Zurück zur Weltmacht

Erstaunlich ist der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei nicht. Offen ist nur, ob Putin seinen harten Worten Taten folgen lässt. Denn er hat ein Ziel.

Seinem Plan könnte er sogar seine Wut über die Türkei unterordnen: Der russische Präsident Wladimir Putin. (10. November 2015)

Seinem Plan könnte er sogar seine Wut über die Türkei unterordnen: Der russische Präsident Wladimir Putin. (10. November 2015) Bild: Alexei Druzhinin/Keystone

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«Ein Stoss in den Rücken», blendete das russische Fernsehen als Slogan über die Berichterstattung zum Abschuss des russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe ein. Mit diesen Worten hatte Wladimir Putin den Beschuss kommentiert. Der russische Präsident war wütend, drohte mit Konsequenzen, schimpfte die Türken Terroristenfreunde und die Nato unfähig. Russland, so die Botschaft, ist der einzig wahre Kämpfer gegen den Terror.

Erstaunlich ist der Zwischenfall nicht. Es war nicht das erste Mal, dass russische Flugzeuge der Grenze zur Türkei zu nahe kamen oder sie gar verletzten. Unklar ist nur, warum diesmal geschossen wurde, während es bisher bei Warnungen und Protesten geblieben war. Erstaunlich ist auch nicht, dass Putin erzürnt ist über den Abschuss und den mutmasslichen Tod der Piloten. Das schuldet er seinem patriotischen Kalkül und den Gefühlen seines Volkes.

Ob den harten Worten ebenso harte Taten folgen, ist offen. Putin hatte die letzten Wochen leisere Töne angeschlagen als üblich. Selbst die Reaktion auf den feigen Anschlag auf das russische Passagierflugzeug über dem Sinai, bei dem 224 Menschen starben, war letztlich moderat. Der Grund dafür ist, dass Putin die einmalige Chance sieht, in die Antiterrorkoalition aufgenommen zu werden und in die Weltgemeinschaft zurückzukehren. Diesem Ziel könnte er sogar seine Wut über die Türkei unterordnen.

Putin will diese Koalition nicht nur wegen Syrien und nicht nur wegen des Streits um die Ukraine. Denn sein Ziel ist nicht eine Partnerschaft mit dem Westen, sondern eine neue Weltordnung, in der Russland und den USA wieder die Führung zukommt. Der russische Präsident vergleicht den heutigen Kampf gegen den Terror mit der Koalition gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg. Er lobt die Konferenz von Jalta von 1945, deren eigentliches Ergebnis in seinen Augen die Schaffung sowjetischer und amerikanischer Einflusszonen war. Den Europäern mag es noch so absurd erscheinen, doch Wladimir Putin ist fest davon überzeugt, dass nur die alte bipolare Ordnung der Welt die Stabilität zurückbringen kann.

Erstellt: 24.11.2015, 20:27 Uhr

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