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Zyprische Wiedervereinigungsgespräche vor Aus

Bei der Präsidentenwahl im türkischen Teil Zyperns zeichnet sich ein Sieg des Nationalisten Dervis Eroglu ab. Der Friedensprozess ist am Scheideweg.

Auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern ist am Sonntag ein neuer Präsident des türkischen Nordens gewählt worden. Der politische Hardliner Dervis Eroglu ging dabei nach vorläufigen Ergebnissen knapp als Sieger hervor. Nach den am Sonntagabend veröffentlichten Teilergebnissen, die auf rund 98,5 Prozent der ausgezählten Stimmen basierten, lag Eroglu mit 50,3 Prozent vor Amtsinhaber Mehmet Ali Talat, der auf 42,8 Prozent kam.

Sollte der bisherige Regierungschef Eroglu auch nach dem amtlichen Endergebnis die absolute Mehrheit errungen haben, ist keine Stichwahl in einer Woche mehr nötig.

Wegweisende Wahl

Mehr als 164'000 Wahlberechtigte waren aufgerufen, für einen von sieben Kandidaten zu stimmen. Vom Ausgang der Wahl hängt auch der weitere Verlauf der Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei ab.

Der Wahlsieger muss mit den griechischen Zyprern im Süden der Mittelmeerinsel verhandeln, die Zypern in der EU vertreten. Ohne eine Einigung zwischen den beiden Volksgruppen will Süd-Zypern den EU-Beitritt der Türkei blockieren.

Anhänger Eroglus begannen am Abend bereits mit Siegesfeiern, noch bevor ein Wahlsieg amtlich bestätigt wurde. Es waren noch 40 Wahlurnen nur aus Gebieten mit starker Unterstützung für Eroglu auszuzählen.

Da Talat mit der griechischen Seite über eine Vereinigung der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel verhandelt, galt die Wahl auch als Entscheidung über den weiteren Friedensprozess.

Talat sucht föderale Lösung

Vor der Wahl sagte Talat, er wolle weiter für eine Lösung des Konflikts verhandeln und verhindern, dass Zypern «in dunkle Zeiten zurückfällt». Er sucht seit September 2008 mit dem Präsidenten der Republik Zypern, Dimitris Christofias, nach einer föderativen Lösung.

Zypern soll in Form einer Bundesrepublik wiedervereinigt werden. Diese soll aus zwei Ländern - dem türkisch-zyprischen im Norden und dem griechisch-zyprischen im Süden - gebildet werden. Die Nationale Einheitspartei von Regierungschef Eroglu hat dagegen eine Zwei- Staaten-Lösung gefordert.

Nur Ankara erkennt die Türkische Republik Nordzypern als Staat an. Europäische Diplomaten befürchten, dass es bei einem Wahlsieg Eroglus zu einem politischen Rückschlag kommen könnte.

Die Türkei hat Eroglu signalisiert, er könne bereits vereinbarte Punkte nicht aufkündigen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte einen Tag vor der Wahl, die Türken auf Zypern würden sich «für die Zukunft» entscheiden. Der Streit um Zypern erschwert der Türkei eine weitere Annäherung an die EU.

ddp/vin

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