Macron eilt zum verschmierten Arc de Triomphe

Frankreich erlebt die schwersten Krawalle seit Jahrzehnten. Die Regierung will nun auf die «Gilets Jaunes» zugehen.

Die Demonstranten haben den Triumphbogen verwüstet. Video: AFP

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Die französische Regierung will nach den schwersten Krawallen seit Jahrzehnten auf die Demonstranten zugehen und nicht den Ausnahmezustand verhängen. Präsident Macron wies den Innenminister an, trotzdem die Sicherheitskräfte auf weitere Proteste vorzubereiten.

Das teilte der Elysée-Palast am Sonntag mit. Der Ministerpräsident solle zudem Gespräche mit den Parteichefs und Vertretern der Protestbewegung aufnehmen. In Emmanuel Macrons Umfeld hiess es, über den Ausnahmezustand sei nicht diskutiert worden. Ein Regierungssprecher hatte zuvor gesagt, es würden alle Optionen geprüft, um erneute Ausschreitungen zu verhindern.

In Paris wurden am Wochenende mehr als 400 Menschen festgenommen; laut dem Justizministerium befanden sich am Sonntagabend noch 372 in Polizeigewahrsam. 133 Menschen wurden verletzt. Beim Protest der so genannten «Gelbwesten» (Gilets Jaunes) in der französischen Hauptstadt werden ganze Strassenzüge verwüstet.

Macron eilte nach seiner Rückkehr vom G-20-Gipfel in Buenos Aires am Sonntag sofort zum Arc de Triomphe in der Pariser Innenstadt. Das Denkmal war von Demonstranten beschädigt und mit Parolen beschmiert worden.

Wegen der Proteste, die sich gegen die Reformpolitik des wirtschaftsliberalen Präsidenten wenden, spüren viele Einzelhändler Einbussen im Weihnachtsgeschäft, auch weil Touristen von der Gewalt abgeschreckt werden.

Regierung gegen Kurskorrektur

An friedliche Demonstranten appellierte die Regierung, sich an den Verhandlungstisch zu setzen. Änderungen an den Vorhaben Macrons wurden allerdings bereits ausgeschlossen. «Die Regierung ist offen für einen Dialog, wird ihren Kurs aber nicht ändern», sagte Sprecher Benjamin Griveaux gegenüber Radio «Europe 1».

Vermummte Personen hatten am Samstag erneut randaliert, zum Teil mit Metallstangen und Äxten. Autos und Gebäude wurden in Brand gesetzt, Geschäfte geplündert. Insgesamt wurden in Paris 10'000 Demonstranten gezählt. Die Proteste richten sich gegen höhere Treibstoffpreise und generell hohe Lebenshaltungskosten.

Einzelnen Randalierern gelang es, in das Pariser Wahrzeichen einzudringen. Dort zerstörten sie eine Marianne-Statue. Marianne ist die Nationalfigur der Französischen Republik. Politiker zeigten sich am Sonntag angewidert von dieser Tat.

Seit Mitte November wird im ganzen Land protestiert – Strassen, Einkaufszentren und Fabriken werden blockiert. Gelbe Westen, wie sie Franzosen im Auto mit sich führen müssen, sind dabei zum Symbol des Widerstandes geworden. Macron will erreichen, dass Autofahrer schneller auf klimafreundlichere Fahrzeuge umsteigen.

Anti-Macron-Parolen

Der seit 18 Monaten amtierende Präsident zeigte sich unter starkem Sicherheitseinsatz am Triumphbogen aus dem 19. Jahrhundert. Dieser wurde mit anti-kapitalistischen Parolen und Forderungen nach einem Rücktritt Macrons beschmiert. Der 40-Jährige sprach mit Polizisten und Feuerwehrleuten. Unter den Verletzten waren 23 Sicherheitskräfte.

Die Polizei hatte am Wochenende Blendgranaten, Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, unter anderem auf dem Prachtboulevard Champs-Elysées und in der Nähe des Louvre-Museums. Unter den Demonstranten in Paris waren nach Angaben der Behörden gewaltbereite Gruppen aus dem extrem linken sowie aus dem rechten Politikspektrum.

Die Gelbwesten liessen in Paris Verwüstung zurück. Nun sind die Aufräumarbeiten angerollt. Video: AFP

Aber auch in anderen Städten wie Nantes im Westen oder Marseille im Süden wurde protestiert. Ein Autofahrer kam bei einem Unfall an einer Strassenblockade der «Gelbwesten» bei Arles im Südosten des Landes ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Es ist der dritte Tote seit Beginn der Proteste.

Hotels und Geschäfte verlieren mitten im wichtigen Weihnachtsgeschäft wegen der Gewalt Millionen. Anwohner der noblen Stadtteile in Paris äusserten sich verstört: «Der Staat verliert die Kontrolle», sagte ein Frau gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Das dürfe nicht zugelassen werden. «Vielleicht sollte die Armee einschreiten.»

(oli/sda)

Erstellt: 02.12.2018, 20:06 Uhr

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