Jean-Claude Bastos ist in Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft Angolas hat den umstrittenen Geschäftsmann am Montag festnehmen lassen.

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Der durch die Paradise Papers bekannt gewordene schweizerisch-angolanische Geschäftsmann Jean-Claude Bastos sitzt seit Montag in Angola in Untersuchungshaft. Dies hat die örtliche Staatsanwaltschaft per Communiqué bekannt gemacht. Sie hat Bastos zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner und Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten, José Filomeno dos Santos, festnehmen lassen.

Bastos verwaltete bis Anfang Jahr mit seiner Firmengruppe Quantum Global mit Hauptsitz in Zug den angolanischen Staatsfonds. José Filomeno dos Santos war dessen Chef. Die angolanische Staatsanwaltschaft wirft den beiden diverse Delikte vor, darunter Geldwäscherei, Korruption, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Veruntreuung. Die Staatsanwaltschaft schreibt, sie habe «genügend Indizien» gesammelt, die zeigten, dass die beiden diese Delikte begangen hätten. Wann sich ein Richter mit dem Fall beschäftigen wird, ist nicht bekannt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Eine halbe Milliarde Dollar

Das Datenleck Paradise Papers hatte aufgezeigt, wie sehr Bastos von der Verwaltung des fünf Milliarden Dollar schweren Staatsfonds profitierte. Einerseits kassierte er direkt sehr viel Geld für seine Tätigkeiten. Gemäss einer Zusammenstellung der neuen Staatsfondsführung floss seit 2013 über eine halbe Milliarde Dollar an seine Firmen. Andererseits liess er den Staatsfonds mehrere Hundert Millionen in seine eigenen Projekte investieren, darunter ein Projekt zum Bau eines neuen Handelshafens, in dem SBB-Präsidentin Monika Ribar bis Mitte 2016 mittat.

Ribar hat sich bisher nicht von Bastos oder dem Projekt distanziert. Auch heute beantwortete die SBB-Medienstelle eine Anfrage lediglich allgemein damit, dass Ribar «die aktuelle Entwicklung zur Kenntnis» nehme und sie sich bewusst sei, dass sie «im Lichte der heutigen Diskussion das Gesamtumfeld ihres Mandats kritischer hätte gewichten sollen».

Die Mitteilung zur Verhaftung von Bastos. Foto: zvg

Bastos stritt in früheren Stellungnahmen alle Vorwürfe ab, und stellte sich auf den Standpunkt, dass seine Verwaltungsgebühren marktüblich gewesen seien.

Die Verhaftung kommt für Bastos zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn in den Wochen zuvor hatte er sich in zivilrechtlichen Verfahren in England und Mauritius etwas Luft verschaffen können. Gerichte in diesen beiden Ländern hoben Vermögenssperren auf Bastos-Konten wieder auf, England ganz, Mauritius zumindest teilweise.

In Angola regiert seit rund einem Jahr ein neuer Präsident. Er gehört zwar der gleichen Partei an wie der alte, doch hat er der grassierenden Korruption im Land den Kampf angesagt. Die Inhaftierung von Jean-Claude Bastos und José Filomeno dos Santos kann als Zeichen dafür interpretiert werden, dass er es damit ernst meint.

Zwei Verfahren in der Schweiz

Strafrechtlich laufen derweil auch in der Schweiz zwei weitere Verfahren. Einerseits ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen unbekannt wegen Geldwäscherei im Zusammenhang mit Delikten gegen das Vermögen des angolanischen Staatsfonds und der angolanischen Nationalbank, von der Bastos ebenfalls grosse Mandate erhielt. Die Bundesanwaltschaft hat 210 Millionen Franken eingefroren und 60 Millionen davon bereits nach Angola zurückgegeben. Sie schrieb heute auf Anfrage, sie stehe in ständigem Kontakt mit den angolanischen Behörden und sei über die Verhaftung von Jean-Claude Bastos und José Filomeno dos Santos informiert worden.

Andererseits ermittelt die Eidgenössische Steuerverwaltung wegen Verdachts auf schwere Steuerdelikte gegen Bastos, zwei seiner Quantum-Global-Firmen in Zug, deren Verwaltungsratspräsidenten Thomas Ladner sowie wegen möglicher Gehilfenschaft oder Mitwirkung zur Steuerhinterziehung auch gegen die grosse Beratungsgesellschaft KPMG.

Andere prominente Schweizer Aushängeschilder in Bastos’ Imperium waren unter anderem Alt-Bundesrätin Ruth Metzler, Ex-WEF-Direktor André Schneider, EX-Deza-Direktor Walter Fust oder Martin Neese, Präsident der wichtigen Selbstregulierungsorganisation Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF). Die meisten haben Bastos inzwischen fallen lassen. Gemäss Webseite ist auch das Executive Team von Quantum Global von acht auf drei Personen geschrumpft.

Erstellt: 25.09.2018, 12:23 Uhr

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