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Zweifelhafter Aufklärer

Wikileaks-Gründer Julian Assange ist kein Heiliger. Aber er hat grosse Verdienste.

MeinungGunnar Herrmann
Verhaftet: Julian Assange wird in einem Wagen der britischen Polizei zum Westminster Magistrates Court in London gebracht. (11. April 2019)
Verhaftet: Julian Assange wird in einem Wagen der britischen Polizei zum Westminster Magistrates Court in London gebracht. (11. April 2019)
Henry Nicholls, Reuters
Der Moment der Verhaftung: Mehrere Beamte zerren den Wikileaks-Gründer aus der Botschaft. (11. April 2019)
Der Moment der Verhaftung: Mehrere Beamte zerren den Wikileaks-Gründer aus der Botschaft. (11. April 2019)
Screenshot: Russia Today
Selbst gewähltes Exil: Assange hatte sich seit 2012 in der Botschaft Ecuadors in London versteckt.
Selbst gewähltes Exil: Assange hatte sich seit 2012 in der Botschaft Ecuadors in London versteckt.
Justin Tallis, AFP
Die Anklage wurde 2017 fallen gelassen: Als Assange in die diplomatische Vertretung flüchtete, lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor.
Die Anklage wurde 2017 fallen gelassen: Als Assange in die diplomatische Vertretung flüchtete, lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor.
Facundo, Keystone
War trotzdem kein freier Mann: Scotland Yard kündigte 2017 an, den Enthüllungsaktivisten festzunehmen, sobald er die Botschaft verlasse.
War trotzdem kein freier Mann: Scotland Yard kündigte 2017 an, den Enthüllungsaktivisten festzunehmen, sobald er die Botschaft verlasse.
Jack Taylor, AFP
Zeigte sich auf Social Media mit der Flagge auf der Brust: Anfang 2018 erhielt Assange die Staatsbürgerschaft Ecuadors.
Zeigte sich auf Social Media mit der Flagge auf der Brust: Anfang 2018 erhielt Assange die Staatsbürgerschaft Ecuadors.
Twitter
Der Präsident persönlich verkündete es in einem Video: Die Regierung Ecuadors entzog Assange am 11. April offiziell das diplomatische Asyl.
Der Präsident persönlich verkündete es in einem Video: Die Regierung Ecuadors entzog Assange am 11. April offiziell das diplomatische Asyl.
Adrian Dennis, AFP
Er habe «gegen Regeln verstossen»: Grund für den Asylentzug war offenbar die Veröffentlichung sensibler Dokumente durch Wikileaks, die das Umfeld des ecuadorianischen Präsidenten in einem Schmiergeldskandal belasten.
Er habe «gegen Regeln verstossen»: Grund für den Asylentzug war offenbar die Veröffentlichung sensibler Dokumente durch Wikileaks, die das Umfeld des ecuadorianischen Präsidenten in einem Schmiergeldskandal belasten.
Matt Dunham, AFP
Wollten ihn loswerden: Die britische Polizei teilte mit, der Botschafter habe sie in die Botschaft «eingeladen».
Wollten ihn loswerden: Die britische Polizei teilte mit, der Botschafter habe sie in die Botschaft «eingeladen».
Peter Nicholls, Reuters
Sie wussten, dass etwas passiert: Medienvertreter aus der ganzen Welt warten seit Tagen vor der Botschaft Equadors auf Assange.
Sie wussten, dass etwas passiert: Medienvertreter aus der ganzen Welt warten seit Tagen vor der Botschaft Equadors auf Assange.
Peter Nicholls, Reuters
Berufen sich auf die Medienfreiheit: Unterstützer von Julian Assange kritisieren die Verhaftung scharf und fordern seine Freilassung.
Berufen sich auf die Medienfreiheit: Unterstützer von Julian Assange kritisieren die Verhaftung scharf und fordern seine Freilassung.
Daniel Tapia, Reuters
Befürchtete immer die Auslieferung: Die britische Polizei bestätigte, dass die Verhaftung von Assange aufgrund eines Haftbefehls aus den USA erfolgt ist.
Befürchtete immer die Auslieferung: Die britische Polizei bestätigte, dass die Verhaftung von Assange aufgrund eines Haftbefehls aus den USA erfolgt ist.
Kerim Okten, Keystone
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Julian Assange ist für manche ein Ritter, der mutig gegen Finsterlinge kämpft. Für andere ist er ein manipulativer Informationsdieb, der Unschuldige gefährdet. Zwischen diesen Extremen bewegt sich seit Jahren die Debatte um seine Person, die nun von der Verhaftung des 47-Jährigen neu angefacht wird.

Unbestreitbar ist: Die vom gebürtigen Australier gegründete Organisation Wikileaks hat in der Vergangenheit Missstände und Verbrechen aufgedeckt. Wikileaks hat wiederholt interne Dokumente der US-Armee und von anderen Behörden veröffentlicht, unter anderem zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Die Welt wurde mit der dadurch geschaffenen Transparenz ein Stück sicherer. Unbestreitbar ist aber auch: Julian Assanges Verhalten war zuweilen grenzwertig, ja zweifelhaft.

Die Affäre, die zu Ermittlungen wegen Sexualstraftaten in Schweden führte, könnte man als privat werten, auch ist Assanges Schuld nicht festgestellt. Dass er ins Botschaftsexil floh und dabei Bewährungsauflagen verletzte, wiegt juristisch im Moment schwerer. Zudem: Nicht alles, was er publiziert, genügt den Ansprüchen, die man an heldenhafte Aufklärer stellt; mitunter handelte es sich eher um Verschwörungstheorien.

Die Vereinigten Staaten werfen ihm vor, er habe Behördenrechner geknackt. Damit hätte er die Grenzen journalistischer Recherche überschritten und eine Straftat begangen, für die fünf Jahre Haft drohen. Man darf ihm einen milden Richter wünschen, der berücksichtigt, dass Assanges Intention – Aufklärung von Schwerverbrechen – gut war.

Wer kein Ritter ist, muss nicht unbedingt Schurke sein.

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