tut gut daran, dies deutlich zu machen. Foto: Dan Kitwood (Getty Images)

Europa muss sich gut überlegen, wie sehr es sich auf die Amerikaner verlassen will. Der französische Präsident tut gut daran, dies deutlich zu machen. Foto: Dan Kitwood (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vergleiche oder Metaphern sind immer ein Risiko. Die Nato ist nicht hirntot, wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gesagt hat. Die Militärallianz hat sich anlässlich des Treffens zum 70-Jahr-Jubiläum in London durchaus lebendig gezeigt. Es wird gestritten und ausgeteilt. Und am Ende hat man sich, wie so oft in der Geschichte der Allianz, ­zusammengerauft.

Die Anleihe aus der Medizinsprache war falsch. Aber Emmanuel Macron hat trotzdem recht, wenn er aufrütteln will. Der Weckruf richtet sich an die europäischen Verbündeten. Noch ist der amerikanische Schutzschirm aufgespannt, und die Nato-Partner haben die Beistandspflicht bekräftigt. Doch das kann sich rasch ändern. Vor allem wenn Donald Trump im nächsten Jahr für eine zweite Amtszeit gewählt werden sollte.

Schon heute können sich die Europäer nicht mehr darauf verlassen, dass die USA auf alle Zeiten die Probleme in ihrer Nachbarschaft regeln. Ob es um Syrien, das zerrissene Libyen oder die Sahelzone geht: Die Amerikaner haben sich weitgehend verabschiedet. Nur scheint das im Bewusstsein noch nicht so richtig angekommen zu sein. Es kann eigentlich nicht sein, dass die Europäer 70 Jahre nach der Gründung der Allianz für ihre Sicherheit und Stabilität in ihrer Nachbarschaft auf die USA angewiesen sind.

Im Sahel, Rückzugsgebiet für ­Islamisten, Menschenschmuggler und ­Drogenhändler, kämpfen und sterben französische Soldaten meist allein. Das mag Macrons Alarmismus erklären. Die Nato brauchte dringend einen europäischen Pfeiler. Das bedeutet nicht unbedingt mehr Militärausgaben. Es würde schon viel bringen, wenn die Europäer ihre Fähigkeiten besser koordinieren und Doppelspurigkeiten bei den Streitkräften beseitigen würden. Die Europäer müssen die Schieflage im Bündnis mit der einseitigen Abhängigkeit von den USA aus eigenem Interesse beheben. Sonst ist die Nato mit ihrer Beistandspflicht, die in Europa immerhin 70 Jahre Frieden und Prosperität garantiert hat, möglicherweise beim nächsten runden Geburtstag wirklich tot.

Erstellt: 04.12.2019, 21:30 Uhr

Artikel zum Thema

Die Nato wird ihre eigene Feindin

Analyse Vor dem heutigen Gipfel zeigt sich die Militärallianz so orientierungslos wie nie. Die Verbündeten streiten vor allem. Mehr...

Nato warnt vor China

Beim Nato-Treffen in London wird im Abschlusspapier erstmals die Volksrepublik erwähnt – auch wegen dem Mobilfunkstandard 5G. Mehr...

Meilensteine in der 70-jährigen Geschichte der Nato

Die Geschichte des Militärbündnisses war lange vom Kalten Krieg geprägt. Aber erst nach 45 Jahren feuerte es den ersten Schuss ab. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...