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Zusammenhalt zusammengebrochen

Ist mit 2017 das Schicksalsjahr für die Türkei angebrochen?

Niemand werde sein Land in die Knie zwingen, versichert der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach den neuen Terroranschlägen. Aber die Ersten gehen schon zu Boden. In der Metropole Istanbul wurde ein Mann krankenhausreif geschlagen, den die Angreifer fälschlicherweise für den Attentäter aus der Silvesternacht hielten. Der Modedesigner und Schwulenaktivist Barbaros Sansal bekommt auf dem Istanbuler Flughafen Prügel von Nationalisten und Islamisten, weil er in seiner Verbitterung über die Türkei hergezogen hatte. Die Terroristen haben viel mehr erreicht, als Erdogan eingestehen mag: Angst und heisse Wut regieren in der Türkei.

Es gab die Hoffnung, dass das Land unter Führung von Erdogans islamisch-konservativer AKP Vorbild für die arabische Welt sein könnte. Das funktionierte allenfalls in den ersten Jahren. Spätestens seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli kann davon keine Rede mehr sein, als Erdogan die Debatte über die Wiedereinführung der Todesstrafe zuliess und der Rechtsstaat ausgehöhlt wurde. Fast täglich wird die Meinungsfreiheit eingeschränkt, rund 180 Medienhäuser wurden inzwischen geschlossen, Regierungskritiker werden willkürlich verhaftet. Den Zusammenhalt in der Bevölkerung, den Erdogan beschwört, gibt es nicht.

Ärger, Druck und Gewalt spürt die Türkei heute von allen Seiten. Gleichzeitig dürfte sich das Land noch nie so auf sich allein gestellt gefühlt haben. Ankara sieht sich in Vertrauenskrisen mit den Vereinigten Staaten und mit Europa und dient sich lieber Russland an. Womöglich könnte mit 2017 das Schicksalsjahr für die Türkei angebrochen sein.

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