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16 Tote in Ägypten – vier Minister treten zurück

Hunderttausende Ägypter fordern den Rücktritt von Präsident Mursi. Demonstranten stürmten die Zentrale seiner Muslimbrüder-Partei. Mehrere Minister treten nun zurück.

Die Regierungsbildung schreitet voran: Mohammed al-Baradei wird vom Interimspräsidenten Adli Mansur als Vizepräsident vereidigt. (14. Juli 2013)
Die Regierungsbildung schreitet voran: Mohammed al-Baradei wird vom Interimspräsidenten Adli Mansur als Vizepräsident vereidigt. (14. Juli 2013)
AP/zvg
Angriff der Islamisten: Ein zerstörtes Panzerfahrzeug in al-Arish. (12. Juli 2013)
Angriff der Islamisten: Ein zerstörtes Panzerfahrzeug in al-Arish. (12. Juli 2013)
AP Photo/Muhammed Sabry
Ende Juni intensivierten sich die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Mursi. Die Forderung auf dem Tahrir-Platz ist missverständlich. (30. Juni 2013)
Ende Juni intensivierten sich die Proteste gegen den damaligen Präsidenten Mursi. Die Forderung auf dem Tahrir-Platz ist missverständlich. (30. Juni 2013)
Keystone
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Inmitten der Massenproteste gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sind vier Minister seines Kabinetts zurückgetreten. Die Minister für Kommunikation, Tourismus, Umwelt und Justiz hätten gemeinsam bei Ministerpräsident Hescham Kandil ihren Rücktritt eingereicht, sagte ein Regierungsvertreter in Kairo. Zuvor waren bei landesweiten Protesten mit Millionen von Teilnehmern am Sonntag mindestens 16 Menschen getötet worden. Nach nächtlichen Zusammenstössen stürmen Demonstranten heute auch das Hauptquartier von Mursis Muslimbruderschaft in der ägyptischen Hauptstadt.

Beim Sitz der Regierungspartei hatten zuvor schwere Auseinandersetzungen mindestens acht Tote gefordert. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie zahlreiche Menschen heute Morgen dann in das sechsstöckige Gebäude im Osten der ägyptischen Hauptstadt eindrangen. Auch andernorts gingen die Proteste gegen Präsident Mohammed Mursi weiter. Die Demonstranten stellten ihm ein Ultimatum, bis Dienstagnachmittag zurückzutreten.

Sturm auf die Zentrale der Muslimbrüder

Im Fernsehen waren Bilder von zerschmetterten Fensterscheiben in der Zentrale der Muslimbruderschaft zu sehen; Rauch stieg über dem Gebäude auf. An der Frontseite des Hauses entfernte ein Demonstrant ein Schild mit dem Logo der Muslimbruderschaft, ein anderer schwenkte in triumphaler Geste von einem Fenster in einem der oberen Stockwerke aus die ägyptische Flagge.

Nach ihrem Angriff nahmen die Demonstranten unter anderem Möbel, Dokumente und Teppiche aus dem Gebäude mit. Ein Demonstrant kam mit einer Pistole aus dem Hauptquartier und übergab sie einem Polizisten.

Bereits am Sonntagabend hatte es am Sitz der Muslimbruderschaft schwere Zusammenstösse zwischen Demonstranten und Anhängern von Präsident Mursi gegeben. Junge Protestierende griffen das Gebäude mit Brandsätzen und Steinen an. Am Eingangstor des von einer Mauer umgebenen Anwesens brannte es zeitweise. Anhänger der Bruderschaft schossen auf die Angreifer. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen kamen mindestens acht Menschen ums Leben.

Hunderttausende auf der Strasse

Gestern waren in Kairo und anderen Städten Hunderttausende Ägypter auf die Strasse gegangen, um Mursis Rücktritt zu fordern. Es waren die grössten Proteste in dem Land seit dem Sturz von Machthaber Hosni Mubarak im Februar 2011. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte im Staatsfernsehen, landesweit kamen seit Sonntag mindestens 16 Menschen bei den Protesten ums Leben, darunter die acht vor dem Gebäude der Muslimbruderschaft. Fast 800 Menschen seien verletzt worden.

Auch am Montag waren Massendemonstrationen gegen Mursi geplant. Zudem riefen die Mursi-Gegner zu Streiks auf. Ob die Gewerkschaften dem Ruf folgen würden, war zunächst unklar. Manche Demonstranten hatten in Zelten auf dem zentralen Tahrir-Platz und vor dem Präsidentenpalast in Kairo übernachtet. Die Organisatoren kündigten an, diese Stellungen halten zu wollen, bis Mursi zurücktritt. Sie stellten dem Staatschef ein Ultimatum, wonach er bis 17.00 Uhr am Dienstag zurücktreten muss. Zudem riefen die Organisatoren Polizei und Streitkräfte auf, sich hinter den Willen des Volkes zu stellen.

Anhänger des ägyptischen Präsidenten setzten ihre Sitzblockade vor einer grossen Moschee in Kairo fort. Tausende Islamisten hatten sich bereits am Sonntag in der Nähe des Präsidentenpalastes versammelt, um ihre Unterstützung für den umstrittenen Staatschef zu zeigen.

Die Mursi-Gegner werfen dem Präsidenten vor, seine Versprechen nicht gehalten zu haben und für einen wirtschaftlichen Niedergang verantwortlich zu sein. Mursi schloss einen Rücktritt aber aus. Sollte ein gewählter Präsident zurücktreten, «wird es Leute oder Opposition auch gegen den neuen Präsidenten geben, und eine Woche oder einen Monat später, werden sie ihn zum Rücktritt auffordern», sagte Mursi der britischen Zeitung «The Guardian».

(sda/AFP/AP)

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