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Wurde Uwe Barschel doch ermordet?

Vor 25 Jahren starb der deutsche Ministerpräsident Uwe Barschel in einem Genfer Hotel. Nun gibt es eine neue Spur – Staatsanwaltschaft und ein ehemaliger Ermittler streiten aber darüber, ob diese brauchbar ist.

Am 12. September 1987 prangerte der «Spiegel» Uwe Barschel, den Ministerpräsidenten von Schleswig Holstein wegen schmutziger Tricks im Kampf gegen einen Konkurrenten an: Hier gibt er am 18. September vor den Medien sein «Ehrenwort», dass die Darstellungen falsch seien.
Am 12. September 1987 prangerte der «Spiegel» Uwe Barschel, den Ministerpräsidenten von Schleswig Holstein wegen schmutziger Tricks im Kampf gegen einen Konkurrenten an: Hier gibt er am 18. September vor den Medien sein «Ehrenwort», dass die Darstellungen falsch seien.
Keystone
Am 2. Oktober 1987 trat Barschel als Ministerpräsident zurück: Bereits am 11. Oktober hält dann ein Polizeiauto vor dem Hotel Beau-Rivage in Genf.
Am 2. Oktober 1987 trat Barschel als Ministerpräsident zurück: Bereits am 11. Oktober hält dann ein Polizeiauto vor dem Hotel Beau-Rivage in Genf.
Keystone
Ein Reporter und ein Fotograf des «Stern» fanden Barschel in der Badewanne und fotografierten ihn: Der Anwalt des deutschen Nachrichtenmagazins «Stern» an der Gerichtsverhandlung zur Barschel-Affäre in Genf.
Ein Reporter und ein Fotograf des «Stern» fanden Barschel in der Badewanne und fotografierten ihn: Der Anwalt des deutschen Nachrichtenmagazins «Stern» an der Gerichtsverhandlung zur Barschel-Affäre in Genf.
Keystone
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Fast ein Vierteljahrhundert nach dem mysteriösen Tod des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel erhitzt der Fall wieder die Gemüter. Der ehemalige Chefermittler Heinrich Wille sieht nach dem Auftauchen neuer Genspuren den Mordverdacht erhärtet und fordert deren Abgleich mit der Datenbank für genetische Fingerabdrücke des Bundeskriminalamtes. Laut der zuständigen Lübecker Staatsanwaltschaft ist dies aufgrund des rudimentären Zustands der DNA jedoch nicht möglich.

«Es ist nicht möglich, diese Fremd-DNA, die man gefunden hat, als Daten in diese Datenbank einzustellen, weil sie einfach zu schwach sind», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ralf Peter Anders, am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Technisch bringe ein Abgleich deshalb nichts. Das Erbmaterial sei nicht mehr vollständig erhalten, was nach der langen Zeit völlig normal sei. Die Anklagebehörde stützt sich dabei auf ein Gutachten des schleswig-holsteinischen Landeskriminalamtes.

Keine Tatverdächtigen

Laut Anders wäre es aber durchaus möglich, beispielsweise Speichelproben mit den rudimentären Daten abzugleichen. Allerdings gebe es weiterhin keine Tatverdächtigen. Für eine denkbare Reihenuntersuchung einer Gruppe von Personen seien bestimmte, auf den Täter vermutlich zutreffende Prüfungsmerkmale notwendig, die das Ganze fundiert eingrenzten. Er fügte hinzu: «Das habe ich bei diesem Wust an Verschwörungstheorien überhaupt nicht.»

«Es ist nicht so, dass wir nicht wollen. Die Strafprozessordnung lässt es nicht zu. Wir können hier nicht weiterermitteln», sagte Anders.

Rückenwind verspürt durch den Fund dagegen Wille. «Für mich ist die Spur eines Fremden eine Bestätigung unserer damaligen Ermittlungen, wonach Uwe Barschel in der Todesnacht nicht allein in seinem Hotelzimmer war», sagte er der Zeitung «Die Welt». Der Abgleich der Daten sein «einen Versuch wert, zumal sich für mich der Anfangsverdacht auf Mord im Laufe der Ermittlungen erhärtet hat».

Tod unter ungeklärten Umständen

Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident wurde am 11. Oktober 1987 tot in der Badewanne seines Zimmers 317 im Genfer Hotel «Beau-Rivage» aufgefunden. Der CDU-Politiker starb an einer Medikamentenvergiftung. Bis heute rätseln Ermittler, ob er Suizid beging oder ermordet wurde.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Spezialisten des Landeskriminalamtes Kiel an der Kleidung Barschels die DNA eines Unbekannten sichergestellt hat. Experten des Kieler Landeskriminalamts hätten auf Socken, Krawatte und der Strickjacke von Barschel Rückstände sichergestellt, bestätigte der frühere schleswig-holsteinische CDU-Landtagsabgeordnete Werner Kalinka, der im Herbst 2010 die genauere Untersuchung angeregt hatte.

Zahlreiche Beweisstücke, die 1987 von den Ermittlern am Fundort der Leiche Barschels sichergestellt und kriminaltechnisch untersucht worden waren, lagerten bis 1995 in der Schweiz. Danach wurden die Gegenstände der Staatsanwaltschaft in Lübeck übergeben.

Im Zuge der neuen Begutachtung wurde 2011 öffentlich, dass ein auf dem Hotelbett Barschels sichergestelltes Haar aus der Lübecker Asservatenkammer verschwunden war und somit nicht mehr untersucht werden konnte.

dapd/mw

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