Mit einem Kissen erstickt

Kein Hirngespinst scheint Donald Trump zu abwegig. Er verbreitet wilde Verschwörungstheorien.

Wilde Theorien: Laut Trump führen Impfungen bei Kindern zu Autismus.

Wilde Theorien: Laut Trump führen Impfungen bei Kindern zu Autismus. Bild: Jonathan Ernst/Reuters

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Im New Yorker Hauptquartier von Donald Trumps Wahlkampftruppe geht Paranoia um: Inmitten von Chaos und Hinauswürfen grassieren Gerüchte, die Räumlichkeiten seien verwanzt, Big Brother höre mit. Überraschend ist nichts daran: Trumps Helfer widerspiegeln lediglich die Verschwörungstheorien ihres Chefs, wie Trump scheint auch sein Stab empfänglich für Abstruses.

Am vergangenen Freitag war der Kandidat mal wieder in Hochform: Bei einer Wahlkampfveranstaltung behauptete Trump im dürregeplagten Kalifornien, es bestehe kein Grund zur Rationierung von Wasser. «Es gibt keine Dürre», erklärte er und deutete an, es handle sich um eine Verschwörung kalifornischer Bürokraten. «Sie nehmen das Wasser und drücken es hinaus aufs Meer», wusste der republikanische Präsidentschaftskandidat.

Spezialist für Verschwörungstheorien

Es war typisch Trump: Oft gewahrt der New Yorker dunkle Mächte, voran anonyme Bürokraten, die für Unheil sorgen oder durch Nichtstun Unheil anrichten. Als im Sommer 2014 die Furcht vor dem Ebola-Virus um sich griff, war Trump denn auch sofort zur Stelle. Das Virus sei «viel leichter zu übertragen, als die Regierungsbehörden zugeben», warnte Dr. Trump.

Als Spezialist für Hirngespinste streute der New Yorker an vorderster Front und über Jahre die Mär, Barack Obama sei in Kenia geboren und deshalb illegal an der Macht. Die amerikanische Verfassung verlangt, dass der Präsident im Land geboren wurde. So massiv gingen die sogenannten «Birthers», Trump vorneweg, zur Sache, dass sogar die Echtheit von Obamas in Hawaii ausgestellter Geburtsurkunde angezweifelt wurde.

«Ich habe es gesehen!»

Bei anderen Verschwörungstheorien mischte Trump ebenfalls eifrig mit. Im Februar deutete er an, niemand wisse genau, was «wirklich» am 11. September 2001 geschehen sei. Dann versprach er volle Aufklärung, sobald er im Weissen Haus sei. Ausserdem bildete Trump sich ein, er habe gesehen, wie «Tausende und Tausende» von Muslimen in New Jersey nahe Manhattan den Massenmord von 9/11 bejubelt hätten. Auf Beweise angesprochen, schob der Fantast dreist nach: «Es war im Fernsehen, ich habe es gesehen.»

Nicht im TV gesehen hatte Trump hingegen das Ableben des konservativen obersten Bundesrichters Antonin Scalia, der im Februar an einem Herzversagen verstorben war. Trotzdem überkamen Trump sofort schlimme Vermutungen. «Sie haben ein Kissen auf seinem Gesicht gefunden, und das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Ort, um ein Kissen zu finden», half Trump den Verdacht zu verbreiten, Scalia sei womöglich von politischen Gegnern mit einem Kissen erstickt worden.

Impfung löst Autismus aus

Selbst in der Autismus-Forschung meldete sich Trump zu Wort und wärmte die längst widerlegte Behauptung auf, Impfungen seien der Auslöser von Autismus. «Gesundes Kind geht zum Arzt, wird massiv geimpft, fühlt sich nicht wohl danach, verändert sich – Autismus», twitterte Trump. Neuerdings stochert der Verschwörungsexperte mit Vorliebe im Leben von Bill und Hillary Clinton herum, wo er kürzlich eine längst eingemottete Story aus alten Zeiten aufwärmte: Die Clintons, verbreitete Trump, hätten beim Tod von Bill Clintons Anwalt Vince Foster die Hand im Spiel gehabt.

Die Lüge war in den Neunzigerjahren fester Bestandteil des konservativen Kesseltreibens gegen die Clintons gewesen, obgleich mehrere akribische Untersuchungen zweifelsfrei belegten, dass Foster Selbstmord begangen hatte. Trump focht es nicht an: Kräftig schob er die alte Verschwörungstheorie wieder an, offenbar in der Hoffnung, etwas werde kleben bleiben.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat sehe sich die «Clinton-Verschwörungen» an und mache «die Arbeit, die die amerikanischen Medien und die Republikanische Partei nicht erledigen wollen», lobte der rechte Radiotalker Rush Limbaugh daraufhin den Präsidentschaftskandidaten.

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Der wiederum zapft regelmässig zweifelhafte Informationsquellen wie den berüchtigten Ober-Verschwörungstheoretiker Alex Jones an. Mit seiner Radio-Talkshow sowie auf seiner Webseite «Infowars» verbreitet Jones massive Verschwörungstheorien, was Trump nicht davon abhielt, Jones im Dezember 2015 die Aufwartung zu machen. «Donald Trump schockt Establishment-Medien, tritt bei Alex Jones auf», begrüsste der Grossmeister der Verschwörungstheoretiker damals per Schlagzeile den hohen Besuch.

Erstellt: 30.05.2016, 21:29 Uhr

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