Mit dem Gewicht von 44 Millionen

Harvey Weinstein hat sich mit seinen Anklägerinnen aussergerichtlich geeinigt. Ein Grosserfolg für die #MeToo-Bewegung – auch wenn der Strafprozess erst noch kommt.

Übergriffigkeit, Überheblichkeit: Harvey Weinstein.

Übergriffigkeit, Überheblichkeit: Harvey Weinstein. Bild: Keystone

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Eineinhalb Jahre nachdem der Fall Harvey Weinstein publik geworden ist, hat sich der Filmmogul mit seinen Opfern angeblich aussergerichtlich geeinigt. 44 Millionen Dollar soll er insgesamt an seine Opfer zahlen, Details zu den einzelnen Vereinbarungen sind aber noch nicht bekannt. Auch betrifft die Einigung nur die zivilrechtlichen Verfahren, in New York wird er sich im September wegen Vergewaltigung und anderer sexueller Vergehen gegen zwei Frauen auch noch vor dem Strafgericht verantworten müssen.

Symbolische Bedeutung

Es ist ein wichtiger Meilenstein in der Causa Weinstein, deren symbolische Bedeutung kaum zu überschätzen ist und die wesentlich zur #MeToo-Bewegung beigetragen hat. Das Verhalten, von dem Weinsteins Anklägerinnen berichteten, seine beiläufige Übergriffigkeit, die Überheblichkeit, mit der er sich an Mitarbeiterinnen und Schauspielerinnen bedient haben soll, als handle es sich um ihm zugedachte Requisiten: All das führte zu einer weltweiten Diskussion über sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt. Nicht nur über Weinstein, sondern über übergriffiges Verhalten von Männern überhaupt und zwar in allen Kulturen. Es bewirkte so etwas wie eine tektonische Verschiebung in den Tiefen menschlicher Gesellschaften: Das soziale Risiko für sexuell übergriffiges Verhalten ist heute ungleich grösser, als es noch vor zwei Jahren war.

Die Tücken von #MeToo

Allerdings hat die #MeToo-Bewegung, so sinnvoll sie in ihrer Funktion eines Weckrufs ist, auch ihre Tücken. Allzu schnell werden Vorwürfe als Tatsachen behandelt und kleine Vergehen auf die gleiche Ebene gestellt wie schwere Übergriffe. Und wo das Recht einem Beschuldigten einen Gerichtsprozess und die Unschuldsvermutung zugesteht, hielt man sich im Zuge von #MeToo nicht immer mit solchen Feinheiten auf. Das liegt zwar ebenfalls in der Natur der Sache – gerade weil sexuelle Übergriffe so schwer zu beweisen sind und es für betroffene Frauen extrem schwierig ist, zu ihrem Recht zu kommen, stiess #MeToo auf solche Resonanz. Dennoch ist es wichtig, die Grundsätze der Rechtsordnung auf diesem schwierigen Feld zu bewahren.

Auch deshalb ist Weinsteins aussergerichtliche Einigung wichtig. Zwar ist über die Einzelheiten noch kaum etwas bekannt, nur so viel, dass die Verhandlungen «äusserst kontrovers» verlaufen seien. Trotzdem darf man sie als Schuldeingeständnis lesen. Und es ist ein deutliches Signal: Sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt sind kein Kavaliersdelikt. Sie können auf dich zurückfallen. Mit dem Gewicht von 44 Millionen Dollar.

Erstellt: 24.05.2019, 12:53 Uhr

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