Tausende Palästinenser demonstrieren nach Tod eines Kleinkinds

Brandanschläge auf Häuser von Palästinensern haben im Westjordanland eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Autonomiebehörde will den Sicherheitsrat anrufen.

Palästinenser demonstrierten gegen ein von radikalen jüdischen Siedlern verübtes Attentat: Ein Demonstrant in Hebron. (31.7.2015)

Palästinenser demonstrierten gegen ein von radikalen jüdischen Siedlern verübtes Attentat: Ein Demonstrant in Hebron. (31.7.2015) Bild: Abed al Haslhamoun/Keystone

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Tausende Palästinenser gingen am Freitagabend aus Wut über ein Attentat im Westjordanland, bei dem ein Kleinkind starb, auf die Strasse. Bei Zusammenstössen mit der israelischen Armee wurde ein junger Palästinenser angeschossen. Der 14-Jährige starb später im Spital.

Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte zu dem Vorfall, dass ein «palästinensischer Verdächtiger» einen Brandsatz auf einen Armeeposten in Bir Seit geworfen habe. «Als Reaktion auf diese unmittelbare Gefahr haben die Soldaten auf den Angreifer geschossen», sagte sie. Dabei sei der 14-Jährige getroffen worden.

Zu den Protesten kam es nach einem schweren Brandanschlag auf zwei Häuser von Palästinensern im Westjordanland. Bei dem mutmasslich von radikalen jüdischen Siedlern verübten Attentat waren ein palästinensisches Kleinkind getötet und insgesamt vier weitere Menschen verletzt worden, fast alle lebensgefährlich.

UNO soll besetzte Gebiete schützen

Die palästinensische Autonomiebehörde kündigte derweil an, den Brandanschlag vor den UNO-Sicherheitsrat zu bringen. Eine UNO-Resolution soll sich gegen «die kriminellen Taten und den Terrorismus» israelischer Siedler richten, teilte die Palästinenserführung mit. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon solle erneut aufgefordert werden, die besetzten Gebiete unter internationalen Schutz zu stellen.

Ban hatte zuvor den Brandanschlag scharf verurteilt. Die Verantwortlichen dieses «Terrorakts» müssten umgehend zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte er am Freitag am UNO-Sitz in New York.

Der UNO-Generalsekretär sprach der Familie des getöteten Jungen sein Mitgefühl aus – auch seine Eltern und sein Bruder schwebten in Lebensgefahr. Ban rief zudem beide Konfliktparteien zu Massnahmen auf, die auf den «Pfad des Friedens» zurückführten.

Netanyahu spricht von «Terrorakt»

Die israelische Regierung hatte den Brandanschlag scharf verurteilt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu führte wegen des Anschlags ein seltenes Telefonat mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. «Jeder in Israel ist schockiert über diesen verwerflichen Terrorakt», sagte Netanyahu am Freitag nach Angaben seines Büros.

Netanyahu versprach Abbas zudem umfassende Ermittlungen zur Aufklärung des Verbrechens. Später am Abend äusserte Abbas Zweifel am Willen Israels, nach «wahrer Gerechtigkeit» zu streben.

Er machte zudem Israel «direkt» verantwortlich für den Tod des Kleinkindes. Der Grund dafür sei, dass nicht gegen radikale jüdische Siedler vorgegangen werde und deren Taten «straflos» blieben. (ij/sda)

Erstellt: 01.08.2015, 08:31 Uhr

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