Wo es die Polen ab dem 1. Mai hinzieht
Am 1. Mai fallen nicht nur im Schweizer Arbeitsmarkt die Schranken für weitere acht EU-Staaten. Auch in Deutschland steht die Öffnung bevor. Berlin fürchtet sich, aber auch Polen hat ein mulmiges Gefühl.

Die uneingeschränkte Personenfreizügigkeit ab dem 1. Mai gilt neu auch für Personen aus Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenien und der Slowakei. Polnische Gastarbeiter wollen am liebsten nach Deutschland, wie eine Umfrage des Imas-Instituts in Polen, für die 500 Polen ab 18 Jahren telefonisch interviewt wurden, zeigt.
Angst vor Billig-Konkurrenz
Grundsätzlich können sich demnach 18 Prozent der Polen vorstellen, in einem anderen Land der EU Arbeit zu suchen. Als bevorzugtes Ziel nannten 37 Prozent der Wanderungswilligen Deutschland, 14 Prozent gaben Grossbritannien an, 13 Prozent die Niederlande. Es folgen Frankreich, Spanien und Italien.
Dass Deutschland als bevorzugtes Arbeitsland für Polen gilt, löst auf beiden Seiten ein mulmiges Gefühl aus. Während deutsche Arbeitnehmer Billig-Konkurrenz aus dem Osten fürchten, herrscht auf der polnischen Seite Angst vor der Abwanderung der besten Köpfe in den Westen.
Polen verliert Fachkräfte
Bereits nach dem EU-Beitritt 2004 hatte Polen einen empfindlichen Arbeitskräfteverlust erlebt. Damals waren zwei Millionen Polen vor allem nach Grossbritannien und Irland gegangen - Länder, die wie Schweden als erste ihre Märkte für osteuropäische Arbeitskräften öffneten.
Wie viele Arbeitsmigranten aus Polen und anderen Ländern Mittel- und Osteuropas tatsächlich nach Deutschland reisen, weiss niemand genau. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln rechnet mit 800'000 Menschen in den nächsten zwei Jahren.
Keine Massenauswanderung
Bis 2020 dürften es «höchstens» 1,2 Millionen Menschen sein. In den 1990er Jahren seien etwa 3,3 Millionen Menschen eingewandert. Der Chef der deutschen Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, rechnet nur mit bis zu 140'000 Zuwanderern pro Jahr.
«Die Regierungen haben keinen Einfluss auf die Migrationsströme», gab Polens Arbeitsministerin Jolanta Fedak vor kurzem im Parlament zu. Angesichts vieler Fragezeichen bemühen sich Regierungsvertreter und Experten an der Weichsel aber, die Gemüter zu beruhigen.
Eine Massenauswanderung ins westliche Nachbarland werde es nicht geben, lautet der offizielle Standpunkt. Nur eine tiefe Wirtschaftskrise in Polen könne die Ausreisewelle wesentlich verstärken, schätzen polnische Experten.
«Alle schon längst da»
Fachkräfte wählten sowieso eher die USA oder Grossbritannien als Auswanderungsland, meint der Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Plociennik von der Universität Breslau. Für Spitzenkräfte sei Deutschland nicht attraktiv genug.
Zudem gilt zu beachten: «Alle, die kommen wollten, sind schon längst am Rhein», sagt der Chef der polnischen Dienstleistungsbetriebe in Deutschland, Julian Korman. Wer bisher illegal gearbeitet habe, werde nun seinen Status legalisieren.
Seit zwei Jahrzehnten sind polnische Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft und auf deutschen Baustellen tätig. Für IT- Spezialisten, Akademiker und Selbständige ist der deutsche Markt seit Jahren offen.
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